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Deutschland

Die Zeitung lebt noch

Seit Jahren kämpfen die Zeitungen in Deutschland gegen sinkende Auflagen und schwindende Werbeeinnahmen. Schuld ist der Siegeszug des Internets. Nun hoffen sie auf Bezahlangebote im Netz.

Die deutschen Zeitungsverlage wittern bessere Zeiten. "Unsere Branche ist stark. Zeitung ist Zukunft", verkündet Dietmar Wolff, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), in Berlin. Jahrelang haben die deutschen Zeitungsverlage über schwindende Einnahmen geklagt. Denn seit dem Siegeszug des Internets sinken die Verkaufszahlen und auch die Werbeeinnahmen gehen zurück. Nun aber schöpfen de Verleger Hoffnung: "Das Internet ist, was die Verbreitung von Inhalten angeht, ein Segen für die Zeitungshäuser", sagt Wolff. "Die Zeitungshäuser haben alle Voraussetzungen, aus einer neuen digitalen Medienkultur als Gewinner hervorzugehen."

"Reichweitenstärkstes Angebot im Netz"

Dietmar Wolff, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (Bild: dpa)

Dietmar Wolff vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e.V.

Die Zahlen scheinen das zu belegen. 39 Prozent der Internetnutzer besuchen regelmäßig die Seiten von Zeitungen. Unter den 14-29-Jährigen sind es sogar 62 Prozent. "Zeitungen sind das reichweitenstärkste Angebot im Netz", sagt Wolff deshalb. Wie regelmäßig die Seiten aber wirklich angeklickt werden, geht aus dieser Statistik allerdings nicht hervor. Gemessen wird nach den Standards der Werbewirtschaft der "Unique User", das ist jemand, der mindestens einmal im Monat auf eine Webseite klickt.

Allerdings zahlen sich die Online-Angebote bei den Einnahmen bisher nicht aus, und Besserung ist nicht in Sicht. "Wir sind uns in der Branche alle einig, dass die Online-Werbung für eine Refinanzierung der Geschichten nicht ausreichen wird", sagt Hans-Joachim Fuhrmann, der im Verband für die Online-Sparte zuständig ist.

Die Verlage setzen deshalb immer stärker auf Bezahlangebote im Netz. Nachdem vor einigen Jahren die Versuche einiger Zeitungen, für das Lesen von Artikeln Gebühren zu verlangen, kläglich gescheitert sind, sieht Wolff nun bessere Chancen. Bei den E-Paper-Ausgaben, also der kostenpflichtigen Online-Version der Zeitung, haben die Verlage 2011 ein Drittel mehr eingenommen als im Vorjahr. Und seit der Einführung von Tablet-PCs hoffen die Verlage, mit kostenpflichtigen Apps Geld verdienen zu können. "Die Gratis-Mentalität ist nicht mehr so ausgeprägt, wie sie mal war", stellt Fuhrmann fest. 

Kampf um den App-Markt

Screenshot von Google News

Soll den Zeitungen Geld bezahlen: Internet-Dienst Google News

Seit Jahren kämpfen die Verleger deshalb gegen Konkurrenten, die Informationsangebote im Netz kostenlos zur Verfügung stellen. Insbesondere die öffentlich-rechtlichen Sender, die ihre Angebote über Gebühren finanzieren, dürften den Angeboten der Zeitungen keine Konkurrenz machen, fordern die Verleger. Sie möchten, dass die Rundfunkanstalten auf ihren Seiten und insbesondere in den Angeboten für Tablet-PCs deutlich weniger und kürzere Texte veröffentlichen. Einigungen zwischen Verlegern und den Intendanten der Sender sind bisher gescheitert. Nun müssen die Gerichte entscheiden.

Unzufrieden sind die Zeitungsverleger auch mit der Verwertung ihrer Inhalte durch andere Anbieter. Sie verlangen, dass Firmen, die Inhalte aus Zeitungen sammeln und zusammenstellen, Lizenzgebühren an die Verlage zahlen müssen. Ein Gesetzentwurf zu einem Leistungsschutz ähnlich dem Urheberrecht wird gerade von der Bundesregierung erarbeitet, stößt aber auf Widerstand vor allem in der Internetwirtschaft. Denn auf Dienste wie Google News, die Verlagsangebote zusammenstellen, kämen möglicherweise hohe Lizenzgebühren zu.

Insgesamt konnten die Verlage im vergangenen Jahr ihre Umsätze weitgehend halten. Allerdings ist die gedruckte Auflage der Zeitungen und Zeitschriften erneut gesunken, um drei Prozent. Trotzdem bleibt die Zeitung aus Papier das Kerngeschäft der Zeitungsverleger. Sie erreicht nach wie vor weit mehr Menschen als die Online-Angebote. Nach den Zahlen des Verbands lesen zwei Drittel der Deutschen nach wie vor täglich eine Zeitung aus Papier.