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Zukunft der Mobilität

Dieter Zetsche: "Daimler setzt auf E-Autos"

Ein Autoboss auf dem Parteitag? Daimler-Chef Zetsche zu den Grünen einzuladen, war umstritten, geht es der Partei doch um den Ausstieg aus der herkömmlichen Automobilität. Zetsche stimmte dem im Grundsatz zu, aber...

Es kommt eher selten vor, dass über die Garderobe von Männern spekuliert wird. Bei Daimler-Chef Dieter Zetsche stellte sich aber die Frage: Was wird er wohl tragen, wenn er auf dem Parteitag der Grünen spricht? Wie zuletzt häufiger wählte er für seinen Auftritt Jeans, Sneaker, keine Krawatte.

Zetsche stellte eins klar: Wer ein Gesprächsangebot bekommt, sollte den Dialog auch annehmen. Er wies aber den Vorwurf zurück, sein Konzern habe den Trend zur Elektromobilität verschlafen. Daimler habe schon seit zehn Jahren Elektroautos im Programm, sagte er in Münster. Jedes zweite Elektroauto in Europa komme aus Deutschland.

Laut Zetsche hat es seine Branche längst verstanden, dass es für sie das größte Risiko ist, am Status Quo festzuhalten. Er bezog sich dabei auf den Antrag der Grünen, bis 2030 keine Benziner- und Dieselautos mehr neu zuzulassen. In dem Antrag heißt es, die Automobilwirtschaft habe nur dann eine Zukunft, wenn sie Fahrzeuge entwickelt, die kein CO2 mehr verursachen. Zetsche kommentierte: "Es wird vielleicht manche überraschen, aber ich stimme dem ausdrücklich zu. Inzwischen haben die Grünen auf dem Parteitag beschlossen, mit dieser Maßgabe in den Bundestagswahlkampf 2017 zu ziehen.

Daimler erkennt Pariser Klimaabkommen an

Die Abkehr von Kohlenwasserstoffen als Antrieb sei notwendig, sagte Zetsche mit Blick auf Verbrennungsmotoren und ergänzte: "Wir stellen uns unserer klimapolitischen Verantwortung." Das Klimaabkommen und die darin vereinbarten Ziele von Paris erkenne er an. Er versicherte: "Wir wollen in der Elektromobilität vorn sein, weltweit."

Demonstranten mit Plakaten und angeklebten Bärten auf dem Grünen-Parteitag (Foto: DPA)

Einige Grüne protestierten gegen Daimler-Chef Dieter Zetsche, als er die Bühne betrat

Zetsche sagte weiter, er sei zuversichtlich, was die Innovationskraft der Ingenieure betreffe. "Was heute möglich ist, hatte vor 14 Jahren noch keiner auf dem Schirm." Er erinnerte dabei auch an die Anfänge des Automobils: "Das etablierte Mobilitätssystem in Frage zu stellen, war der Startpunkt der Autoproduktion." Anfang des 20. Jahrhunderts seien Daimler-Fahrer mit der Flinte bedroht worden, aus Angst vor der Kutsche ohne Pferd. Heute stünden wir wieder vor einem fundamentalen Wandel, der weit über neue Motoren hinaus gehe.

Er wehrte sich aber gegen ein verbindliches Datum für ein Aus des Verbrennungsmotors. Wer glaube, eine bestimmte Antriebsart solle ab einem "Tag X" verboten werden, "springt zu kurz", sagte der Manager vor den Delegierten. Statt darüber zu diskutieren, wann dieses Ziel erreicht wird, gehe es allerdings darum, "das Tempo zu beschleunigen". Die vielfach kritisierten Verbrennungsmotoren könnten "Teil der Lösung sein".

Özdemir schwört Delegierte auf Dialog ein

Grünen-Parteichef Cem Özdemir stimmte zuvor in einer leidenschaftlichen Rede, die viele Delegierte applaudierend von ihren Sitzen riss, auf den Gastredner ein. "Wovor haben wir Angst?", rief Özdemir den Delegierten zu, von denen viele den Autoboss am liebsten wieder ausgeladen hätten. Es sei ein Kompliment für die Grünen, wenn einer der wichtigsten Konzernlenker zu ihnen komme, um über die Zukunft zu reden, sagte er vor dessen Auftritt.

Der Daimler-Chef wurde auf dem Parteitag mit Applaus, aber auch mit Pfiffen und Buhrufen empfangen. Einige Grüne demonstrierten vor ihm mit Plakaten und angeklebten Schnauzbärten im Zetsche-Stil. Vor allem im linken Parteiflügel gab es Proteste gegen den Auftritt des Managers. Die Geschäfte von Daimler passten nicht zu den Grünen und ihrer Forderung, ab 2030 keine Autos mit Diesel- oder Benzinmotoren mehr neu zuzulassen. Zwei Anträge, Zetsche auszuladen, hatte die Mehrheit der rund 800 Delegierten jedoch am Freitag abgelehnt.

Militärexporte ein "relativ kleines Thema"

Grünen-Chefin Simone Peter hatte Zetsche vor dessen Gastauftritt für Daimlers Militärexporte attackiert. "Eine halbe Milliarde Umsatz mit Militärfahrzeugen ist immer noch 500 Millionen zu viel", sagte sie. Auch in der Diskussionsrunde nach seiner Rede wurde Zetsche mit militärischen Exporten nach Katar und Saudi-Arabien konfrontiert. Zetsche reagierte, Daimler habe im vergangenen Jahr 3500 LKW für den militärischen Einsatz verkauft, "in der Hauptsache Fahrzeuge, die unsere eigenen Soldaten schützen." Ansonsten sah er die Politik in der Pflicht. "Wir entscheiden nicht, welche außenpolitischen Beziehungen wir zu Saudi-Arabien haben." Mit der Bemerkung, dass er glaube, "es ist ein relativ kleines Thema", machte sich Zetsche unter den Delegierten allerdings keine Freunde.

ust/fab (afp, rtr, dpa, Livestream auf gruene.de)