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Nachrichten

Dioxin-Fleisch womöglich doch im Handel

In Deutschland ist möglicherweise dioxinverseuchtes Schweinefleisch auf die Teller der Verbraucher gekommen. Das hat Niedersachsens Regierung mitgeteilt und damit eine zuvor gegebene Entwarnung revidiert.

Schweinefleisch in der Ladentheke (Foto: dapd)

Verseucht oder nicht? Der Verbraucher kann es optisch nicht erkennnen.

Das Landwirtschaftsministerium in Hannover geht entgegen ersten Angaben nun doch davon aus, dass mit Dioxin belastetes Schweinefleisch in die Ladentheken gelangt sein könnte. Der Betrieb aus dem niedersächsischen Landkreis Verden, bei dem am Dienstag bei einem Schwein eine um 50 Prozent über dem Grenzwert liegende Dioxinbelastung festgestellt worden war, hat nach neuen Erkenntnissen in den vergangenen Wochen 150 Schweine, die mit Dioxin belastetes Futter erhalten hatten, zu einem niedersächsischen Großschlachthof gebracht. Die Tiere hätten das verseuchte Futter seit dem 26. November bekommen, teilte das zuständige Kreisveterinäramt mit. Das Futterfett bezog der Betrieb in Langwedel von der Firma "Harles und Jentzsch" in Schleswig-Holstein, die im Mittelpunkt des Dioxin-Skandals steht. Wegen der Lieferungen von "Harles und Jentzsch" waren zeitweise bis zu 5000 Höfe in ganz Deutschland vorsorglich gesperrt worden.

Der Betrieb in Langwedel betreibt zudem neben der Mast ein eigenes Futterwerk. Möglicherweise wurde von dort aus mit Dioxin belastetes Futter an neun weitere Schweinemäster verkauft. Aufschluss sollen jetzt Probeschlachtungen auf den verdächtigen Höfen geben. Erste Ergebnisse der Proben sollen Anfang kommender Woche vorliegen.

Dioxin-Skandal zieht weitere Kreise

Verseuchtes Futter - verseuchte Schweine: Der Betrieb in Langwedel steht mit im Zentrum des Dioxinskandals (Foto: dapd)

Verseuchtes Futter - verseuchte Schweine: Der Betrieb in Langwedel steht mit im Zentrum des Dioxinskandals

Schweinefleisch aus Mastbetrieben in Sachsen-Anhalt, die möglicherweise mit Dioxin belastetes Futter verfüttert haben, ist nach Bayern, Sachsen und Niedersachsen geliefert worden. Das teilte am Mittwoch das Gesundheitsministerium in Magdeburg mit.

Zudem seien Masthähnchen, die belastetes Futter bekommen haben könnten, zu Jahresbeginn nach Thüringen, Sachsen und Brandenburg gegangen. Die Behörden in diesen Ländern seien nach Bekanntwerden des Verdachts sofort informiert und die Betriebe sowie Höfe gesperrt worden.

Inzwischen wurde bekannt, dass im Dezember 400 geschlachtete Schweine von einem mittlerweile gesperrten Mastbetrieb in Sachsen-Anhalt an mehrere Supermärkte in Nordbayern geliefert wurden. In diesem Fall allerdings gab das zuständige Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen vorsichtige Entwarnung. Das Fleisch dürfte keine überhöhten Dioxin-Werte aufgewiesen haben, sagte eine Sprecherin.

Anfangsverdacht auf vorsätzlichen Betrug

Die Hinweise auf kriminelle Machenschaften bei der Herstellung von Tierfutter verdichten sich. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe geht dem Verdacht nach, dass bei "Harles und Jentzsch" dioxinbelastete Vorprodukte möglicherweise systematisch so lange verdünnt wurden, bis die Grenzwerte eingehalten waren. Die Nachrichtenagentur dpa berichtet unter Berufung auf Behördenkreise, damit das Prüflabor keinen Alarm schlage, seien die Proben als technische Fette deklariert und eingeschickt worden. Von einem Produktionstag seien Mischproben beschlagnahmt worden, bei denen die hohe Dioxin-Eingangsbelastung immer weiter reduziert worden war.

Ministerin will Aktionsplan

Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (Foto: dpa)

Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU)

Auch Ilse Aigner, Bundesministerin für Landwirtschaft, aber auch für Verbraucherschutz, hält ein kriminelles Vorgehen für wahrscheinlich, wollte sich aber mit Blick auf die laufenden Ermittlungen nicht weiter äußern. Die CSU-Ministerin kündigte erneut ein Maßnahmenpaket an, um die Dioxin-Gefahr in Lebensmitteln zu verringern. "Wir brauchen hier einheitliche Qualitätsstandards", sagte sie am Mittwoch im ZDF. Notwendig sei auch ein Dioxin-Warnsystem. Die gesamte Futtermittelkette müsse auf den Prüfstand, sagte ihr Sprecher Holger Eichele. Es gehe um eine Zulassungspflicht für Futtermittelbetriebe, die Trennung der Produktion von Futterfetten und technischen Fetten sowie ein schärferes Strafrecht. "Es wird erweiterte Maßnahmen geben."

Mutmaßlicher Verursacher des Dioxin-Skandals insolvent

Der Futterfett-Hersteller "Harles und Jentzsch" hat unterdessen Insolvenz beantragt. Dies teilte eine Sprecherin des Landgerichts Itzehoe am Mittwoch mit. Das Unternehmen steht in Verdacht, Futterfett aus minderwertigem Industriefett hergestellt und an andere Futtermittelhersteller zur Weiterverarbeitung geliefert zu haben. Dies dürfte zu der Belastung von Eiern, Geflügel und Schweinefleisch mit Dioxin geführt haben. Mutmaßlich verkaufte die Firma im November und Dezember rund 3000 Tonnen minderwertiges Fett an landwirtschaftliche Betriebe.

China verhängt Importstopp

China stoppte wegen des Dioxin-Skandals die Einfuhr von Schweinefleisch und Eierprodukten aus Deutschland. Ware, die sich bereits im Land befinde, werde auf Dioxin untersucht, heißt es auf der Internetseite der chinesischen Behörde für Lebensmittelsicherheit. 2010 ging nach Expertenschätzungen rund ein Prozent aller deutschen Fleischexporte nach China. Zuvor hatten bereits Südkorea und die Slowakei Einfuhrbeschränkungen verhängt. Russland verschärfte seine Einfuhrkontrollen. Britische Supermärkte nahmen verdächtige deutsche Produkte aus den Regalen.

Autor: Ulrike Quast (dpa, dapd, rtr)
Redaktion: Martin Schrader

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