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Musik

Dirigent Sir Jeffrey Tate gestorben

Der gebürtige Engländer war einer der renommiertesten Dirigenten seiner Generation. Jetzt ist Sir Jeffrey Tate, der seit 2009 Chefdirigent der Hamburger Symphoniker war, im Alter von 74 Jahren gestorben.

Sir Jeffrey Tate erlag im italienischen Bergamo einem Herzinfarkt, wie ein Sprecher der Hamburger Symphoniker mitteilte. Die Symphoniker seien "vom völlig überraschenden Ableben" zutiefst erschüttert. "Die einzigartige Stimme Jeffrey Tates ist verstummt und wird doch in den Herzen, in den Gedanken und in der Erinnerung zahlloser Bewunderer und Freude in der ganzen Welt ewig weiter klingen", hieß es. Und weiter: "Seine Musik hat die Welt zu einer besseren gemacht, und wir sind für die Stunden, Tage und Jahre, die wir mit Sir Jeffrey verbringen durften, unendlich und unsagbar dankbar." Er habe das Orchester wie kein anderer geformt.

Erst im April zum Ritter geschlagen

Sir Jeffrey Tate war seit 2009 Chefdirigent der Hamburger Symphoniker. Er zählte zu den renommiertesten und vielseitigsten Dirigenten seiner Generation. Neben den Musikdramen Richard Wagners bildeten die Werke Mozarts und Richard Strauss' Schwerpunkte in seinem vielfältigen Repertoire. Erst am 19. April diesen Jahres war Tate im Buckingham Palace von Prinz William zum Ritter geschlagen worden - als Anerkennung für seine internationalen Verdienste um die britische Musik. "Ich habe die Ritterwürde nicht erwartet und vielleicht wird sie mein Leben nicht komplett verändern - und trotzdem fühle ich mich ein klein bisschen anders", hatte er nach der Zeremonie gesagt.

Deutschland Musik Hamburg Hamburger Symphoniker Chefdirigent Jeffrey Tate (Matthias Mramor)

Sir Jeffrey Tate in seinem Element bei den Hamburger Symphonikern

Trotz einer angeborenen Wirbelsäulenverformung hatte Tate zunächst Medizin in Cambridge studiert und zwei Jahre lang als Assistenzarzt in London gearbeitet. Seine musikalische Laufbahn begann er am Royal Opera House Covent Garden in London. Er arbeitete als Assistent von Herbert von Karajan in Salzburg und James Levine in New York, bevor er als Assistent von Pierre Boulez 1976 am sogenannten Jahrhundert-Ring der Bayreuther Festspiele mitwirkte. Tate galt als einer der bedeutendsten Interpreten der Musik Richard Wagners. Er hat den ersten vollständigen Pariser "Ring" der Nachkriegszeit und die erste komplette "Ring"-Aufführung in Australien dirigiert.

Bedeutender Wagner-Interpret

Es folgten Stationen an der New Yorker Metropolitan Opera, beim English Chamber Orchestra, beim Orchestre National de Paris und am Teatro San Carlo in Neapel. Seit der Saison 2009/2010 war Tate Chefdirigent der Hamburger Symphoniker, zu denen er eine besondere Beziehung aufbaute. Mit einem abwechslungsreichen Programm und publikumswirksamen Aktionen wie öffentlichen Proben eroberten sie gemeinsam das hanseatische Publikum. Kritiker lobten Tate als "Präzisionsliebhaber" und "Genießer des Details". Sein Musikmachen sei das Resultat "aus Überlegung, Wissen, Sensibilität, Erfahrung und Magie". Sein nächstes Konzert mit den Hamburger Symphonikern stand für den 18. Juni in der Laeiszhalle auf dem Programm - Tate hätte Werke unter anderem von Claude Debussy dirigieren sollen.

nf/kle (dpa/Hamburger Symphoniker)