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Politik

Diplomatischer Neuanfang am Bosporus

Die Türkei hofft, dass mit dem Besuch von Barack Obama am Bosporus eine neue Ära in den beiderseitigen Beziehungen anbricht. Denn für Obama gehört die Türkei zum Westen, nicht zur islamischen Welt.

Die Präsidenten Barack Obama und Abdullah Gül (Foto: AP)

Die Präsidenten Barack Obama und Abdullah Gül

Die internationale Aufmerksamkeit konzentriert sich nach dem G20-Gipfel in London und dem bis zur letzten Minute wegen des Widerstandes von Ankara gegen den künftigen NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen vom Scheitern bedrohten NATO-Jubiläumsgipfel des westlichen Verteidigungsbündnisses auf Obamas Türkei-Besuch. Das liegt vor allem darin begründet, dass Obama in der als "Beständigkeitsfaktor" betrachteten Türkei wichtige Botschaften und Friedenssignale an die islamischen Länder senden will. Obama wird im türkischen Parlament eine Rede halten, am zweiten Forum der "Allianz der Zivilisationen" teilnehmen, das Museum für islamische Kunst besuchen und mit türkischen Studenten diskutieren.

An dieser Veranstaltung nehmen auch Studenten aus Ländern Europas und des Nahen Ostens per Videokonferenz teil und haben die Möglichkeit, Obama Fragen zu stellen. Obamas Hauptziel ist es, seine Wahlkampfzusagen umzusetzen, nachdem er vor seiner Wahl erklärt hatte, keinen Krieg gegen den Islam zu führen und neue Beziehungen zur islamischen Welt auf der Basis von gemeinsamen Interessen und gegenseitigem Respekt aufbauen zu wollen.

Obama braucht die Türkei

Neben den internationalen Aspekten gilt Obamas Staatsbesuch in der Türkei auch als Gradmesser für die Zukunft des amerikanisch-türkischen Verhältnisses. Der Direktor des Internationalen Instituts für Politische Studien (IPRI), Mustafa Aydin, verweist auf den "Schaden für die Rhetorik der strategischen Partnerschaft", weil die Türkei den Irak-Krieg von Bush nicht unterstützt hatte. Dabei brauche Obama für seine Ziele in den Nachbar-Regionen der Türkei die Unterstützung Ankaras und der türkischen Bevölkerung: "Das ist einer der wichtigsten Präsidentenbesuche in der Türkei. In der Tat könnte man diesen Besuch mit dem Türkei-Besuch von Eisenhower nach dem Zweiten Weltkrieg vergleichen."

Sowohl für die USA als auch für die Türkei sei es von "lebenswichtiger Bedeutung", dass die bilateralen Beziehungen wieder auf die Schienen der neuen strategischen Partnerschaft gehoben würden, sagt Aydin: "Natürlich beeinträchtigt alles, was die USA machen, die Politik der Türkei und ihre Interessen. So sind Iran, Irak und Afghanistan ziemlich wichtige Themen, über die beide Länder sprechen und Einigung in verschiedenen Fragen suchen müssen. Wir könnten auch von Obama erwarten, dass er den EU-Beitrittsprozess der Türkei unterstützt. Vor allem aber ist es erheblich wichtiger, ein gemeinsames strategisches Verständnis in der Weltpolitik und dessen, wohin die Entwicklung geht, zu erreichen."

Obamas neue Türkei-Politik

Die internationalen Ereignisse und Entwicklungen nach dem 11. September und die damit zusammenhängenden Identitätsproblemen der Türkei sowie die jüngsten Erklärungen der religiös-konservativen Regierung in Ankara haben international zu der Frage geführt, ob die Türkei in die islamische Welt abdriftet.

Der Direktor des Türkei-Programms im renommierten Washington-Institut, Soner Cagaptay, erwartet, dass Obama die Zweifel über die türkische Zugehörigkeit zum Westen beseitigen will: "Obama verweist darauf, dass die Türkei ein islamisches Land sein mag, aber dem Westen angehört. Damit steht Obama im totalen Kontrast zur bisherigen Türkei-Politik der USA, die die Türkei als Teil der islamischen Welt betrachtet hatte."

Autor: Deger Akal

Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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