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Fußball

Die Zeit des Alleinherrschers ist vorbei

Vom "Alphatier zum Teamplayer" – so haben sich zuletzt immer häufiger Trainer entwickelt, sagt der Leiter der Trainerakademie in Köln, Frank Wormuth. Tatsächlich vertrauen immer mehr Clubs ruhmlosen Novizen. Ein Trend?

Bayern-Trainer Louis van Gaal (r.) und Schalkes (ex)-Trainer Felix Magath verlassen die Pressekonferenz. (Foto: Sebastian Widmann/dapd)

Auslaufendes Trainermodell: "Alphatier"

Das Trainerkarussell drehte sich Jahr um Jahr, immer wieder kursierten die ewig gleichen Namen, sobald die Krise in einem der Bundesliga-Vereine ausgebrochen war. Doch zuletzt schien die Tendenz dahin zu gehen, frischen, der Öffentlichkeit eher unbekannten deutschen Trainern zu vertrauen. "Der Bereich der sozialen Kompetenz spielt heute eine viel größerer Rolle", sagt Frank Wormuth, Chef der DFB-Trainerausbildung. "Wie bei den Trainern gibt es auch bei den Spielern nicht mehr die großen Alphatiere wie Effenberg oder Matthäus." Dabei gehen die Vereine unterschiedliche Wege: Robin Dutt vom SC Freiburg etwa stieg genauso wie sein Amtskollege Marco Kurz vom 1. FC Kaiserslautern in die Bundesliga auf. "Für mich ist das wie für die Spieler", bekannte Kurz nach dem Aufstieg. "Wir alle müssen den Nachweis erbringen, erstligatauglich zu sein. Und das muss ich auch."

Mainz experimentiert erfolgreich

Fotomontage: Dortmunds Trainer Jürgen Klopp (Foto: Thomas Eisenhuth) und der Mainzer Trainer Thomas Tuchel. (Foto: Fredrik von Erichsen dpanull)

Zwei Mainzer Volltreffer: Jürgen Klopp (jetzt bei Borussia Dortmund) und Thomas Tuchel

Doch es gibt auch noch einen anderen Weg. Vor allem kleinere Vereine, denen oft das Geld für die ganz großen Namen fehlt, wagen den Schritt mit einem noch ruhmlosen Trainer. Beim FSV Mainz 05 etwa vertrauen die Verantwortlichen prinzipiell ideenreichen und modernen Fußballlehrern wie einst Jürgen Klopp und aktuell Thomas Tuchel, den einstigen A-Jugend-Trainer. Und das mit Erfolg. "Das zeigt eigentlich, dass Mainz mutige Entscheidungen trifft", sagt FSV-Manager Christian Heidel. "Und wenn sie dann auch noch so greifen, wie es bei den beiden der Fall war, waren wir einfach auf dem richtigen Weg. Das macht uns froh." Mainz spielte die beste Hinrunde der Vereinsgeschichte, berauschte sich und die Fans mit elf Siegen und einem Europapokalplatz zur Winterpause.

Die Zeit für Konzepttrainer?

Kontinuität, Gesamtentwicklung des Vereins und modernste Lehrmethoden – dies alles bietet der "Konzepttrainer". Ralf Rangnick prägte diese Definition, Volker Finke galt zu seinen Zeiten beim SC Freiburg als Urvater dieses Begriffs. "Es gibt Trainer mit einem kurzfristigen Plan und Trainer mit einem langfristigen", erklärt Frank Wormuth. "Aktuell würde ich sagen, ein Konzepttrainer ist ein Trainer mit einem langfristigen Plan."

Alleinherrscher und Machtinhaber sind out, Gesamtkonzepte und dauerhafte Strukturen im Verein dafür umso mehr gefragt. Auch neue Trainingsmethoden und moderne Erkenntnisse aus der Fußball-Lehre spielen eine immer größere Rolle. Tuchel, der Ralf Rangnick als prägende Figur seines Trainerlebens nennt, holte sich etwa Rat bei Gehirnforschern. "Wir erhoffen uns daraus Rückschlüsse zu bekommen, wie wir als Menschen lernen. Und das lassen wir dann wieder in unsere Trainingseinheiten zurückfließen."

"Bilder zeigen – nicht soviel reden!"

Der 37-Jährige erntete mit seinen außergewöhnlichen Trainingsmethoden Erfolg und Anerkennung von höchster Stelle: "Der Trainer ist klasse, absolut", lobte Bundestrainer Joachim Löw. "Der ist jung, der ist innovativ, der hat den Mut zum Risiko. Der hat vor allem auch konzeptionelle Ideen. Er gefällt mir sehr gut in seiner Art zu arbeiten." Dabei ist die neue Lehrmethode ganz einfach, glaubt man Tuchel: "Bilder zeigen und nachmachen – nicht soviel reden."

Über die Jugendarbeit zum Chefsessel

Lukas Podolski (l) und sein Trainer Frank Schaefer (Foto: Gladys Chai von der Laage)

Podolski (l) und Trainer Schaefer kennen sich lange

Aus dem eigenen Jugendtrainerstab kam auch Frank Schaefer, der mittlerweile erfolgreich die Bundesligamannschaft des 1. FC Köln übernommen hat. Wenn man die Spieler selbst jahrelang ausgebildet hat und gut kennt, kann das von Nutzen sein, sagt Wormuth. "Da nimmt man mal einen Spieler mit hoch – und das hat schon seinen Vorteil, ohne Zweifel. Man hat eine weitere Möglichkeit, den Kader zu bestücken."

Auch Marco Pezzaiuoli, der auf Ralf Rangnick beim TSV Hoffenheim folgte, sammelte zunächst Erfahrung im Nachwuchsbereich des DFB. So scheint die Verpflichtung eines noch unbekannten Trainers mittlerweile nicht mehr nur die Interims- oder Notlösung zu sein. "Mich rufen zum Teil Verantwortungsträger an und fragen, was ich auf dem Markt habe an jungen Trainern, die schon was im Jugendbereich geleistet haben", verrät Wormuth. "Wenn es schon mal positive Fälle gegeben hat, trauen sich andere, nachzuziehen."

Autorin: Olivia Fritz
Redaktion: Wolfgang van Kann