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Sport

"Dirkules" auf dem Olymp

Alles hat er für sein Ziel gegeben, nun endlich hat er es erreicht: Dirk Nowitzki ist der erste deutsche NBA-Sieger. Mit 105:95 siegten Nowitzkis Dallas Mavericks im sechsten Finalspiel bei den Miami Heat.

Dirk Nowitzki im Duell mit Chris Bosh (Foto: AP)

Zu Beginn seiner Karriere nannten sie ihn "German Wunderkind", doch aus dem ist heute längst "The Dirkules" geworden. Dirk Nowitzki ist nun definitiv nicht mehr nur einfach der beste deutsche Basketballer, sondern einer der Bedeutendsten seines Sports. Für Basketball-Legende "Magic" Johnson ist Nowitzki "einer der größten Basketballer aller Zeiten" und der nicht weniger bekannte Charles Barkley hat "seit 30 Jahren niemanden in der NBA gesehen, der ein so einzigartiges Spiel hat".

Ein magischer Moment

Und dennoch, Nowitzkis beeindruckende Karriere hatte einen Makel: Dirk Nowitzki hatte noch keinen NBA-Titel – bis jetzt. Nun endlich ist er da, der Sieg in der Nordamerikanischen Basketballserie, der im Basketball wichtiger ist als Weltmeistertitel und Olympiasieg. Der Triumph von Dallas war zu großen Teilen ein Verdienst von Nowitzki, der konsequenterweise auch zum wertvollsten Spieler der Finalserie gewählt wurde. Er ist damit nach dem Franzosen Tony Parker erst der zweite Europäer, dem diese Ehre zuteil wird.

Dirk Nowitzki jubelt (Foto: AP)

Nowitzki gilt als mannschaftsdienlicher Spieler

Seine Spielweise ist manchmal so simpel wie beeindruckend. Kurz vor dem Ende des vierten Finalspiels gegen Miami: 14 Sekunden sind noch auf der Uhr, Nowitzki hält den Ball, wartet, schiebt sich dann mit einer Drehung unwiderstehlich zum Korb – und trifft. Ein magischer Moment für die Fans der Dallas Mavericks, die den Deutschen ins Herz geschlossen haben. "Ich denke, er ist einer der besten Spieler der Serie", sagt einer von ihnen schon vor dem Titelgewinn. Der Gelobte gibt solche Komplimente am liebsten sofort zurück an seine Anhänger. "Die Fans waren super, das ganze Jahr über. Sie haben uns immer nach vorne gepusht, und der Sieg war auch für sie."

Mit 39 Grad Fieber zum Titel

Alles hat Nowitzki gegeben für diesen Titel, auch wenn er eigentlich gar nicht auf das Spielfeld gehörte. Denn Nowitzki spielte mit einem Sehnenriss im linken Mittelfinger und mit 39 Grad Fieber. "Husten und Schnupfen und eine Nasennebenhöhlen-Entzündung, das nimmt man alles mit und ist auch alles nicht so schlimm. Aber das Fieber schlaucht natürlich", hatte der sichtlich geschwächte Athlet den Reportern gestanden.

Dirk Nowitzki jubelt (Foto: AP)

Doch ein Siegertyp: Dirk Nowitzki galt bei seinen Kritikern als zu weich. Jetzt holte er mit Fieber den Titel.

Aber es zählt zu seinen Stärken, solche Dinge auszublenden und sich zu 100 Prozent auf seine Aufgabe zu konzentrieren. Wenn die NBA in ihre entscheidende Phase geht, gibt es für ihn nur noch eines, was zählt: Basketball. "Eineinhalb Monate lang denkst du quasi nur an Basketball. Du musst in jedem Spiel an Deine Grenzen gehen, schläfst nach dem Spiel kaum. Das geht schon an die Substanz."

Das Trauma von 2006

Dass Nowitzki alles tat für diesen Titel, hat eine Vorgeschichte. 2006 hatte Nowitzki schon einmal die Chance auf den Titel. Der Gegner der Dallas Mavericks war damals wie heute Miami Heat. Mit 2:0 Siegen führten Nowitzkis Mavericks schon, doch dann geschah das Unfassbare: Dallas brach völlig ein, verlor die nächsten vier Spiele in Folge. Für Dirk Nowitzki vor fünf Jahren eine bittere Erfahrung: "Was kann ich sagen? Das war eine harte Niederlage", sagte er damals mit gebrochener Stimme.

Dirk Nowitzki (Foto: AP)

Seit 1998 spielt Dirk Nowitzki für die Dallas Mavericks

Doch aus dieser Enttäuschung hat der 32-Jährige gelernt, handelt heute sehr überlegt und lässt sich auch von Provokationen des Gegners nicht aus seiner stoischen Ruhe bringen – das gilt auch für sein Leben abseits des Spielfelds. "Die ganze Glamourwelt ist eigentlich nichts für mich", sagt Nowitzki, dem die vielen Millionen, die er mit Basketball verdient, nicht zu Kopf gestiegen sind. Der 2,13-Meter-Riese leistet sich keine Eskapaden wie andere NBA-Stars und gibt sich stets bescheiden. Bei den Fans ist er dafür beliebt – in der amerikanischen Sportpresse wurde ihm diese Eigenschaft aber als Schwäche ausgelegt. Nowitzki sei vielleicht zu weich und zu nett für einen großen Titel. Er bewies seinen Kritikern das Gegenteil und gibt sich weiter gerne heimatverbunden. "Ich bin schon eine treue Seele, komme jeden Sommer nach Hause nach Würzburg und werde auch nie vergessen, wo ich herkomme."

Sportliche Gene

Viel verdanke er auch seinen Eltern, die ihm sein Talent quasi in die Wiege legten: Vater Jörg war in den sechziger Jahren ein starker Handballer und Mutter Helga brachte es als Basketballerin zur Nationalspielerin. Sie werden sich freuen auf die baldige Rückkehr ihres Sohnes Dirk Nowitzki – den ersten deutschen NBA-Sieger.

Autor: Joscha Weber

Redaktion: Olivia Fritz

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