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Nahost

"Dieser Terror bedroht die ganze Welt"

In den Medien der islamischen Welt wird das Pariser Attentat intensiv diskutiert. Die großen Zeitungen verurteilen das Attentat durchgängig. Der Terror gefährde den Frieden. Zugleich fordere er den Islam heraus.

Am Anfang stehen Schrecken und Depression. Der Anschlag gegen "Charlie Hebdo" hat in weiten Teilen der arabischen und muslimischen Welt für Entsetzen gesorgt. Die Kommentatoren äußern Empörung und Abscheu, finden harte Worte für die Terroristen und ihre Tat. "Es besteht kein Unterschied zwischen jenen, die in Syrien Kinder töten, im Irak jesidische Frauen erniedrigen oder an der irakisch-saudischen Grenze Beamte erschießen und jenen, die in Paris Journalisten ermordeten." So sieht es die in London erscheinende panarabische Zeitung "Al Sharq al-Awsat", die auch die ideologischen Motive der Verbrecher in aller Deutlichkeit benennt: "Dahinter steckt immer dasselbe: muslimischer Extremismus und muslimische Extremisten." Nach Einschätzung des Kommentators Abdul Rahman al-Rashid hat man in den arabischen Hauptstädten die Hintergründe des Extremismus noch nicht hinreichend erkannt, nämlich mangelnde Bildung und eine extremistische Ideologie. "Darum hat die Region aus dem Tunnel des Terrors noch nicht herausgefunden. Dieser Terror bedroht nun die ganze Welt."

"La Liberté" aus Algerien teilt diese Einschätzung. Während weltweit über den Islamismus noch diskutiert werde, verbreite der sich immer weiter. Er töte, zerstöre, und erst allmählich begreife man, was er in erster Linie sei: "ein indoktrinäres und massenmörderisches Unterfangen." Darum müsse man sich damit ideologisch auseinandersetzen, schreibt der Journalist Mustapha Hammouche. "Denn der Terrorismus kann nicht bekämpft werden, solange der Islamismus nicht isoliert ist. In der Welt nicht, und noch weniger im islamischen Raum."

Terroristen machen Islam zur Religion des Schreckens

Rose zum Andenken an die Opfer von Paris, 8.1.2014 (Foto: Reuters)

Stilles Gedenken.

Eben das schade dem Islam selbst, schreibt die tunesische Zeitung "Akhbar Tunis". Die Terroristen verwandelten ihn in eine Religion des Schreckens. "Durch sie wird die Würde des Propheten verhöhnt, die in den heiligen Schriften so hochgehalten wird." Weltweit sähen Millionen Muslime ohnmächtig dem Treiben der Terroristen zu, einem Treiben, das ihre Religion Tag für Tag beschmutze. An vorderster Front sieht "Akhbar Tunis" dabei die Dschihadisten des "Islamischen Staates". In der gesamten Welt müssten die Muslime aufwachen. "Sie müssen beweisen, dass die Muslime das Gegenteil jenes dunklen Bildes sind, das man von ihnen verbreitet; dass sie aktive und produktive Menschen sind, Botschafter des Friedens und der Brüderlichkeit - in ihren Ursprungsländern ebenso wie in jenen, in die sie aufgenommen worden sind."

Die panarabische Zeitung "Al Quds al Arabi" fürchtet, das Verbrechen könne eine Wende in der westlichen Politik bewirken. "Und zwar nicht nur im Hinblick auf islamischen Extremismus, sondern auch auf die muslimischen Gemeinschaften insgesamt. Wir wurden Zeugen eines Rückschlags für das, was vom Image eines moderaten Islams übrig geblieben ist." Nun drohe die historische Verbindung zwischen den Moderaten auf christlicher und muslimischer Seite zu zerreißen. "Dabei bildete sie für lange Zeit eine Art Sicherheitsnetz für all jene unschuldigen Muslime, die mit solchen Verbrechen nichts zu tun haben."

Solidaritätsgruß aus dem Libanon, 8.1.2014 (Foto: Screenshot Twitter)

"Ana Charlie" - "Ich bin Charlie": Solidaritätsgruß aus dem Libanon

Auch in Pakistan sorgte das Attentat für Entsetzen. Der bekannte Journalist Muhammad Ziauddin bezeichnet das Attentat als "schreckliches Ereignis, das nie hätte passieren dürfen". Es diene zu nichts anderem als dazu, die muslimische Gemeinschaft als unmenschlich darzustellen. Allerdings, schreibt Ziauddin, sollte es auch ein Gesetz geben, das die religiösen Gefühle sämtlicher Glaubensgemeinschaften schütze. Meinungsfreiheit müsse es zwar geben. "Aber man sollte auch die religiösen Gefühle anderer Menschen achten."

Wo liegen die tieferen Ursachen?

Erprobte Solidarität: Der Direktor des muslimischen Al-Ghazali-Insituts, Djelloul Sedikki, und der Präsident des jüdischen Zentralrats Joel Mergui, hier bei einer Kundgebung gegen Rassismus im Jahr 2008 (Foto: Getty Images)

Gemeinsam: Der Direktor des muslimischen Al-Ghazali-Insituts, Djelloul Sedikki, und der Präsident des jüdischen Zentralrats Joel Mergui, hier bei einer Kundgebung gegen Rassismus im Jahr 2008

Der Journalist Tallat Hussein weist auf einen weiteren Aspekt hin. Auch er sei über die Terrorattacke betroffen, versichert er. Frankreich müsse aber auch die tieferen Ursachen des Anschlags erkunden. "Wenn man sich nur für das 'Was' und nicht das 'Warum' interessiert, wird man niemals in der Lage sein, sich ein vollständiges Bild zu machen."

Anders sieht es der in Paris lebende iranische Karikaturist Mana Neyestani. Natürlich müsse man auch über die Grenzen zwischen Satire, Beleidigung und dem Willen, andere lächerlich zu machen diskutieren. "Aber wenn, wie im Falle des Angriffs auf "Charlie Hebdo" jemand zur Waffe greift, sind solche Diskussionen fehl am Platz." Voraussetzung einer Debatte über die Grenzen der Satire sei nämlich, dass diese als zivilisierter Dialog stattfinde. "Wenn aber jemand die Waffe zückt, bleibt mir nichts, als diese Tat zu verurteilen."

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