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Hintergrund

Digitale Spielmacher

Fußballprofis haben es schon schwer: Erst auf dem Rasen Vollgas geben, dann neben dem Platz Interviews geben und Autogramme schreiben – und im Medienzeitalter jetzt auch noch eine eigene Homepage ins Netz stellen.

Homepage von Michael Ballack

Auch Michael Ballack, Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, präsentiert sich im Netz

Wer im Internet jens-lehmann.de eingibt und so die Seite des deutschen Nationaltorhüters sucht, hat Pech und landet auf der Seite eines Göttinger Computerexperten. Jens Lehmann ist zur Zeit der einzige Stammspieler der DFB-Elf ohne eigene Seite im weltweiten Datennetz.

Die Homepages der Fußballprofis allerdings "eigene Seiten" zu nennen, ist etwas übertrieben. Denn Michael Ballack, Torsten Frings oder Miroslav Klose stellen ihre Homepages nach dem Training nicht mal eben schnell selbst ins Netz, sondern werden dabei rundherum von Medienagenturen unterstützt.

Dinge aus eigener Sicht schildern

Auch Bundesligatorhüter Frank Rost vom Hamburger SV ist froh, dass er bei seiner Homepage Hilfe von einer Essener Agentur bekommt: "Das Layout und das ganze Drumherum, das kann ich gar nicht selber. Und ich hätte auch keine Lust, mich stundenlang vor den Computer zu setzen. Aber das, was da steht, das ist schon von mir."

Frank Rost findet es gut, dass immer mehr der etwa 500 aktuellen Bundesligaspieler eine eigene Homepage haben: "Jeder Profisportler sollte so etwas haben. Man kann dort Dinge aus seiner Sicht schildern und muss sie nicht durch einen Dritten interpretieren lassen."

Homepages könnten aktueller sein

Ist man nicht gerade Fan eines bestimmten Spielers, dann ist es aber fast egal, ob man auf die Seite von Frank Rost klickt, auf die von Michael Ballack oder von Naohiro Takahara. Denn inhaltlich ähneln sich die Seiten der Profis, sie bieten meist wenig Überraschendes. Es gibt viele Fotos, dazu noch Texte über den Verlauf und die Höhepunkte der bisherigen Karriere. Dann vielleicht noch Bildschirmhintergründe oder Autogrammkarten zum Herunterladen. Das war es in der Regel aber auch schon.

Richtig negativ fällt auf, dass viele Seiten der Profis nicht immer ganz aktuell sind. Dass Kevin Kuranyi vom FC Schalke 04 auf seiner Startseite in Jeans und T-Shirt noch immer im Stuttgarter Stadion posiert, ist ein Beispiel dafür. Auch die persönlichen Einträge und Kolumnen der Spieler sind oft schon einige Tage oder Wochen alt. Frank Rost findet das aber nicht schlimm: "Man muss nicht jeden Tag was zur aktuellen Situation schreiben, das finde ich langweilig. Aber zu wichtigen Themen sollte man schon sein Statement abgeben."

Fans finden Profihomepages gut

Die Resonanz der Fans auf die Seiten der Profis ist offenbar richtig gut. So soll die Seite von Michael Ballack während der WM im vergangenen Jahr etwa vier Millionen Mal angeklickt worden sein. Und auch bei Frank Rost sollen es nach eigenen Angaben immerhin mehrere hunderttausend Klicks pro Monat sein.

Zwar können die Fans ihre Stars im Internet nicht anfassen, aber erzählen können sie ihnen dort trotzdem jede Menge. Frank Rost kann ein Lied davon singen. "Da schreiben zum Beispiel Leute in mein Gästebuch, die offensichtlich eine Trainerkarriere anstreben. Die analysieren dann seitenlang, was man im letzten Spiel hätte besser machen können." Außerdem wenden sich viele kleine Fans an Frank Rost. Das Problem dabei: Viele von denen schreiben im so genannten SMS-Stil, kürzen Wörter und Sätze bis zur Unlesbarkeit ab. Der Torhüter nimmt es, wie es kommt: "Es ist ganz lustig, das zu lesen. Und außerdem haben die Leute eine Anlaufstelle, wo sie alles mal loswerden können."

Ein Fan von Jens Lehmann hat übrigens aus der Not eine Tugend gemacht. Weil sein Star keine eigene Seite im Netz hat, hat er ihm einfach eine liebevolle Fanhomepage gebaut. Die unterscheidet sich nur wenig von den offiziellen Seiten seiner Kollegen - und kostet den Profi keinen Cent.