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Politik

Die zweite Premiere

Die Liebesgeschichte "Nord-Ost" - das erste russische Musical überhaupt - wird wieder gespielt. Über die Schwierigkeiten des Theaters nach dem Moskauer Geiseldrama berichtet DWTV-Korrespondent Christoph Wanner.

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Eine gewaltiger Kraftakt liegt hinter dem Team von "Nord-Ost". Nach dem Sturm der russischen Sondereinheiten war das Theater in einem verheerenden Zustand. Tschetschenische Terroristen hatten dort über mehrere Tage Hunderte Menschen festgehalten. Am Ende kamen 129 Geiseln ums Leben.

Zur zweiten 'Premiere' gibt es scharfe Kontrollen am Eingang. Es geht zu wie an einem streng geführten Flughafen. Nichts und niemand soll "Nord-Ost" jemals wieder in eine Terrorhölle verwandeln. Die meisten Zuschauer lassen die Abtasterei geduldig über sich ergehen. Zuvor wurde auch die Presse gecheckt. Keiner wird geschont. Auch wenn das Management vor Reportern ein wenig Angst hat. Ein Verriss ist das letzte, was das Nord-Ost-Team jetzt gebrauchen kann. Denn das würde Zuschauer kosten, weniger Geld bringen. Bares braucht die Truppe aber jetzt dringend.

Nach der Renovierung des Theaters steht es schlecht um die Finanzen. 650.000 Euro hat die Wiederbelebung des Musicals verschlungen. Ganz im russischen Stil war "Nord-Ost" natürlich nicht versichert. Bezahlt haben schließlich vor allem Sponsoren. Die russische Regierung sei nicht so großzügig gewesen wie versprochen, kritisieren einige aus der Nord-Ost-Truppe. Doch die Musicalmacher wissen auch, dass sie noch recht gut weggekommen sind. Bei "Nord-Ost" geht’s dem Kreml schließlich ums Prestige.

Weniger interessiert die Regierung dagegen, was mit einzelnen Menschen passiert, die beim Gasangriff auf das Theater zu Schaden gekommen sind. Maximal 3000 Euro gab es für die Opfer oder deren Angehörigen. Und damit ist wohl auch Schluss. Die Schadenersatzforderungen dieser Menschen werden abgebügelt, das ist so gut wie sicher. Und dagegen ist nichts zu machen, weil in Russland Gerichte noch immer das tun, was die Regierung will. Doch das alles ist am Tag der zweiten "Nord-Ost"-Premiere nur am Rande ein Thema. Die Freude über eine geglückte Aufführung überwiegt. Der Saal ist voll und das internationale Interesse groß. Das soll "Nord-Ost" schon bald auf Tournee führen. Mit Bulgarien, Weissrussland und Israel laufen bereits die Verhandlungen.

  • Datum 12.02.2003
  • Autorin/Autor Christoph Wanner
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  • Permalink http://p.dw.com/p/3GMk
  • Datum 12.02.2003
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