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Kultur

Dilemma Lesen und Schreiben

Lesen und schreiben lernen - von diesem Privileg sind viele Menschen in Entwicklungsländern ausgeschlossen. Aber auch in Deutschland gibt es erschreckend viele Analphabeten.

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Erschreckend: In der Bundesrepublik gibt fast drei Millionen Analphabeten

An diesen Missstand erinnert der von der UNESCO ins Leben gerufene "Internationale Tag der Alphabetisierung", der heute zum 35. Mal stattfindet.

Analphabetismus ist ein weltweites Problem, das besonders die wirtschaftlich am wenigsten entwickelten Länder betrifft. Nach Schätzungen der UNESCO können fast eine eine Milliarde Menschen weder lesen noch schreiben. Die meisten von ihnen, etwa zwei Drittel, leben in Süd- und Ostasien, gefolgt von den arabischen Staaten und Afrika südlich der Sahara. Doch es gibt auch erfreuliche Nachrichten: So ist die Analphabetenrate von weltweit 45 Prozent in den 50er Jahren auf heute 23 Prozent geschrumpft.

Armut und mangelnde Demokratisierung

Die Gründe für die immer noch hohen Defizite in der Grundbildung und Alphabetisierung liegen vor allem in der Armut der Menschen sowie der fehlenden Demokratisierung und Professionalisierung von Bildungspolitik und Bildungsangeboten.

Bei der Grundbildung und Alphabetisierung sind besonders Frauen benachteiligt. Sie stellen zwei Drittel der Analphabeten weltweit. Andreas Baaden, Bildungsreferent bei der deutschen UNESCO, erläutert im Gespräch mit DW-WORLD die Ursachen: "Patriarchale Strukturen in ländlichen Gebieten drängen Frauen in die Familienrolle." Die Diskriminierung fände jedoch auch auf Staatsebene statt. Oft würden wegen mangelnder Demokratisierung Frauenrechte missachtet.

"Lant der Dischter und Dengker"

Weder Buspläne noch Straßenschilder lesen, geschweige denn in einem guten Buch schmökern zu können – so geht es erstaunlich vielen Menschen in Deutschland. Was das Institut der deutschen Wirtschaft Köln herausgefunden hat, ist kaum zu glauben: In einem der reichsten Länder der Erde gibt es gut drei Millionen Analphabeten. Doch die PISA-Studie bestätigt diese Zahlen. Demnach hat jedes vierte Kind Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben.

Dabei bedeutet Analphabetismus nicht unbedingt, dass ein Mensch über gar keine Schreib- und Lesefähigkeiten verfügt. Es wird von "funktionalem Analphabetismus" gesprochen, wenn die individuellen Kenntnisse niedriger sind als es von der Gesellschaft gefordert und als selbstverständlich vorausgesetzt wird.

Bildung für alle ist möglich

"Einer der wesentlichen Gründe für Analphabetismus in Deutschland ist die mangelnde Chancengleichheit beim Bildungszugang", meint Baaden. Er erläutert weiter: "Problemgruppen wie Migranten oder sozial Benachteiligte werden nicht durch die Schule aufgefangen." Ganztägige Bildungsangebote sieht Baaden als eine sinnvolle Möglichkeit, um Kinder besser fördern zu können.

Im Januar 2003 wollen die Vereinten Nationen für den Zeitraum bis 2012 eine "Weltalphabetisierungsdekade" ausrufen. Zweck dieser Initiative ist es, die Analphabetenrate in den nächsten zehn Jahren auf die Hälfte zu reduzieren und allen Kindern auf der Welt Zugang zu einer Grundbildung zu verschaffen. Nach Schätzungen der UNESCO würde es jährlich 8 bis 15 Milliarden US- Dollar kosten, allen Menschen auf der Welt eine angemessene Grundbildung zu ermöglichen.

Dieses Ziel ist nach Baadens Ansicht nicht utopisch: "Im Vergleich zu Rüstungsausgaben sind das doch Peanuts. Die Industrieländer müssen Verantwortung tragen und ihre Entwicklungshilfeausgaben erhöhen."

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