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Wirtschaft

Die Zukunft des Handels liegt im Internet

Die Geschäfte im Einzelhandel florieren. Die Konjunktur läuft rund - und die Deutschen zeigen sich nach enthaltsamen Jahren wieder konsumfreudig. Auch im Internet wird mehr eingekauft.

Fertig verpackte und adressierte Buchpakete gehen ins Logistik Center (Foto: dpa)

Bücher sind der Renner im Online-Geschäft

Von Krise keine Spur. Die deutsche Wirtschaft wächst, die Arbeitslosenzahlen sind niedrig und die Menschen haben wieder mehr Geld im Portemonnaie, das sie auch gerne ausgeben. Gut für den Einzelhandel. Das heißt: Gut für die rund 400.000 Unternehmen in diesem Bereich, die in Deutschland einen Umsatz von knapp 400 Milliarden Euro erwirtschaften. Und damit: Gut für die drittgrößte Wirtschaftsbranche in Deutschland. Wie es dort genau aussieht, das hat die Beratungsgesellschaft Ernst & Young in einer Umfrage unter 120 Einzelhändlern herausgefunden.

Das Ergebnis: Die Händler schauen sehr positiv in die Zukunft. Sie erwarten, dass die Verbraucher auch weiterhin konsumfreudig sein werden. Daher gehen 60 Prozent der Händler davon aus, dass sich ihre Geschäftslage in den nächsten sechs Monaten weiter verbessern wird.

Viele Händler haben einen Online-Shop

Passant mit Einkaufstüten (picturealliance)

Einkaufen in der City - das bevorzugen die Deutschen immer noch

Auch Erwartungen darüber, wo und wie in Zukunft Waren verkauft werden, wurden geäußert. "Das Internet ist mit Riesenabstand die Vertriebsform, der die größten Wachstumschancen zugetraut werden", sagt Thomas Harms, Partner bei der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Zwar wolle er nicht so weit gehen, zu behaupten, es gäbe bald gar keine Geschäfte in Deutschlands Städten mehr und alles würde online gekauft, aber: "Ich glaube schon, dass die Menschen sich zunehmend im Internet bewegen und da auch kaufen."

Und auch das hat die Studie ergeben: Immer mehr Menschen gehen zum Einkaufen nicht mehr in ein Geschäft, sondern an den Computer. Von zehn Deutschen surfen vier jeden Tag im Internet und jeder zweite Deutsche kauft dort auch mehr oder weniger häufig ein. Zur Zeit haben zwei von drei Händlern einen eigenen Internet-Shop. Und: Die meisten von ihnen wollen ihre Aktivitäten im Netz ausweiten. Allerdings werden durchschnittlich rund vier Prozent des Umsatzes virtuell erwirtschaftet. Schon in fünf Jahren rechnen die Händler aber mit einer Verdoppelung.

Händler, die keinen Onlineauftritt haben, setzen schon heute weniger um. Internetshops jagen ihnen erhebliche Marktanteile ab, besonders wenn es um Unterhaltungselektronik, Medikamente, Bekleidung, Bücher oder Spielzeug geht. Und auch die Hersteller von Konsumgütern, beispielsweise die Modefirma Esprit oder der Sportartikelhersteller Adidas verkaufen ihre Produkte immer öfter direkt über das Netz, anstatt den Umweg über den Händler zu nehmen.

Lebensmittel per Spedition

Einkaufswagen mit Lebensmittel (Foto: DW)

Der Onlinehandel mit Lebensmitteln wächst zaghaft

Bücher, Elektronikgeräte und Kleidung, das sind die Renner im Internetgeschäft. Etwas schwer tun sich die Deutschen mit dem Lebensmitteleinkauf. Da ziehen es die meisten weiterhin vor, den nächsten Supermarkt oder den nächsten Feinkostladen aufzusuchen. Der Handel schätzt, dass es daher bei Lebensmitteln in den nächsten Jahren lediglich ein Wachstumspotential von 25 Prozent, in der Bekleidung aber von 80 Prozent geben werde.

Einen kleinen Ausblick aber gibt es, sagt Thomas Harms. Es gebe ja die Möglichkeit im Internet Lebensmittel zu bestellen und sie dann nach Hause bringen zu lassen. In der Vergangenheit sei das schwierig gewesen, weil die Logistiker unzuverlässig waren. Heute allerdings würden gute Spediteure auf die halbe Stunde genau sagen können, wann sie liefern. "Also, das funktioniert inzwischen und ich sehe da kein Hindernis - außer einem mentalen."

Vorreiter im Ausland

Ein solches mentales Hindernis fehlt beispielsweise in der Schweiz. Dort läuft die Lebensmittel-Bestellung per Internet reibungslos, wenn auch in geringem Umfang. Auch in anderen europäischen Ländern wird bereits umgedacht. Als Beispiel nennt Harms die britische Supermarktkette Tesco: "Tesco und die Franzosen denken viel intensiver darüber nach, wie sie Lebensmittel per Internet vertreiben können." Er fürchtet, dass die Deutschen eines Tages von dieser Welle überrollt werden - und ihnen dann das notwendige Know-how fehle.

Autor: Insa Wrede

Redaktion: Monika Lohmüller