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Asien

Digitale Aufarbeitung von Kambodschas Vergangenheit

Bis heute sind in Kambodscha Spuren des Terrors der Roten Khmer zu finden. Mit einer neuen Website unterstützt die DW Akademie die Aufarbeitung der Vergangenheit in dem südostasiatischen Land.

Wie die meisten jungen Menschen ist Hay Hay Sokboromey kaum ohne ihr Smartphone unterwegs. Doch heute nutzt die 18-jährige Studentin der Royal University of Phnom Penh es nicht, um mit Freunden zu chatten oder schnell ein Selfie zu schießen. Stattdessen scrollt sie durch khmerrougehistory.org, eine neue Website zur Aufarbeitung von Kambodschas Vergangenheit unter dem Regime der Roten Khmer.

Ihr Finger verharrt auf dem Display, sie schaut ein Video über die Hauptstadt Phnom Penh. Man sieht das Stadtbild in den späten 1970er Jahren, die Straßen sind verwaist. Nach Pol Pots Machtergreifung im April 1975 wurden alle Stadtbewohner von den Roten Khmer in ländliche Gebiete zwangsevakuiert, aus pulsierenden Orten wurden Geisterstädte.

Eindrücke wie diese lassen sich nur durch audiovisuelles Material aus der Zeit darstellen. khmerrougehistory.org will genau das. Die neue Website ist ein gemeinsames Projekt der DW Akademie mit dem Documentation Center of Cambodia (DC-Cam). Das Forschungs- und Ausbildungsinstitut DC-Cam verwaltet das weltweit größte Rote Khmer-Archiv. Im September 2017 haben die Partner die Webseite in Phnom Penh gelauncht, nach zweieinhalb Jahren intensiver Arbeit.

Der Weg der Roten Khmer bis heute

Man möchte vor allem die junge Zielgruppe erreichen, durch Information und Interaktion. Eine Zeitleiste zeichnet den Weg der Roten Khmer von den 1920er Jahren bis 2015 nach. Auf einer Lexikon-Seite erfährt man weitere Details: Wer war die Person Pol Pot? Was wurde aus dem Tuol Sleng Gefängnis, dem berüchtigten Folterzentrum der Roten Khmer? Und wie arbeitet das Rote-Khmer-Tribunal, das Verbrechen von damals untersucht? Porträts und Augenzeugenberichte von Opfern und Tätern  des Regimes sind in einem Bereich zusammengetragen. Video- und Audioformate ermöglichen den ungefilterten Blick auf die Schilderungen der Überlebenden.

Dokumentation Verbrechen der Roten Khmer in Kambodscha (Documentation Center of Cambodia)

Die 18-jährige Studentin Hay Sokboromey, rechts, und Hongthally Sonit beim Launch der Website.

„Es ist vor allem die Vielfalt der Quellen, die hier Geschichte auch für die junge Generation erlebbar macht“, sagt die Studentin Hay Sokbomorey. „Und wenn wir Fragen haben, können wir die Experten persönlich kontaktieren“.

Neue Räume des Austauschs erschließen

DC-Cam hatte sich bereits im Vorfeld für die Einführung eines „Khmer Rouge Lehrplans“ in den Schulen des Landes eingesetzt. Junge Menschen sollten wissen, wie es zur Machtergreifung der Roten Khmer unter der Führung Pol Pots kommen konnte. Nach der Veröffentlichung eines Schulbuchs suchte man nach einem weiteren Weg, um die junge Zielgruppe zu erreichen.

„Die Idee der Website und einer eigenen Facebook-Seite ist es, eine Plattform zu schaffen, die ein tiefergehendes Verständnis für diesen Teil der kambodschanischen Geschichte vermittelt. Außerdem fördert sie den Dialog darüber, wie diese Zeit noch heute nachhallt“, sagt Kyle James, der verantwortliche Berater der DW Akademie. Für das Projekt hat er eng mit DC-Cam zusammengearbeitet.

Dokumentation Verbrechen der Roten Khmer in Kambodscha (Documentation Center of Cambodia)

Ton Sa-Im, Unterstaatssekretärin in Kambodschas Bildungsministerium, verweist auf die mobile Nutzbarkeit der Seite

Es sei wichtig, die Diskussion und die Aufarbeitung nicht nur in den Schulen zu fördern, sagt auch Ton Sa-Im, Unterstaatssekretärin in Kambodschas Ministerium für Bildung, Jugend und Sport. „Ich bin sehr froh, dass wir über diese Seite Informationen über die Roten Khmer schnell und in großem Umfang verbreiten können“. Vierzig Jahre nach der Terrorherrschaft der Roten Khmer ist Kambodscha eine parlamentarische Monarchie. Jüngste Entwicklungen im Vorfeld der für 2018 geplanten Parlamentswahlen zeigen allerdings, dass Regierungskritiker zunehmend verfolgt werden .

Aus der Vergangenheit lernen

Die Website unterstützt das Ziel von DC-Cam, die Opfer der Roten Khmer zu würdigen. Gleichzeitig fördert sie den Aufarbeitungsprozess in einer Gesellschaft, die noch heute unter den Verbrechen des Regimes leidet: Zwischen 1975 und 1979 verloren unter der Herrschaft der Roten Khmer mehr als 1,7 Millionen Menschen ihr Leben. Aber über das Trauma sprachen die meisten Überlebenden nicht. „Die Seite ermöglicht es Studenten, mehr über die Zeit zu lernen und gleichzeitig mit Selbstbewusstsein nach vorne zu blicken“, sagt So Farina, Forschungsdirektor für DC-Cam.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist man auf die Mitarbeit der jungen Generation angewiesen. Die Studentin Hay Sokboromey möchte die Website ihrer Familie vorstellen, wenn sie beim nächsten Mal Banteay Meanchey besucht. In der Provinz im ländlichen Nordwesten von Kambodscha ist sie geboren. Ihr Großvater hat seinen Bruder unter dem Terrorregime verloren.

„Noch heute hat meine Familie Angst davor, dass die Roten Khmer zurückkehren könnten“, so Sokboromey. „Je mehr Menschen verstehen, was in dieser Zeit geschehen ist“, fügt sie hinzu, „desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Vergangenheit wiederholt“.

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01_02_2012 Themenbild für Newsletter Ansprechpartner für weitere Verwendungszwecke: Sabrina.Tost@dw-world.de

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