Dieselgate: BMW will nicht geschummelt haben | Aktuell Deutschland | DW | 05.12.2017
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Abgas-Skandal

Dieselgate: BMW will nicht geschummelt haben

Weitet sich der Abgasskandal jetzt auch auf BMW aus? Die Münchner verneinen und winken ab. Doch ihr Ankläger hat schon ganz andere Kaliber zu Fall gebracht. Der Verkehrsminister will die Vorwürfe prüfen.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat sich im VW-Dieselskandal einen Namen gemacht: Als hartnäckiger Ermittler in Sachen manipulierter Autoabgase und als höchst unangenehmer Gegner der Automobilindustrie. Und nicht zuletzt hat die DUH vor dem Stuttgarter Verwaltungsgericht ein Diesel-Fahrverbot für die schwäbische Metropole erstritten, das im Januar 2018 wirksam werden soll. Nun nimmt die Umwelthilfe die Bayerischen Motorenwerke ins Visier.

Für die ZDF-Sendung WISO hat die DUH einen BMW 320d Baujahr 2016 im Straßenbetrieb getestet. Dabei soll der Dieselmotor mit der Abgasnorm Euro 6 deutlich mehr Schadstoffe produziert haben als im Labor; bei vergleichbarer Fahrweise lagen die Werte bei den Straßenmessungen um den Faktor 7,2 höher. Das Bundesverkehrsministerium lässt die Vorwürfe der Deutschen Umwelthilfe gegen BMW nun prüfen. Das Kraftfahrt-Bundesamt sei "unmittelbar nach Bekanntgabe der Vorwürfe" beauftragt worden, ihnen nachzugehen, teilte das Ministerium in Berlin am Dienstag mit.

Beim DUH hieß zu dem Test, der Verdacht liege nahe, dass BMW eine sogenannte Abschalteinrichtung genutzt habe. Das sagte DUH-Experte Axel Friedrich, der schon als Abteilungsleiter im Umweltbundesamt vor einem Abgasskandal gewarnt hatte. Abschalteinrichtungen sind bekannt, seitdem Volkswagen damit die Abgaswerte von Millionen Dieselautos manipuliert hatte. BMW wies die Vorwürfe zurück: Sie hätten Züge einer "gezielten Kampagne", sagte BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich. "Fahrzeuge der BMW Group sind nicht manipuliert." 

Symbobild rauchender Auspuff (picture-alliance/dpa/F. Rumpenhorst)

Stein des Anstoßes: Dieselabgas (Symbolbild)

"Unsere Abgassysteme sind auch in der Praxis aktiv"

Die Umwelthilfe stellte ihre Untersuchungsergebnisse am Dienstag in Berlin vor. "Die vorliegenden Messergebnisse sind sehr klare Indizien dafür, dass hier unzulässige Abschalteinrichtungen in der Motorsteuersoftware vorhanden sind. Diese müssen komplett entfernt werden. Das Fahrzeug muss in allen normalen Betriebssituationen eine voll funktionstüchtige Abgasreinigung haben", sagt DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. "Wir übergeben heute den zuständigen Behörden unsere Untersuchungsergebnisse und fordern eine Überprüfung und gegebenenfalls Entzug der Typgenehmigung und einen amtlichen Rückruf für alle Fahrzeuge, die über eine illegale Abschalteinrichtung verfügen“. 

BMW hatte auch schon vorher dem DUH widersprochen und betont, es gebe im Konzern "keinerlei Aktivitäten und technische Vorkehrungen, den Prüfmodus zur Erhebung von Emissionen zu beeinflussen - das heißt, dass unsere Abgas-Systeme sowohl auf dem Prüfstand wie auch in der Praxis aktiv sind". Auch hätten vergleichbare Fahrzeugtypen zahlreiche weltweit behördlich durchgeführte Nachprüfungen 2016 mit sehr guten Ergebnissen bestanden.

Außerdem sei es nicht aussagekräftig, "beliebige Straßentests mit willkürlich gewählten Teilabschnitten eines Rollentests zu vergleichen und daraus plakativ hohe Abweichungsfaktoren zu erheben", heißt es aus München weiter. Um tragfähige Vergleiche anstellen zu können, seien deutlich längere Streckenabschnitte sowie eindeutig bestimmbare Randbedingungen nötig.

Im September 2015 hatte VW den massenhaften Gebrauch von illegalen Abschalteinrichtungen bei seinen Dieselautos zugeben müssen. Kurz danach ordnete das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) einen Pflichtrückruf für 2,5 Millionen VW-Autos in Deutschland an.

rb/ar/kle/gr (dpa, rtr, afp, ZDF, DUH)

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