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Politik

"Dinge, die Amerikaner bewegen"

In Deutschland ist die Rede des Präsidentschaftskandidaten der US-Demokraten in Berlin positiv bewertet. Auch Obama war zufrieden. In den USA fand die Rede ein gemischtes Echo.

Anstecker mit Konterfei Obamas (Quelle: DPA)

Obama in Berlin: zwischen Volksfest und Wahlkampfrede

Barack Obama hat sich zufrieden mit seinem Besuch in Berlin und seiner außenpolitischen Reise gezeigt. "Diese Reise hat mir die Möglichkeit gegeben, über die schwierigen Themen zu sprechen, vor denen wir stehen", sagte er in einem am Freitag (25.07.2008) ausgestrahlten Interview des US-Fernsehsenders CNBC. Er habe deutlich gemacht, dass Amerika Probleme wie den Atomstreit mit dem Iran oder Energiefragen und Klimaschutz nicht allein, sondern nur mit seinen Partnern lösen könne. "Bei all diesen Themen, die die Sicherheit und den Alltag der Amerikaner betreffen, kommt es auf unsere Fähigkeit an, solche Koalitionen zu schmieden."

Kritik vom Konkurrenten

Heftige Kritik an Obamas Auftritt kam von McCain. Er ziehe Wahlkampfauftritte "im Herzen der USA" vor und spreche lieber "über Dinge, die die Amerikaner bewegen". Dem Fernsehsender NBC sagte McCain zudem, er wolle erst im Ausland eine große Rede halten, wenn er zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt sei.

Massenbild mit Zuhörern vor der Siegessäule in Berlin (Quelle: DPA)

200.000 Menschen waren zur Siegessäule in Berlin gekommen

Obama hatte am Donnerstagabend vor 200.000 Zuhörern an der Berliner Siegessäule einen Neuanfang in den transatlantischen Beziehungen und die Überwindung alter Konflikte gefordert. Dazubeschwor er den Geist der Luftbrücke für Berlin vor 60 Jahren und forderte einen größeren Einsatz im Kampf gegen globale Probleme wie den Klimawandel und den Terrorismus. Es war seine einzige öffentliche Rede während seiner einwöchigen Reise, die ihn zuvor nach Afghanistan, Irak, Jordanien und Israel führte. Am Freitag wollte er nach Paris und London reisen.

"Perfekte Wahlkampfinszenierung" und "Rede eines Weltbürgers"

Der Aufruf Obamas zu einem neuen Geist der Zusammenarbeit ist in der Großen Koalition auf ein positives Echo gestoßen. Die Rede des Senators sei "beeindruckend" gewesen, sagte der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Eckart von Klaeden. Die Kernbotschaft sei gewesen, dass die Probleme der Welt in den Griff zu bekommen seien, wenn Europa und die USA zusammenstünden. "Dazu gehört auch, gemeinsam die Lasten zu tragen und Opfer zu bringen", sagte Klaeden. Er betonte zugleich, dass Obamas Rede "im besten Sinne amerikanisch" gewesen sei. "Und bis auf die persönlichen Nuancen hätte sie so oder ähnlich auch von John McCain gehalten werden können." Es habe sich um eine "perfekte Wahlkampfinszenierung" gehandelt und eben nicht um eine historische Rede eines Präsidenten - deshalb sei es auch richtig gewesen, mit der Rede nicht vor das Brandenburger Tor zu gehen, so Klaeden.

Der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Gert Weisskirchen, sagte: "Das war die Rede eines Weltbürgers, die sich nicht nur an deutsche oder Europäer, sondern auch an die US-Amerikaner gerichtet hat." Obamas wichtigste Botschaft sei gewesen, "dass Europa und die USA die Probleme und Krisen der Welt - vom Klimawandel bis hin zur Lösung von gewaltsamen Konflikten - nur gemeinsam lösen können."

"Das ist unser Moment"

Obama-Rede in Berlin

"Jetzt ist die Zeit, neue Brücken zu schlagen"

Obama hatte in seiner Rede die Völker der Welt zu einem neuen Geist der Zusammenarbeit aufgerufen und dabei auch mehr deutsches Engagement für den Anti-Terror-Einsatz in Afghanistan verlangt. An der Siegessäule rief der US-Demokrat den Berlinern und der ganzen Welt zu: "Dies ist unser Moment." Eine neue Generation müsse der Geschichte ihren Stempel aufdrücken. Dies gelte für den Klimaschutz ebenso wie für den Kampf gegen den Terrorismus: "Amerika kann das nicht allein."

Unabhängig vom Ausgang der Wahlen in den USA warnte der Politikwissenschaftler Gerd Langguth vor einer Verklärung der künftigen deutsch-amerikanischen Beziehungen. "Mit einem neuen amerikanischen Präsidenten könnten die Beziehungen sogar schwieriger werden. Das gilt für Obama wie für den Republikaner McCain. Wenn die Zeit der amerikanischen Alleingänge endet, bedeutet das auch mehr Verantwortung für Deutschland und Europa. Der nächste US-Präsident wird die deutsche Regierung stärker in die Pflicht nehmen." (kas)

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