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Asien

Diskriminierung von iranischen Studentinnen

Studentinnen dürfen im Iran zukünftig nicht mehr studieren, was sie wollen. Selbst das Fach Erziehungswissenschaften soll den Frauen verwehrt bleiben. Was steckt dahinter?

In den letzten Jahren hat der Frauenanteil an den Universitäten im Iran enorm zugenommen. Zuletzt lag er bei 63 Prozent. Das missfällt den konservativen Führungskräften im Iran. Sie befürchten, dass eine gute Ausbildung die Mädchen zu mehr Selbstständigkeit verhilft. Jetzt hat das iranische Regime zu strengen Maßnahmen gegriffen.

Laut der persischen Nachrichtenagentur MEHR News haben die iranischen Universitäten ihre Fächer geschlechtsspezifisch aufgeteilt und größtenteils für Mädchen gesperrt. Im kommenden Jahr sind iranische Studentinnen von 77 Hauptfächern wie zum Beispiel Rechnungswesen und Erziehungswissenschaften an 36 Universitäten ausgeschlossen.

Religionswissenschaft statt Buchhaltung

Staatsoberhaupt Seyed Ali Khamanei betont, wie wichtig es sei, die Jugend zu fördern: "Die junge, gebildete Generation ist entscheidend für die Entwicklung unseres Landes." Doch gleichzeitig kritisierte er bereits 2009, dass über zwei Millionen junge Studenten in geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern an iranischen Universitäten eingeschrieben sind, statt technische Fächer oder Religion zu studieren. Das Lernen säkularer Gedanken brächte Zweifel an den islamischen Prinzipien und Misstrauen gegenüber den islamischen Werten hervor. Er veranlasste Zensuren wie das Verbot der Werke des deutschen Philosophen Jürgen Habermas und forderte mehr Studien religionsspezifischer Fächer.

Iranische Frau als Familienoberhaupt

Auch die neue Rolle der iranischen Frau besorgt die Machthaber. Faranak, die vor zwei Jahren für ihr Masterstudium nach Deutschland gekommen ist, erzählt: "Die Berufsaussichten für Frauen sind im Iran gut. Das Durchschnittsgehalt einer Frau ist niedriger, als das von einem Mann, deshalb stellen die Firmen lieber weibliche Absolventen ein." Aufgrund dieser Entwicklung befürchten die Konservativen einen Zerfall der klassischen Geschlechterverteilung. Die Frau kümmert sich nicht um den Haushalt und die Kinder, sondern übernimmt immer mehr die Rolle der Ernährerin.

Bei einem Wettbewerb der angehenden Ingenieure der freie Universität Teheran präsentieren Frauen eine Spagettikonstruktion. Quelle: FARS

Ingenieurinnen und Ingenieure präsentieren eine Konstruktion aus Spaghettis.

Dieses Bild einer selbständigen und modernen Frau will der islamische Staat mit allen Mitteln verhindern. Saeed Peyvandi Soziologe und Experte für die iranische Jugend und Bildung schildert: "In den letzten fünfzehn Jahren haben die iranischen Frauen eine fortschrittliche und erfolgreiche Entwicklung aufgezeigt. Der iranische Staat aber will das jetzt unterbinden. In den meisten anderen Ländern werden die Frauen besonders gefördert, im Iran jedoch werden sie behindert."

Jetzt wird den Frauen sogar der Zugang zur Bildung verwehrt. Fächer wie Technik, Geologie, Chemie und Ingenieurswesen und sogar Erziehungswissenschaften sind von der neuen Gesetzesregelung betroffen. Religionswissenschaften und Arabisch stehen den Frauen noch offen. Es handelt sich dabei allerdings um Fächer, die die Männer seit jeher dominieren: "Ich kenne einige Frauen, die Religionswissenschaften studieren, aber die werden später nie so einen hohen Stellenwert erreichen, wie ein Mann, der islamische Religion studiert, denn eine Frau kann ja kein Mullah werden."

Gegen "unsittliches" Verhalten

Der iranische Soziologe Saeed Peyvandi. (Foto: M. Ghanbari / Iran-Emrooz )

Der iranische Soziologe Saeed Peyvandi

Bereits im letzten Jahr stand die Geschlechtertrennung an den Universitäten des Landes auf der Agenda der Ultrareligiösen. Sie veranlassten an der Teheraner Universität die Errichtung von getrennten Ein- und Ausgänge und ließen sogar Trennwände in einigen Seminarräumen einbauen, um "unsittliches" Verhalten zu vermeiden. "Morgens wurden wir am Eingang von Wächtern begutachtet, ob wir gesittet gekleidet sind. Zum Beispiel, ob unsere Mäntel lang genug und nicht zu eng sind oder wir nicht zu viel Schminke aufgetragen haben." Peyvandi fürchtet hier eine bewusste Verschärfung von Seiten der Regierung: "Erst haben sie verschiedene Eingänge einrichten lassen, dann verschiedene Räume und jetzt versuchen sie die Studiengänge geschlechtsspezifisch aufzuteilen. Sie wollen durch die Fächerwahl die Frauen und Männer in bestimmte gesellschaftliche Rollen lenken."

Zu den 36 beteiligten Universitäten zählen nicht nur die großen, wie die in der Hauptstadt, sondern auch die kleineren Universitäten aus den Provinzen Irans. Der Anteil an gesperrten Fächern variiert von Universität zur Universität. Mittlerweile beteiligen sich sogar streng Religiöse und Studenten, die mit der Republik sympathisieren, an den Protesten gegen die neuen Maßnahmen an den Universitäten, wie die die Nachrichtenagentur MEHR News bestätigt. Peyvandi befürchtet, dass ein Großteil der iranischen Jugend den Ehrgeiz, ein Studium anzustreben, verlieren werde. Die Zahl der jungen iranischen Frauen, die zum Studium ins Ausland wollen, könnte damit eine neue Dimension erreichen.