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Wirtschaft

Direktinvestitionen sprunghaft gestiegen

Grenzüberschreitende Investitionen haben im vergangenen Jahr um fast 40 Prozent zugelegt. Doch bei diesen Wachstumsraten wird es nicht bleiben, warnt die Unctad in ihrem World Investment Report 2016.

Im Jahr 2015 ist der Wert an grenzüberschreitenden Direktinvestitionen (FDI) weltweit um satte 38 Prozent auf 1.760 Milliarden US-Dollar angestiegen, schreibt die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (Unctad) im neuesten "World Investment Report 2016", der am Dienstag in Genf vorgestellt wurde. Damit erreichten die FDI den höchsten Wert seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise im Jahr 2008.

Das Wachstum war vor allem auf einen starken Anstieg von grenzüberschreitenden Fusionen und Übernahmen zurückzuführen, die um 67 Prozent auf 721 Milliarden US-Dollar zugenommen haben. Die sogenannten Greenfield-Investitionen, also komplett neue Investitionen auf der grünen Wiese, verblieben mit 766 Milliarden Dollar ebenfalls auf einem hohen Niveau.

Nicht alles ist produktiv

Unctad-Generalsekretär Mukhisa Kituyi zeigte sich über die neusten Zahlen erleichtert, wies aber gleichzeitig darauf hin, dass es noch nicht klar sei, ob es sich bei der Entwicklung um eine Trendwende handelt. Denn ein nicht unbedeutender Teil der Geldflüsse von multinationalen Unternehmen war 2015 nicht durch die Übernahme von andern Unternehmen bedingt, sondern durch die Verlegung von Firmensitzen aus steuerlichen Gründen in Drittländer oder wegen anderer organisatorischer Maßnahmen, in der Summe aber keinerlei Wachstum beim Produktionspotenzial bringen. Rechnet man diese Faktoren heraus, hätten die globalen Direktinvestitionen im vergangenen Jahr nur ein moderates Wachstum von 15 Prozent aufgewiesen.

Angesichts der anhaltenden Schwäche der globalen Wirtschaft, der gesunkenen Rohstoffpreise und der verstärkten Bemühungen der internationalen Gemeinschaft zur Bekämpfung von Steuerschlupflöchern rechnet die Unctad für 2016 bereits wieder mit einem Rückgang des FDI-Volumens um zehn bis 15 Prozent.

Trendwende bei den Zielregionen

Von dem höheren Volumen an ausländischen Direktinvestitionen konnten im vergangenen Jahr vor allem die Industriestaaten profitieren. Sie zogen mit 962 Milliarden US-Dollar mehr als die Hälfte, nämlich 55 Prozent aller Investitionen an und konnten damit zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder mehr Kapital anziehen als Entwicklungs- und Schwellenländer. Diese Trendwende dürfte vor allem auf die schwache konjunkturelle Entwicklung in Schwellenländern und die tiefen Rohstoffpreise zurückzuführen sein.

Die Industriestaaten konnten aber nicht nur am meisten Gelder anziehen, sondern investierten mit 1.100 Milliarden Dollar auch erstmals seit drei Jahren wieder mehr als Entwicklungs- und Schwellenländer in Drittstaaten. Mit Ausgaben von 576 Milliarden US-Dollar war Europa trotz seiner relativen Wachstumsschwäche der größte Direktinvestor der Welt.

In der regionalen Betrachtung hat Afrika im vergangenen Jahr mit 54 Milliarden Dollar rund sieben Prozent weniger Investitionen angelockt als ein Jahr zuvor, während die FDI in Asien um 16 Prozent auf 541 Milliarden Dollar einen neuen Rekordwert erreichten. Investitionen in Lateinamerika und der Karibik verharrten mit 168 Milliarden Dollar auf einem recht niedrigen Niveau.