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Kultur

"Diplomatie" von Volker Schlöndorff

Erst war es ein Theaterstück. Regisseur Schlöndorff hat daraus ein spannendes Kammerspiel fürs Kino gemacht: die Nacht der Entscheidung über Paris. Ab Donnerstag ist "Diplomatie" im Kino.

Auch dieser Kinofilm von Regisseur Volker Schlöndorff erzählt von einem historischen Moment der Weltgeschichte: In der Nacht vom 24. auf den 25. August 1944 sollte nach einem Befehl von Adolf Hitler die Hauptstadt des von den Nazis besetzten Frankreichs in die Luft gesprengt werden. Die Allierten Truppen, die am D-Day in der Normandie gelandet waren, standen bereits vor den Toren von Paris. Dank äußerst geschickter Diplomatie, der Hartnäckigkeit des schwedischen Konsuls und des Widerstandes eines deutschen Generals blieb die Metropole an der Seine unzerstört. Der Stadtkommandant von Paris, General Dietrich von Choltitz, übergab die Stadt am nächsten Tag den französischen Truppen - kampflos. Bis auf wenige Kriegsschäden blieben die berühmten historischen Gebäude der Stadt - vom Eiffelturm bis zum Arc de Triomphe - erhalten.

Regisseur Schlöndorff (links) bei einer Drehpause des Kinofilms Diplomatie (Foto: Koch Media)

Regisseur Schlöndorff (links) bei einer Drehpause am Set

Der 75-jährige Regisseur hat diesen historischen Kinostoff als dialogstarkes Kammerspiel inszeniert, ein Wortgefecht zwischen zwei hervorragenden Hauptdarstellern: Niels Arestrup spielt den General von Choltitz, André Dussolier den schwedischen Diplomaten, der raffiniert und mit allen Mitteln der Diplomatie in einer Hotelsuite versucht, den General von seinem furchbaren Plan abzubringen. Ein psychologisch hoch aufgeladenes Drama, gespielt von zwei Theater-Profis auf Augenhöhe. Mehr als 300 Mal haben die beiden dieses Erfolgsstück auf der Theaterbühne in Paris gespielt.

Der Schauspieler Robert Stadelober in Naziuniform. Aus: Kinofilm Diplomatie von Volker Schlöndorff (Foto: Koch-Media)

Der Schauspieler Robert Stadelober spielt einen der Untergebenen des Deutschen Generals von Choltitz

Die Nebenrollen wirken dagegen fast statisch und inszeniert. Regisseur Volker Schlöndorff hat dafür Robert Stadelober und Burkhardt Klaussner besetzt.

Um die Geschehnisse dieser Nacht herum, in der das Schicksal der französischen Hauptstadt auf Messers Schneide stand, hat Schlöndorff einen hochspannenden Plot gestrickt. Die Grundfakten sind überliefert, das Treffen in dem Hotel ist allerdings erfunden. "Die Begegnung zwischen den beiden Männern ist verbürgt", erläutert Schlöndorff seine Umsetzung fürs Kino im Interview mit dpa. "Aber sonst ist der Film weitgehend fiktiv, genau das hat mich gereizt."

Der Film kommt mit wenigen Szenen außerhalb der Hotelsuite aus. Überall in der Stadt sind an diesem kriegsentscheidenden Tag Sprengladungen angebracht: Louvre, Eiffelturm, Notre Dame, Arc de Triomphe - alles wäre in Schutt und Asche gelegt worden. Die Wehrmachtsoffiziere warteten nur auf den Befehl, die Sprengladungen zu zünden. Aber das passierte nicht. Bis zuletzt hält Regisseur Schlöndorff die Spannung, auch wenn jeder Zuschauer längst weiß, dass die französische Hauptstadt den Krieg weitgehend heil überstanden hat.

Dreharbeiten: Filmszene der Kapitulation der deutschen Truppen am 25. August 1944 (Foto: Koch Media)

Dreharbeiten: Filmszene der Kapitulation der deutschen Truppen am 25. August 1944

1966 waren diese dramatischen Stunden im besetzten Paris schon einmal Stoff eines Spielfilms unter der Regie von René Clément gewesen, mit Gerd Fröbe in der Hauptrolle des Nazi-Generals von Choltitz. Die übrige Besetzung war damals ebenfalls hochkarätig: Jean Paul Belmondo, Alain Delon, Kirk Douglas, Anthony Perkins, Michel Piccoli, Yves Montand und Jean-Louis Trintignant spielten bei dem historischen Kinofilm mit.

Mit der Verfilmung der "Blechtrommel" von Günther Grass hat Regisseur Volker Schlöndorff schon einmal - auf seine Art - Geschichte geschrieben: Es war der erste deutsche Film, der als "Bester nicht-englischsprachiger Film" mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Der Kinofilm "Diplomatie" war mit Erfolg bereits auf der Berlinale 2014 zu sehen. Jetzt geht er in den deutschen Kinos an den Start.

Die beiden Hauptdarsteller: Niels Arestrup (links) und André Dussolier. Filmstill Diplomatie von Volker Schlöndorff

Großes Kino: die beiden Hauptdarsteller: Niels Arestrup (links) und André Dussolier, hier am Filmset

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