Diesel-Skandal: VW- und Audi-Fahrer müssen Stilllegung ihrer Autos fürchten | Aktuell Deutschland | DW | 10.06.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Diesel-Abgasskandal

Diesel-Skandal: VW- und Audi-Fahrer müssen Stilllegung ihrer Autos fürchten

Es geht um die letzten Diesel, die noch eine illegale Abgas-Software unter der Haube haben. Hier endet eine Frist zum Einbau einer gesetzeskonformen Reinigung. Bei Daimler weitet sich der Dieselskandal dagegen noch aus.

Knapp 15.000 Besitzern von VW- und Audi-Dieseln mit Abgasmanipulation droht in den nächsten Wochen die Stilllegung ihrer Fahrzeuge - wenn sie die illegale Motor-Software nicht in der Werkstatt durch die neue legale Version ersetzen lassen. Denn es endet die 18-Monats-Frist für den verbindlichen Rückruf der Fahrzeuge, in deren Motoren die verbotene Abschaltung der Abgasreinigung eingebaut war. Die Kfz-Zulassungsstellen hatten deutschlandweit Briefe mit der Aufforderung verschickt, die Fahrzeuge nachrüsten zu lassen.

2,46 Millionen Autos mussten in Werkstatt

"Der Rückruf ist verbindlich", erklärte das Bundesverkehrsministerium. "Fahrzeuge, die nicht umgerüstet werden, können in letzter Konsequenz außer Betrieb gesetzt werden." Betroffen sind VW- und Audi-Modelle der Baujahre 2009 bis 2014 mit dem "EA 189"-Dieselmotor mit illegaler Abschaltvorrichtung für die Abgasreinigung. Anfang Juni waren laut dem Ministerium 95 Prozent dieser Autos bereits umgerüstet. "In rund 0,6 Prozent der Fälle (Stand Ende Mai) hat das Kraftfahrt-Bundesamt die zuständigen Zulassungsbehörden informiert, weil betroffene Fahrzeughalterinnen und -halter innerhalb des 18-monatigen Rückrufzeitraums trotz mehrfacher Aufforderung nicht an dem verpflichtenden Rückruf teilnahmen", heißt es aus dem Ministerium weiter. 0,6 Prozent entsprechen einer Zahl von 14.760 der insgesamt 2,46 Millionen Autos.

Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) gibt die Daten säumiger Dieselbesitzer an die kommunalen Kfz-Zulassungsstellen weiter, die die Betreffenden ein weiteres Mal anschreiben und ihnen in der Regel eine letzte Frist von vier Wochen setzen. Sofern dann immer noch keine Reaktion erfolgt ist, können die Autos aus dem Verkehr gezogen werden. Erste Stilllegungen hat es bereits gegeben - unter anderem in Hamburg, München und Sachsen-Anhalt.

Daimler-Chef Dieter Zetsche (Foto: AFP/Getty Images/T. Kienzle)

Daimler-Chef Dieter Zetsche muss am Montag erneut zum Rapport ins Bundesverkehrsministerium

Derweil gerät Daimler im Dieselskandal weiter unter Druck. Das Kraftfahrtbundesamt habe inzwischen fünf "unzulässige Abschaltfunktionen" bei Mercedes-Modellen entdeckt, berichtet die "Bild am Sonntag". Die Behörde geht dem Verdacht nach, dass diese Software-Funktionen in einem Großteil der neueren Diesel-Flotte (Euro 6) zum Einsatz kämen und fast eine Million Fahrzeuge betroffen seien. Ein Daimler-Sprecher erklärte dazu, der Konzern widerspreche der KBA-Einschätzung, es handele sich um eine unzulässige Abschalteinrichtung.

Nach 1200 Sekunden in den schmutzigeren Modus 

Wie die  "Bild am Sonntag" weiter schreibt, nutzt Daimler wie andere Hersteller eine Harnstofflösung zur Abgas-Reinigung. Allerdings verschlechtere sich laut KBA der Wirkungsgrad ohne erklärbaren Grund, sobald der Motor nach dem Start 17,6 Gramm Stickoxide ausgestoßen habe. Bei einer anderen Softwarefunktion wechsele die Motorsteuerung nach 1200 Sekunden - bei neueren Modellen 2000 Sekunden - in den schmutzigeren Abgas-Modus.

Daimler-Chef Dieter Zetsche soll am Montag erneut im Verkehrsministerium vorsprechen und Klarheit über das Ausmaß des mutmaßlichen Abgasskandals bei Mercedes schaffen. Anfang Juni - nach einem ersten Treffen von Zetsche mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer - hatte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, dem Unternehmen drohe eine Milliarden-Strafe.

sti/kle (dpa, rtr)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema