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Deutschland

Dioxin-Fette schon länger in Tierfutter

Mit Dioxin belastete Industriefette einer Firma aus Uetersen sind schon deutlich länger zu Tierfutter verarbeitet und anschließend verbreitet worden als bisher bekannt. 4700 Betriebe wurden inzwischen geschlossen.

Warnschild mit der Aufschrift 'Dioxin' steckt in einem Frühstücksei (Foto: dpa)

Das Frühstücksei: Eine Gefahr für die Gesundheit?

Bereits im März 2010 seien erhöhte Dioxinwerte von einem privaten Institut gemessen worden, teilte das Landwirtschaftsministerium in Kiel am Freitag (07.01.2011) mit. Der Fall hätte sofort gemeldet werden müssen, sagte der Sprecher. Die Werte seien teils doppelt so hoch gewesen wie zulässig. Die Fette hätten nicht verwendet werden dürfen.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sagte zu dem Vertuschungsverdacht am Freitag der Nachrichtenagentur dpa: "Wenn sich der Verdacht erhärtet, dass das verantwortliche Unternehmen bereits seit Monaten von der Dioxin-Belastung wusste und trotzdem nicht die zuständigen Landesbehörden informiert hat, ist das hochgradig kriminell und völlig unverantwortlich.“

Immer mehr Betriebe betroffen

Inzwischen seien mehr als 4700 Betriebe vorsorglich geschlossen worden, teilte das Bundesverbraucherministerium in Berlin mit. Betroffen sind demnach vor allem Schweinemastbetriebe, aber auch zahlreiche Geflügelhöfe. Die allermeisten Betriebe befinden sich in Niedersachsen.

Die betroffenen Höfe dürfen so lange keine Produkte ausliefern, bis die Unbedenklichkeit der Waren erwiesen ist. "Auch wenn ein Teil der ersten Proben unauffällig war, hat der vorsorgende Gesundheitsschutz absoluten Vorrang", erklärte das Ministerium. Ermittlungen zufolge wurden in Deutschland Tausende Tonnen Futterfett verarbeitet, das mit dem giftigen Dioxin verunreinigt war.

Nicht für Futtermittel geeignet

Chemikerin untersucht Futtermittel (Foto: dapd)

Die Untersuchungen laufen: Ist Dioxin im Futter?

Wie mittlerweile bekannt wurde, hatte das ins Viehfutter gemischte Fett einen bis zu 14-fach überhöhten Dioxin-Gehalt. Bei den bisher ausgewerteten Proben des Futterfett-Herstellers "Harles und Jentzsch" aus dem schleswig-holsteinischen Uetersen habe jede zweite den zulässigen Höchstgehalt von 0,75 Nanogramm überschritten, teilte das Landwirtschaftsministerium in Kiel mit. Der höchste gemessene Wert lag demnach bei etwas mehr als 10 Nanogramm.

"Harles und Jentzsch" hatte laut Medienberichten für die Herstellung des Futterfetts technische Mischfettsäure genutzt, die bei der Biodieselproduktion der Firma Petrotec AG in Emden angefallen und von der niederländischen Firma Olivet geliefert worden war. Das Dioxin könnte sich in Rest- und Abfallrohstoffen befunden haben, die zu der Biodieselproduktion verwendet wurden.

Über die Firma in Uetersen waren Mischfutterwerke in fünf Bundesländern mit bis zu 3000 Tonnen Dioxin-verseuchtem Futterfett beliefert worden. Die Werke belieferten dann ihrerseits landwirtschaftliche Betriebe mit bis zu 150.000 Tonnen kontaminiertem Fertigfutter. Dioxin steht im Verdacht, Krebs auszulösen oder zu fördern.

"Einige wenige schwarze Schafe"

Ilse Aigner (Foto: AP)

Fordert Konsequenzen: Ministerin Ilse Aigner

Die Leidtragenden seien vor allem die Landwirte, die sich nichts hätten zuschulden kommen lassen, sagte Aigner. Einige Landwirte sähen sich nun in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Für die Menschen in den betroffenen Betrieben sei das eine bittere Situation. "Offenbar waren es einige wenige schwarze Schafe, die hier enormen wirtschaftlichen Schaden angerichtet haben", sagte die Ministerin.

Die Verursacher des Dioxin-Skandals hält Aigner für schadenersatzpflichtig. "Wer die Existenz Hunderter Betriebe aufs Spiel setzt und die Gesundheit von Verbrauchern gefährdet, muss zur Rechenschaft gezogen werden." Auch der Deutsche Bauernverband fordert: "Die Verursacher haben ohne Wenn und Aber für den entstandenen Schaden einzutreten."

Der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) räumte "eindeutige Regelverstöße" ein, wies zugleich aber pauschale Beschuldigungen zurück. "Es kann nicht sein, dass die komplette Branche darunter zu leiden hat, wenn einige wenige Unternehmen auf den vorgelagerten Stufen ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben", erklärte DVT-Geschäftsführer Bernhard Krüsken. Es müsse eine klare Trennung zwischen der Lebensmittelkette einerseits und riskanten Verarbeitungs-Prozessen in der fettverarbeitenden chemischen Industrie andererseits erreicht werden. "Hier darf es keine Berührungspunkte geben."

Autor: Christian Walz, Martin Schrader (dpa, dapd, afp, rtr)

Redaktion: Martin Muno

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