1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Diplomatische Spannungen um Kurilen-Inseln

2. November 2010

Seit 65 Jahren verhindert der Streit um die Kurilen einen Friedensvertrag zwischen Tokio und Moskau. Nach dem Besuch des russischen Präsidenten auf dem Archipel spitzt der Konflikt sich weiter zu.

https://p.dw.com/p/PwKe
Russlands Präsident Medwedew auf der Insel Kunashir (Foto: AP)
Russlands Präsident bei seinem Besuch auf der Insel Kunashir (Südkurilen)Bild: AP

Zum ersten Mal hat ein russischer Präsident den Kurilen-Archipel seit seiner Besetzung durch sowjetische Truppen 1945 besucht. Dmitri Medwedew besichtigte auf der Insel Kunashir, die zu den Südkurilen zählt und auf die Japan Anspruch erhebt, eine Fischfabrik und ein Kraftwerk. Damit rollte er einen langanhaltenden politischen Konflikt mit Tokio über die umstrittene Inselgruppe neu auf.

Territorialstreit: Mein Land – Dein Land

Japans Ministerpräsident Naoto Kan (Foto: AP)
Japans Ministerpräsident Kan: "Medwedews Besuch ist sehr bedauerlich"Bild: AP

Japans Ministerpräsident Naoto Kan nannte Medwedews Besuch "sehr bedauerlich". Der russische Außenminister Sergej Lawrow wiederum bezeichnete die Einbestellung russischer Diplomaten in Tokio als "inakzeptabel". "Das ist unser Land und der russische Präsident hat russisches Land besucht, russisches Territorium, eine russische Region", erklärte Lawrow am Dienstag (02.11.2010). Als Reaktion hat Japan bereits seinen Botschafter in Moskau zurückgezogen. Erst "vorläufig", heißt es aus dem japanischen Außenministerium. Der Abzug des japanischen Botschafters aus Moskau sei eine völlig überzogene Reaktion und widerspreche internationalen Gepflogenheiten, sagte dazu Russlands NATO-Botschafter Dmitri Rogosin.

Inselkette zwischen Kamtschatka und Hokkaido

Russischer Außenminister Lawrow (Foto: AP)
Russischer Außenminister Lawrow: "Das ist unser Land"Bild: AP

Die Kurilen bilden eine 1200 Kilometer lange Inselkette, die aus insgesamt 56 Inseln besteht. Sie befinden sich zwischen der russischen Halbinsel Kamtschatka und der japanischen Insel Hokkaido. Auf der Jalta-Konferenz nach der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg wurde der Archipel der Sowjetunion zugesprochen. Seitdem wird die Inselkette vollständig aus Moskau kontrolliert. Damals mussten etwa 17.000 japanische Bewohner fliehen. Japan erhebt Anspruch auf vier der Inseln. Zwar wurden die Verhandlungen darüber nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 wieder aufgenommen, doch bis heute fand sich keine Lösung. Die Inselkette wird auch wegen der Rohstoffe von beiden Ländern begehrt: Fischbestände, wertvolle Mineralien und Bodenschätze sind die wirtschaftlichen Anreize.

Tokio zeigt sich gesprächsbereit

"Wir haben ein territoriales Problem, das gelöst werden muss", sagte Außenminister Seiji Maehara am Dienstag. Ministerpräsident Naoto Kan plane ein Treffen mit Medwedew am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft am 13. und 14. November in Japan. Unterdessen jedoch erklärte Lawrow in Oslo, Medwedew plane einen weiteren Besuch auf den Kurilen.

Autorin: Rayna Breuer (dpa, rtr, dapd)

Redaktion: Martin Schrader