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Europa

Digitale Medien im Ukraine-Konflikt: Fluch oder Segen?

Soziale Medien gewinnen in der Ukraine-Krise an Einfluss. Aber kann man sich auf die Informationen überhaupt verlassen? Auf dem "Global Media Forum" der DW wurde der Frage nachgegangen.

"Eine Berichterstattungsschlacht" – so beschrieb Ingo Mannteufel, Leiter der DW Hauptabteilung Europa, unlängst die Medienberichterstattung über den gewalttätigen Konflikt in der Ukraine in den vergangenen sieben Monaten.

Neben den bewaffneten Zusammenstößen tobe in der Ukraine noch ein ganz anderer Krieg, angeführt von den digitalen Medienunternehmen, die von beiden Konfliktparteien für ihre Zwecke eingespannt werden, erklärte Mannteufel, der einen Workshop zu dem Thema beim DW Mediengipfel (GMF) 2014 leitete.

Oksana Romaniuk,

Romaniuk: Unabhängiger Journalsimus wird mundtot gemacht

Internetnutzung auf dem Vormarsch

Die Diskussionsteilnehmer, darunter prominente Journalisten und Medienexperten, waren sich einig, dass soziale Medien in der Berichterstattung zur Ukraine eine immer größere Rolle spielen. Deren steigender Einfluss berge aber auch Gefahren.

Soziale Medien hätten den Vorteil, dass sie Internetnutzern den Zugang zu unterschiedlichsten Informationsquellen ermöglichen, meinte Oksana Romaniuk von "Reporter Ohne Grenzen" Ukraine.

Die ukrainische Aktivistin betonte die herausragende Rolle sozialer Netzwerke, als es im vergangenen November darum ging, die Menschen in Kiew zu mobilisieren, nachdem der damalige ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch das EU-Assoziierungsabkommen auf Eis gelegt hatte.

42 Prozent der Ukrainer verlassen sich laut einer Studie des "International Republican Institute" im Mai auf das Internet als Informationsquelle, erklärte Sergii Leshchenko, stellvertretender Chefredakteur des Nachrichtenportals "Ukrainska Pravda". Nur Fernsehen spiele eine noch wichtigere Rolle: 91 Prozent aller Befragten beziehen Nachrichten und Informationen aus dem TV.

Die andere Seite der Medaille

Sergii Leshchenko

Viele Ukrainer verlassen sich auf das Internet, meint Leshchenko

Auch seien 62 Prozent der Ukrainer, die soziale Medien nutzten, Mitglied bei "Vkontakte", dem russischen Pendant zum Netzwerk Facebook, meinte Leshchenko. Im April verließ Pawel Durow, Chef und Gründer des Unternehmens, Russland mit der Bemerkung gegenüber der US-Website TechCrunch, er könne nicht länger in seiner Heimat bleiben, da er "sich geweigert habe, mit den Behörden zusammenzuarbeiten."

Anfang April hatte Durow auf seiner "Vkontakte"-Seite mitgeteilt, der russische Geheimdienst habe die Herausgabe von persönlichen Daten der Organisatoren der Protestbewegung Anfang 2014 in Kiew gefordert.

Laut der Bonn er Expertenrunde ist "Vkontakte", auch als russischer Facebook- Klon bezeichnet, ein Hort riesiger Mengen an Falschinformationen – auch zur Situation in der Ukraine. Fingierte Fotos sind nur ein Beispiel: die Teilnehmer des GMF-Workshops bekamen ein Bild zu sehen, auf dem graue Rauchwolken über einer Stadt hängen. Was bei "Vkontakte" als Wohngegend in der Stadt Slovyansk nach einem Bombardement der ukrainischen Armee identifiziert wird, ist in Wirklichkeit ein Zugunglück in der kanadischen Provinz Quebec.

Ivan Yakovina

Yakovina: Moskau hat die Bedeutung sozialer Medien erkannt

Bis vor kurzem habe die russische Regierung die Bedeutung sozialer Medien völlig unterschätzt, meinte Ivan Yakovina, Reporter beim ukrainischen Wochenmagazin "Novoe Vremya". Erst der Konflikt in der Ukraine habe Moskau die Augen geöffnet, mit dem Ergebnis, dass man nun versuche, Nutzeraktivitäten in den sozialen Medien zu beschneiden, so Yakovina beim DW-Medienworkshop.

Ende April wurde im russischen Parlament ein Gesetz verabschiedet, das stärkere Kontrollen beliebter Blogs vorsieht. Die neue Regelung zielt auf Webseiten mit mehr als 3.000 Klicks am Tag, die nun strengen Regeln unterworfen werden.

Unliebsame Blogger

Die Initiative ist Teil einer umfassenden Kampagne gegen unabhängige Medien in Russland. Im März wurde Galina Timschenko, langjährige Chefredakteurin des beliebten Online-Nachrichtenportals Lenta.ru, von einem Kremlfreundlichen Nachfolger abgelöst. Anfang 2014 kündigten Kabelnetzbetreiber die Zusammenarbeit mit dem unabhängigen Fernsehkanal Dozhd, der damit seine Haupteinnahmequelle verlor. Der Schritt wurde als Einschüchterungsversuch gegenüber einem für seine kritische Haltung bekannten Sender gewertet.

"Russland vernichtet jeglichen unabhängigen Journalismus", stellte Oksana Romaniuk abschließend fest. Lenta.ru, das größte unabhängige Onlinemedium in Russland, sei vernichtet worden, und auch andere mehr oder weniger unabhängige Medien würden extrem unter Druck gesetzt. Es werde, so die Aktivistin, "tatsächlich eine vertikale Zensur in dem Land aufgebaut."

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