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Amerika

Diego Maradona - Fußballer, Mensch, Gott

Als Fußballer erlangte er Heldenstatus, im Privatleben stürzte er tief. Bei der WM in Südafrika wollte sich die Überfigur des argentinischen Fußballs als Nationaltrainer beweisen. Diego Maradona – ein Porträt.

Maradona wird am 29. Juni 1986 im Azteca-Stadion in Mexiko mitsamt der WM-Trophäe von einer Menschenmenge getragen (Foto: AP)

Ganz oben: Weltmeister Maradona am 29. Juni 1986 im Azteca-Stadion in Mexiko

"Genio, genio, genio, ta, ta ta, ....goooooooooool!!!!!!! Es lebe der Fußball, Diego Maradona! Du kosmischer Drachen, von welchem Planeten kommst du?" Trunken vor Freude heulte der Sport-Reporter Victor Hugo Morales 1986 ins Mikrofon. Es war das Viertelfinale der WM - Argentinien gegen England. Zuerst Maradonas 1:0 - eigentlich ein Handspiel, das später zum Treffer der "Hand Gottes" stilisiert wurde. Und dann das Dribbling zum 2:0 - das "Tor des Jahrhunderts", urteilte die FIFA - die Wiedergeburt Argentiniens, urteilten die Fans. Denn nach der tiefen Wunde, die die Niederlage gegen die Briten im Falklandkrieg in Argentiniens Nationalstolz gerissen hatte, war nun - 1,68 Meter groß, wilde Lockenmähne, rotziger Blick - der Fußballgott geboren, der allen Schmerz auf sich nahm. Seine Fans werden für ihn deswegen später eine Kirche gründen.

Diego Maradona mit zehn Jahren (Foto: Filmverleih Kinowelt)

Mit 10 Jahren nur ein Traum: Weltmeister werden

Wie es sich für Heilige gehört, kommt auch der 1960 geborene Diego Armando Maradona aus ärmlichen Verhältnissen. In Villa Fiorito, einem Armenviertel in der Provinz Buenos Aires wächst er auf. Ein Freund schleppt ihn irgendwann mit zum Training der "cebollitas", der Jugendmannschaft von Argentina Juniors. Der damalige Coach Francisco Conejo erinnert sich genau an seinen "Pibe de oro", seinen Goldjungen. "Er war so anders, wie vom Zauberstab berührt."

Weltklasse im Fußball - und in Skandalen

Pfeilschnell, trickreich, unwiderstehlich am Ball lebt Maradona den Traum, den so viele in Argentinien träumen: bei einer Weltmeisterschaft spielen und gewinnen - mit 16 steigt er in die Profi-Mannschaft Boca Juniors auf, für die WM 1978 ist er noch zu jung, aber dann, 1986 - nach einem erfolgreichen Zwischenstopp in Neapel - führt er Argentinien in Mexiko zum Sieg.

Der ehemalige Weltklasse-Fußballer Diego Armando Maradona aus Argentinien winkt in Cartagena, Kolumbien, den Fotografen zu. Maradona, der einige Drogen-Entzugskuren hinter sich hat, unterzog sich dort medizinischen Tests. Archivfoto vom 16.02.2005 (Foto: dpa)

Ganz unten: 2005 interessiert die Weltpresse allein die "Wampe Gottes"

1990 allerdings verliert die "Albiceleste" gegen Deutschland und auch bei Maradona geht es bergab. Fit sieht man ihn bald nur noch in Nachtclubs - auch in Punkto Skandalen wird Diego zum Weltmeister. Ein uneheliches Kind, 1994 WM-Sperre wegen Drogenmissbrauchs, Alkoholexzesse und Kokain-Parties - einmal, als die Polizei einschreitet, schmeißt er das weiße Pulver einfach aus dem Fenster. Und lästigen Journalisten antwortet er schon mal robust. Dazu kommen seine Fettleibigkeit, ein Herzinfarkt, eine Magen-Operation - mehrmals steht Maradona kurz vor dem Tod. Eine Zeitung hatte den sogar versehentlich schon mal vermeldet.

Der amerikanische Traum auf argentinisch

"Ich liebe mein Land, ich will wieder mitmachen", sagt Diego. Und nach einer Erholungskur auf Kuba bei seinem Busenfreund Fidel Castro gelingt ihm schließlich das Comeback inklusive der TV-Show "La noche de 10" - "Die Nacht der Zehn", die Rückennummer, die Maradona immer trug und die die Fans zwischenzeitlich als argentinisches Kulturgut schützen lassen wollten.

Diego Maradona jongliert, umringt von der Presse und Fans einen Fußball auf seiner Stirn (Foto: Kinowelt)

Wieder am Ball: Bei der FIFA-WM in Südafrika will es Maradona noch einmal wissen - diesmal als argentinischer Nationaltrainer

Maradona, der nie vergaß, woher er kam, seine Fans, seine Familie, seinen Fußballclub liebte, unterstützte und - wenn auch mit Skandalen - immer wieder neuen Stoff für Geschichten lieferte. Er ist und wird es bleiben: das Symbol der argentinischen Variante des amerikanischen Traums, sagt Daniel Acuchi, Maradona-Experte bei der Tageszeitung "La Nación". Bei den meisten Fans löse Maradona ein seltsames Phänomen aus. Sie wollten seine Fehler nicht sehen, nur das Gute in ihm, so Acuchi. "Es ist, als ob sie seine Fehler begraben hätten und nur seine Tugenden zum Himmel lobten."

Vielleicht, weil Maradona - der immer strauchelt, immer am Rand des Abgrundes steht und sich trotzdem wieder hochrafft, die argentinische Seele wie kein anderer verkörpert, sagte Victor Hugo Morales einmal, der Sportreporter, der Maradona 1986 mit zum Gott machte. 2008 wurde Maradona Nationaltrainer der argentinischen Elf - in der Hoffnung, als Coach, als Mensch zu wiederholen, was er als Spieler, als Gott, vollbrachte.

Autorin: Anne Herrberg

Redaktion: Sven Töniges