1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Digitales Leben

Digitale Revolution im Kinderzimmer

Der Gameboy war für Kinder in den frühen 1990ern wie der Rock'n'Roll für die Eltern 40 Jahre zuvor. Jetzt feierte das kleine elektronische Kraftpaket seinen 25. Geburtstag und wird noch immer bespielt.

Als am 21. April 1989 der erste Gameboy das Licht der Öffentlichkeit erblickte, waren viele noch skeptisch. Was war an diesem kleinen grauen Kasten so Besonderes? Er dudelte fortwährend und konnte nur ein Spiel, in dem man geometrische Figuren übereinander stapelte.

Dass dieses hässliche Ding innerhalb von kürzester Zeit weltweit die Kinderzimmer erobern würde, glaubten damals nur wenige. Einer von ihnen war Hiroshi Yamauchi, Chef des japanischen Spielkartenherstellers Nintendo. Er hatte schon zu Beginn der 1980er Jahre erste Gehversuche auf dem elektronischen Spielzeugmarkt getan, dann brachte er die erste Heimkonsole auf den Markt. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sein Chef-Entwickler Gunpei Yokoi das erste Handheld, sprich: tragbare Konsole, präsentierte.

Der erste Gameboy lief mit einem 8 Bit-Prozessor (Foto: picture-alliance/empics)

Der erste Gameboy lief mit einem 8 Bit-Prozessor

Der Ur-Gameboy hatte eine pixelige Grafik, die in vier Graustufen auf einem braun-grünen Hintergrund lief. Das Display war nicht beleuchtet. Man spielte über ein Steuerkreuz und zwei kirschfarbene Buttons, die einzigen Farbtupfer auf dem grauen Klötzchen. Eigentlich ein hässlicher Kasten - aber erschwinglich. Er kostete in Deutschland 160 D-Mark, was heute etwa 80 Euro entspricht. Fast 120 Millionen Gameboys der ersten und zweiten Generation wurden verkauft. 1990 hatte der Marktanteil von Nintendo nach eigenen Angaben in den USA 93 Prozent betragen. Die restlichen sieben Prozent teilten sich die Konkurrenten Sega, NEC und Atari. Obwohl deren Handhelds technisch um einiges ausgereifter waren und versuchten, den Gameboy dort zu packen, wo er am wenigsten leisten konnte: bei der Grafik. Doch der unschlagbare Preis war den Nutzern wichtiger als eine höhere Pixeldichte.

Beginn vom Ende der Langeweile

Jugendlicher mit Gameboy 1990 (Foto: picture-alliance/dpa)

Vor gefühlten Urzeiten...

Schnell war der kleine Elektrozwerg nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Egal, ob auf dem Schulhof, an der Bushaltestelle oder auf der Rückbank des Familienautos, wenn es in den Urlaub ging. Ein neuer Zeitvertreib war geboren - Langeweile wurde mit Spielen wie Tetris, Pokémon und Super Mario erfolgreich bekämpft.

Und so daddelten weltweit Millionen Kinder und Jugendliche auf den grauen Kästen herum und brachten viele Eltern damit zur Verzweiflung. Auch die Presse beäugte das kleine graue Wunder mit großem Argwohn. So bezeichnete die Wochenzeitung "Die Zeit" in der Ausgabe 05/1991 den Gameboy als "Teufel persönlich" und verstand "den unerklärlichen Erfolg dieses tragbaren Videospiels" nicht. Suchtexperten traten auf den Plan, alarmiert durch Erzählungen einiger Gameboyspieler über Tetris-Steine, die sie bis in ihre Träume verfolgt haben.

Neue Kindheitshelden

Ungeachtet jeder Kritik legte Nintendo regelmäßig nach: Viele Versionen von Games, die bisher nur auf den großen Konsolen gelaufen waren, kamen als Gameboy-Version heraus. Es waren kleine Kassetten, die locker in Hosentaschen passten. Sehr beliebt waren die "Jump'n'Run"-Spiele, bei denen die Figuren durch eine Art Parcours springen und dabei Aufgaben erfüllen mussten. Charaktere wie Super Mario, Pokémon und Donkey Kong lösten andere Kindheitshelden wie Superman, Jim Knopf oder Bibi Blocksberg ab.

Gameboy Classic mit Startbild Legend of Zelda (Foto: Jan Schwering)

"The Legend of Zelda" läuft auf allen Nintendo-Plattformen vom Gameboy bis zur neuesten Wii U

Es gab Actionspiele, Knobelspiele, sogar Kampfsportspiele waren zu haben. Im Lauf der Jahre kamen rund 450 Gameboyspiele auf den Markt. Und die wurden auf immer neueren und schickeren Geräten gespielt. Schon Mitte der 90er gab es eine "Special Edition", mit Gehäusen in verschiedenen Farben oder - besonders abgefahren - transparent: Die Platinen und Schaltkreise des kleinen Computers waren zu sehen. Die Konsole wurde weiter perfektioniert: kleiner, schneller, bunter, ein besseres und schließlich auch ein farbiges Display mit immerhin 56 Farben. 2005 kam das letzte Modell aus der Gameboy-Reihe heraus. Nintendo hatte sich mit der neuen Generation von Handhelds - dem Nintendo DS - selbst Konkurrenz gemacht.

Gameboy vs. Smartphone

25 Jahre sind, gemessen an dem rasanten Tempo, das die technische Entwicklung an den Tag legt, eine sehr lange Zeit. Längst daddelt die halbe Welt auf den Displays ihrer Smartphones und Tablets herum, gestochen scharf, in brillanten Farben. Findige Entwickler haben auch schon Apps gebaut, sogenannte Emulatoren, mit denen man die Gameboy-Oberfläche auch auf diesen Geräten darstellen kann. Eine nette Spielerei für Nostalgiker.

Screenshot Pokémon (Foto: Karsten Kaminski)

Pokémon goes Windows: Mit einem Emulator kann man die Gameboy-Oberfläche auch auf PCs darstellen

Dennoch gibt es eine große Community, die dem echten Gameboy auch heute noch ihre Treue hält. Es gibt viele Webseiten und unzählige Youtube-Kanäle mit "Let's Plays", wo die Youtuber die Spiele vorführen und kommentieren. Besonders liebevoll hat auch das Team von

"Gameboyland"

eine Webseite aufgebaut, auf der sich die Fans austauschen können. Ihre Avatare sind grobpixelige Figuren, die Seite ist in vier Graustufen gehalten. Leckerbissen zum Stöbern: Sounddateien mit der Originalmusik der Spieleklassiker. Wer das hört, bekommt Lust, in den alten Spielzeugkisten seiner Smartphone-Kinder nach einem ranzigen Gameboy Color zu suchen, Batterien einzuwerfen und zu gucken, ob Teenage Mutant Hero Turtles noch läuft.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema