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Sport

"Diplomaten im Trainingsanzug"

Die Ausstellung "Wir gegen uns - Sport im geteilten Deutschland" im Bonner Haus der Geschichte widmet sich der innerdeutschen Sportgeschichte in BRD und DDR und dessen politischer Bedeutung.

BRD und DDR hatten ihre eigenen Olympiamannschaften (Foto: THORN WA Leipzig; Quelle: www.hdg.de)

Schon an der Bezeichnung "Diplomaten im Trainingsanzug" lässt sich erkennen, welchen Stellenwert die Sportler in der ehemaligen DDR einnahmen. Internationale Erfolge galten als Aushängeschild des Sozialismus, errungene Medaillen demonstrierten die Überlegenheit des politischen Systems.

Während sich in der Bundesrepublik demokratisch geführte Verbände etablierten und die Spitzensportförderung erst spät initiiert wurde, organisierte die DDR-Führung ihren Sport schon ab 1957 im staatlichen Deutschen Turn- und Sportbund. In Trainingszentren und Ausbildungsstätten bereiteten sich ausgewählte Sportler für internationale Wettbewerbe vor, um das Ansehen des Staates zu verbessern.

Systematisches Zwangsdoping in DDR

Die Schattenseite des Leistungsdrucks war das Zwangsdoping, für das die Ausstellung in Bonn ein so gestaltetes Dopinglabor eingerichtet hat. In der DDR wurde Doping systematisch durchgeführt, was aber auch in der BRD eine erhöhte Bereitschaft zur Einnahme von leistungssteigernden Substanzen zur Folge hatte, um sportlich nicht den Anschluss zu verlieren. Aus diesem Grund sind heute noch die damals aufgestellte Weltrekorde, wie zum Beispiel im Diskuswuf, für Athleten unerreichbar.

Obwohl der Leistungssport als Propagandamittel im Kampf der Systeme eine größere Aufmerksamkeit in der Weltöffentlichkeit erfuhr, widmet sich die Ausstellung im Haus der Geschichte auch dem Breitensport. So wird deutlich, mit welchem Aufwand ab 1954 die Leipziger Turn- und Sportfeste betrieben wurden. Riesige Choreographien auf den Tribünen und idealistische Reden von DDR-Politikern spiegelten die propagandistische Absicht der Veranstaltungen für die eigene Bevölkerung wider.

Erste DDR-Olympiamannschaft 1972

Der DDR-Spieler Jürgen Sparwasser trifft zum 1:0 gegen die BRD (Foto: AP)

Jürgen Sparwasser trifft beim 1:0 über die Bundesrepublik

Der schwelende Streit zwischen der Bundesrepublik und der DDR um die Entsendung eigener Olympiamannschaften gipfelte bei den Olympischen Spielen 1972. Erstmals schickte die DDR eine eigene Vertretung an den Start und siegte im Medaillenspiegel prompt über die BRD - ein Prestigegewinn für den Sozialismus.

Ähnlich prestigeträchtig war der Sieg der DDR über BRD bei der Fußball-WM 1974, die ebenso wie Olympia ausgerechnet in der Bundesrepublik stattfand. Jürgen Sparwasser erzielte in der 79. Minute der Vorrundenbegegnung den einzigen Treffer im einzigen innerdeutschen Fußballduell.

Noch bis zum 10. Oktober 2010 haben Besucher in Bonn die Möglichkeit, einen Streifzug durch die Sportgeschichte der zwei deutschen Staaten zu machen.

Autor: Matthias Gante
Redaktion: Arnulf Boettcher

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