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Top-Thema – Podcast

Diskriminierung im deutschen Film?

In den USA gab es große Diskussionen, als kein Schwarzer für den Oscar vorgeschlagen wurde. Das Problem kennt man auch in Deutschland. Schauspieler mit Migrationshintergrund bekommen hier nur selten gute Rollen.

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Diskriminierung im deutschen Film? – das Top-Thema als MP3

„Die Rollen, die ich angeboten bekomme, kann ich in einem Wort zusammenfassen: Kanaken“, sagt der Schauspieler Tayfun Bademsoy. Er ist in der Türkei geboren, mit zehn Jahren nach Berlin gekommen und spricht akzentfrei Deutsch. Seit 36 Jahren arbeitet er in Deutschland als Schauspieler. Die Rollen, die ihm angeboten werden: Gemüsehändler oder Terroristen. An diesen klischeehaften Angeboten hat sich in den letzten Jahren auch nicht viel geändert, erzählt er.

Bademsoy sieht eine starke Diskriminierung in der Branche. Schauspieler mit Migrationshintergrund würden nur selten gute Rollen bekommen. Schauspielagent Rudolf Oshege ist das Problem bekannt. Auch seine Klienten bekommen oft nur stereotype Rollen angeboten. „Das ist nicht gewollt oder gesteuert. Aber es schleicht sich so ein“, sagt er.

Es gibt allerdings auch einige Schauspieler, die den Klischees entkommen: etwa die türkischstämmige Sibel Kekilli, die mit dem Film „Gegen die Wand“ 2004 bekannt wurde und zuletzt in der US-Serie „Game of Thrones“ mitgespielt hat. Mehrmals hat sie für ihre Leistungen Preise gewonnen. Mittlerweile wird sie nicht mehr auf die Rolle der türkischstämmigen Frau festgelegt: Sie spielt in der Fernsehreihe „Tatort“ seit 2010 die deutsche Kommissarin Sarah Brandt.

Auch Elyas M'Barek wird nicht mehr auf stereotype Rollen festgelegt. Er spielte in den „Fack ju Göhte“-Filmen einen Bankräuber und in Komödien wie „Traumfrauen“ den Mann zum Verlieben. Diese Filme waren in Deutschland sehr erfolgreich. Für Bademsoy repräsentieren Kekilli und M'Barek aber nicht den Alltag im deutschen Film und Fernsehen. Denn dort sieht man immer noch viel seltener Menschen mit Migrationshintergrund als im echten Leben. „Wenn man den Fernseher einschaltet, spiegelt das nicht die Realität auf deutschen Straßen wider“, sagt er.


Glossar

Migrationshintergrund
(m., nur Singular) – die Tatsache, dass die Eltern oder Großeltern aus einem anderen Land nach Deutschland gekommen sind

Kanake, -n (m.) – Schimpfwort für: der Ausländer (besonders aus südlichen Ländern)

akzentfrei – so, dass jemand die Wörter einer Sprache ohne den kleinsten Fehler ausspricht

Terrorist, -en/Terroristin, -nen – jemand, der seine politischen oder religiösen Ziele durch Gewalt erreichen möchte

klischeehaft – so, dass etwas voller Vorurteile ist (Substantiv: das Klischee)

Diskriminierung, -en (f.) – das schlechtere Behandeln von Menschen, die eine andere Hautfarbe, Religion, Kultur o. Ä. haben

Branche, -n (f.) – der Arbeitsbereich; ein Bereich der Wirtschaft

Agent, -en/Agentin, -nen – hier: jemand, dessen Beruf es ist, Jobs für Künstler zu finden

Klient, -en/Klientin, -nen – jemand, der professionellen Rat und Hilfe bei jemandem sucht

stereotyp – immer wieder auf die gleiche Art; auch: → klischeehaft

etwas steuern – hier: etwas mit Absicht machen; etwas gezielt machen

sich ein|schleichen – hier: passieren, auch wenn es nicht beabsichtigt ist

etwas entkommen – hier: von etwas nicht mehr betroffen sein

türkischstämmig – so, dass man selbst oder die Eltern in der Türkei geboren wurden

auf etwas festgelegt werden – hier: immer nur eine Möglichkeit haben; keine Wahlmöglichkeit haben, weil man von anderen nur in Bezug auf etwas wahrgenommen wird

Kommissar, -e/Kommissarin, -nen – ein Polizist/eine Polizistin

Bankräuber, -/Bankräuberin, -nen – jemand, der Geld aus einer Bank klauen will

Komödie, -n (f.) – hier: ein Film, der eine lustige Handlung hat

etwas repräsentieren – für etwas stehen; für etwas typisch sein

etwas wider|spiegeln – etwas zeigen; etwas erkennen lassen


Fragen zum Text

1. Tayfun Bademsoy beschwert sich, dass er … angeboten bekommt.

a) zu wenig Rollen
b) nur stereotype Rollen
c) nie die Rolle eines Bösen

2. Rudolf Oshege sagt, dass …
a) es keine Diskriminierung von Schauspielern in deutschen Filmen gibt.
b) die Filmemacher den Schauspielern mit Absicht keine guten Rollen anbieten.
c) die Diskriminierung existiert, auch wenn das eigentlich niemand will.

3. Was sagt Bademsoy über Elyas M'Barek und Sibel Kekilli?
a) Der Erfolg der beiden Schauspieler ist eine Ausnahme.
b) M'Barek und Kekilli werden diskriminiert.
c) Auch wenn sie erfolgreiche Filme gemacht haben, sind sie auf deutschen Straßen eher unbekannt.

4. Der Schauspielagent Oshege, … Klienten oft stereotype Rollen angeboten werden, kennt das Problem der Schauspieler mit Migrationshintergrund.
a) dessen
b) deren
c) denen

5. Sibel Kekilli ist eine der Schauspielerinnen, … auch nicht-klischeehafte Rollen angeboten werden.
a) der
b) die
c) das


Arbeitsauftrag
Wie sieht die Situation in eurem Heimatland aus? Sind dort im Fernsehen häufig Schauspieler mit Migrationshintergrund in wichtigen Rollen zu sehen?

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