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Asien

Differenzen vor tödlichem Bundeswehreinsatz

Vor dem tödlichem Bundeswehreinsatz in Afghanistan am Donnerstag hat es Differenzen mit dem US-Kommando gegeben. Die deutsche Einsatzleitung hatte schwere Bedenken gegen die Operation, bei der vier Soldaten starben.

Der ISAF-Kommandeur für Nordafghanistan, Brigadegeneral Frank Leidenberger (Foto: dpa)

Brigadegeneral Frank Leidenberger sorgte sich um seine Truppen

Schon im Vorfeld des ISAF-Einsatzes "Taohid" hat der Kommandeur der deutschen Truppen im Norden Afghanistans, General Frank Leidenberger, schwere Bedenken gegen den Einsatz vorgebracht. Das Bundesverteidigungsministerium hat einen entsprechenden Bericht der "Bild am Sonntag" bestätigt.

"Der Kommandeur des ISAF Regionalkommandos Nord hat darauf hingewiesen, dass aufgrund eines Kontingentwechsels keine maximale Unterstützung für die Operation zu diesem Zeitpunkt möglich wäre und sie durch andere Kräfte von Verbündeten ausgeglichen werden müsse", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Leidenberger soll seine Bedenken schriftlich beim Joint Command in Kabul geltend gemacht haben.

Deutsche Bedenken

General Stanley McChrystal (Foto: dpa)

Seine Einsatzzentrale bestand auf einem zeitnahen Beginn der Operation: US-General McChrystal

Offenkundig sah General Leidenberger seine Truppe, die gerade wieder den alle paar Monate fälligen Komplett-Austausch bewältigt hatte, dem Auftrag nicht gewachsen. Die Einsatzzentrale, die dem Kommandeur der internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF), US-General Stanley McChrystal, untersteht, bestand jedoch auf einem zeitnahen Beginn der Operation.

Die deutschen Bedenken gegen den Beginn des ISAF-Einsatzes richteten sich allerdings nicht nur gegen den Zeitpunkt, sondern auch gegen die Zuverlässigkeit der verbündeten afghanischen Armee (ANA). Statt der zugesagten 1300 ANA-Soldaten waren zu Beginn der Operation nach Informationen der Zeitung nur einige Hundert verfügbar. Ein deutscher Offizier sagte dazu: "Das ist immer so. Wir wissen nie, wie viele ANA-Soldaten wirklich kommen."

Vorfall bedarf Erörterung

Wenig Verständnis habe man im deutschen Kontingent auch für die Vorschrift, dass alle größeren Operationen der ISAF-Truppen 24 Stunden vorher den afghanischen Behörden gemeldet werden müssen. Damit soll die Zivilbevölkerung die Chance erhalten, sich in Sicherheit zu bringen. Doch häufig seien dadurch auch die radikalislamischen Taliban-Kämpfer über den Verbleib der deutschen Soldaten informiert.

Der Vorfall dürfte Thema bei einem Treffen zwischen dem Kommandeur der Nato-Truppen in Afghanistan, dem US-General Stanley McChrystal, mit Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in Berlin sein. Wann der Termin zustande kommt, ist jedoch unklar: McChrystal musste wegen der Einschränkungen des Flugverkehrs nach dem Vulkanausbruch in Island seinen Besuch um mindestens 24 Stunden verschieben. Er war eigentlich am Sonntagabend in der Hauptstadt erwartet worden. Auch Guttenberg musste sich seit Samstag langsam aus Istanbul in Richtung Deutschland vorarbeiten.

Trauerfeier in Masar-i-Scharif

Die Bilder der Gefallenen bei der Trauerfeier vom Sonntag (18.04.2010) im Feldlager Masar-i-Scharif (Foto: dpa)

Die Bilder der Gefallenen bei der Trauerfeier vom Sonntag (18.04.2010) im Feldlager Masar-i-Scharif

Ihren vier getöteten deutschen Kameraden haben 1500 Soldaten aus 19 Ländern bei einer bewegenden Trauerfeier die letzte Ehre erwiesen. "Von ihnen nehmen wir nun Abschied als wäre es ein Stück von uns", sagte der Bundeswehrgeneralinspekteur Volker Wieker am Sonntagnachmittag bei der Zeremonie im ISAF-Hauptquartier in Masar-i-Scharif.

Bei dem Anschlag und durch Beschuss waren in der afghanischen Provinz Baghlan am Donnerstag vier Soldaten getötet und fünf verwundet worden. Die Deutschen waren Teil eines multinationalen Einsatzes mit internationalen und afghanischen Truppen, um den Einfluss der Taliban in der Region zurückzudrängen und die Kontrolle über wichtige Brücken zurückzugewinnen.

Autorin: Pia Gram (dpa, apn, afp, rtr)
Redaktion: Marko Langer

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