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Europa

Diplomatisches Auswärtsspiel

Beim Besuch in Athen soll Ex-Fussballtrainer Otto Rehhagel Werbung für Deutschland machen, in Deutschland soll er als Botschafter für Griechenland auftreten. Die Spielregeln seiner Mission aber bestimmt er selbst.

Otto Rehhagel ist gern in Athen, auch wenn er weiß, wie groß die Erwartungen an ihn sind. Er reist in hoher Mission: Die deutsche Bundeskanzlerin Merkel hatte ihn gebeten, sich für die Verbesserung des deutsch-griechischen Verhältnisses zu engagieren.

Besuch des ehemaligen griechischen Nationaltrainers Ottos Rehhagel in Athen. Foto: DW/P. Kouparanis

Rehhagel mit dem griechischen Fußballnachwuchs in Athen

Nun trifft er in der griechischen Hauptstadt auf alte Bekannte: Der griechische Innenminister Stylianidis fordert ihn auf, ein Botschafter Griechenlands in Deutschland zu werden. Er soll die Deutschen darüber aufklären, dass die Griechen fleißiger sind als ihr Ruf, und dass sie die vereinbarten Auflagen der Troika erfüllen werden, so hofft man hier.

Und die Tourismusministerin wiederum bedankt sich schon im voraus, dass Otto Rehhagel sich dafür einsetzen will, dass deutsche Fußballmannschaften ihr Winterquartier künftig auch in Griechenland beziehen. Bald bemerkt zwar Giannis Topalidis, der frühere Assistent von Rehhagel, dass die geeigneten Hotelanlagen hier noch fehlen. Da die Idee aber von Rehhagel selbst stammt, will er demnächst eine Anlage in Nordgriechenland auf ihre Tauglichkeit prüfen.

Otto II. kommt zurück

Seitdem er als griechischer Nationaltrainer 2004 die Europameisterschaft gewonnen hat, traut man Rehhagel in Griechenland viel zu. Dass weiß er auch selbst. Er spricht gern davon, dass der erste König Griechenlands nach der Unabhängigkeit im 19. Jahrhundert ein Deutscher war, der 32 Jahre herrschte. Und er, der ungekrönte Otto II., war nur zehn Jahre da. Was Rehagel lieber weglässt, ist das Ende der Geschichte: Der erste Otto nämlich wurde schließlich weggejagt. Er dagegen wählte den Zeitpunkt seines Abgangs selbst.

Rehhagel mit dem griechischen Erzbischof Hieronymus in dessen Sitz in Athen. Foto: DW/P. Kouparanis

Beistand von ganz oben: Rehhagel trifft auf Erzbischof Hieronymus

Auch heute antwortet und agiert Rehhagel so, wie er es für richtig hält. So versuchen einige Journalisten, ihn beim Spiel der Jugendmannschaften darauf festzulegen, dass dieses Spiel doch auch eine Botschaft gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit beinhalte. Otto Rehhagel antwortet darauf nur lapidar: "Ich habe zu den Spielern gesagt: 'Zeigt, was ihr drauf habt an Technik und respektiert einander. Wir wollen ein schönes Spiel sehen!'"

Vermutlich hat er bei der Fußballeuropameisterschaft 2004 auch nicht mehr Worte an seine Spieler gerichtet. Das Wichtigste im Fußball, sagt Rehhagel, sei nicht die Taktik, sondern das seien die Spieler. Man müsse sie als Persönlichkeiten annehmen.

Er sei 2004 erfolgreich gewesen, weil er die Spontaneität und die  Wildheit seiner griechischen Spieler akzeptiert habe. "Mein Beitrag war, dass ich ihnen Ordnung und Disziplin beigebracht habe", betont Rehhagel.

Ohne Fleiß kein Preis

Könnte das auch der Königsweg für die Lösung der griechischen Finanzprobleme sein? Eigentlich wollte Otto Rehagel nicht auf solche Fragen antworten. Das sollte der Part von Hans-Joachim Fuchtel sein, dem Staatssekretär des Bundesarbeitsministeriums, der ihn nach Griechenland begleitet hat. Der Beauftragte von Bundeskanzlerin Merkel für die deutsch-griechische Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene hatte die Idee, mit Otto Rehhagel nach Griechenland zu reisen, um hier für die konkrete Zusammenarbeit zwischen deutschen und griechischen Kommunen zu werben - um die Müllentsorgung in Griff zu bekommen, Verwaltungsabläufe effektiver zu gestalten und kommunale Energieunternehmen aufzubauen.

Otto Rehhagel und der griechische Innenminister Evripidis Stilianidis. Foto: Epa / Alkis Konstantinidis

Sport trifft Politik: Innenminister Evripidis Stilianidis und der Fussballtrainer

Aber natürlich interessieren sich die griechischen Journalisten für diese Arbeitsteilung wenig zu einer Zeit, da die Zypernkrise im Zentrum der allgemeinen Berichterstattung steht und gerade eine Abordnung der Troika aus EU, IWF und Europäischer Zentralbank nach Athen gekommen ist, um weitere Maßnahmen von der griechischen Regierung zu fordern.

Können die Griechen also die Krise bewältigen? "Man kann alles schaffen", antwortet Otto Rehhagel, "wenn man sich zusammentut." Als er 2001 die griechischen Nationalmannschaft als Trainer übernommen hat, war sie zerstritten. Kaum drei Jahre später kam der große Erfolg, weil man nicht mehr gegeneinander, sondern miteinander agiert habe. Und genau das müsse heute auch in der Wirtschaftskrise geschehen.

Ob er denn ein Hilfsversprechen der Kanzlerin mitbrächte, wird er in einer Fernsehsendung gefragt. "Wenn Schwierigkeiten kommen, müssen wir zusammenhalten", antwortet Otto Rehhagel. "Wir müssen den Gürtel enger schnallen, aber nicht so, dass man keine Luft mehr bekommt." Spätestens bei solchen Sätzen ist er den Griechen ganz nah. Oder auch, wenn er von sich selbst sagt, dass er sich im Leben an Regeln halte - "allerdings nur zu 90 Prozent".

Rehhagel fehlt der rigoroase Unterton, der sonst in so mancher "Griechenschelte" aus Deutschland mitschwingt. Die Griechen wissen das zu schätzen. Sie wissen, dass Veränderungen nötig sind. Von ihrem ehemaligen Nationaltrainer lassen sie es sich auch gefallen, wenn er auf die Frage nach der Schuld der deutschen Bundeskanzlerin für die Wirtschaftskrise in Griechenland antwortet: "Frau Merkel hat sie nicht erfunden."