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Politik

Diplomatischer Eiertanz

Die EU steckt in der türkischen Falle. Soll man das Land am Bosporus in die Gemeinschaft lassen oder nicht? Soll man Verhandlungen mit dem Land aufnehmen? DW-Korrespondent Alexander Kudascheff geht den Fragen nach.

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Bis jetzt war die Ausgangslage eher einfach: man hatte 1999 in Helsinki auf einem Wintergipfel beschlossen: Die Türkei kann Mitglied der EU werden, aber sie muss die sogenannten Kopenhagener Kriterien erfüllen. Das heißt, die Todestrafe abschaffen und das Ende der stillen, aber effektiven Herrschaft der Militärs. Also, die Türkei muss eine richtige Demokratie werden und ihre Marktwirtschaft muss auch funktionieren.

Soweit so gut, und dann lehnten sich die Brüsseler Emissäre gelassen und entspannt in ihren Sofas zurück, denn so dachte man: Bis es soweit ist, daß die Türkei eine Demokratie nach unseren Maßstäben ist, dauert es eine Generation oder mehr.

Und dann kam die türkische Krise und die türkische Katharsis. Die Türkei macht ernst mit Reformen, sie macht sich beitrittsfähig - und die Brüsseler staunen nur noch mit offenem Mund über Perestroika & Glasnost in Ankara, Maramar und Istanbul. Zum zweiten Mal in hundert Jahren - nach den wahrhaftig revolutionären Reformen Atatürks, der aus dem zerfallenen osmanischen Imperium eine Republik nach französischem Vorbild geformt hat - orientiert sich die Türkei nach den europäischen Demokratien.

Zwar muss die Wahl von den Reformern erst noch gewonnen werden - aber das Lager des Fortschritts ist fest entschlossen, das Land zu ändern. Und dann klopft die Türkei an die Pforten des exklusiven EU-Clubs. Und dort staunt man. Natürlich, jetzt hat Ankara die Bedingungen erfüllt, also kann man auch mit den Verhandlungen beginnen, aber eigentlich hat die Türkei noch nicht alles so erfüllt wie sie sollte.

Man taktiert also, man spielt ein bisschen auf Zeit, man hält hin, man klammert. Denn eins ist - drei Jahre nach Helsinki - der EU schlagartig bewusst geworden: Es wird ernst. Die Türkei will in die EU und hat die Berufsdiplomaten schachmatt gesetzt. Will die EU aber die Türken aus ihrem Club fernhalten, dann hilft ihr nur noch eins: ein Sieg der Fundamentalisten. Und das wiederum will auch niemand. Da kann man nur den türkischen Fez vor Ankara ziehen.