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Bücher

Die zehn erfolgreichsten Sachbücher Deutschlands (2005 – 2015)

Populärwissenschaft, Genderthemen, die deutsche Sprache, eine Prise Gesellschaftspolitik und an der Spitze ein Reisebericht über die Suche nach Sinn. Die in Deutschland meistverkauften Sachbücher der letzten zehn Jahre.

1: "Ich bin dann mal weg" von Hape Kerkeling (2006)

Das erfolgreichste Sachbuch der letzten Jahre heißt "Ich bin dann mal weg – Meine Reise auf dem Jakobsweg" von Entertainer Hape Kerkeling. In dem im Mai 2006 erschienenen Buch beschreibt der erfolgreiche Komiker, Schauspieler, Moderator und Sänger seine knapp 770 Kilometer lange Wanderung nach Santiago de Compostela. Nach Hörsturz und Gallenblasen-Operation wollte Kerkeling mit der Reise im Sommer 2001 zu Ruhe, Ausgleich – und sich selbst finden.

Auf dem Weg vom französischen Örtchen Saint-Jean-Pied-de-Port in die spanische Pilgerhochburg trifft der Erzähler andere Wanderer und Sinnsuchende und berichtet im lockeren Ton von den gemeinsamen Erlebnissen und was sie in ihm, der sich selbst als "Buddhist mit christlichem Überbau" bezeichnet, ausgelöst haben.

"Ich bin dann mal weg" verkaufte sich fast fünf Millionen Mal. 100 Wochen lang war es auf Platz 1 der Bestseller-Listen. Weihnachten 2015 kam dann auch eine Verfilmung in die Kinos. Devid Striesow spielt darin Hape Kerkeling. Der Erfolg des Buches hat zum einen mit der Person Kerkelings zu tun. Zum anderen passte das Buch in eine Zeit, in der immer mehr Sinnsuchende – auch ohne christliche Prägung – die Möglichkeit, den Jakobsweg zu gehen, in Betracht zogen.

2: "Die Leber wächst mit ihren Aufgaben" von Eckart von Hirschhausen (2008)

Buchcover Eckart von Hirschhausen. (Foto: Verlag: Rowohlt)

Kann man seinem Auto mit einer Akupunktur helfen? Warum regt einen Glückstee so auf? Und wie findet man mit geschlossenen Augen seinen Traumpartner? Fragen wie diese scheinen die Deutschen sehr zu interessieren. Das populärwissenschaftliche Buch beantwortet sie spannend und humorvoll – und landet auf Platz zwei der meistverkauften Bücher der letzten zehn Jahre. Dr. Eckart von Hirschhausen ist Arzt, Moderator, Schriftsteller, Kabarettist und Zauberer. Seine Vielseitigkeit merkt man auch seinem Schreibstil an. Mal ist er Mediziner, mal Krisenberater, mal Komiker – und er verrät uns, was wir alle schon wussten: Die Löcher im Käse machen dick.

3: "Glück kommt selten allein" von Eckart von Hirschhausen (2009)

Das Nachfolge-Buch aus der Feder Hirschhausens war ähnlich erfolgreich. Diesmal geht es weniger um die Skurrilitäten der Medizin, sondern der Autor versucht sich als ratgebender Glücksbringer. "Glück ist nicht das Ziel, sondern ein Abfallprodukt der Evolution", kann man zum Beispiel lesen. Oder: "Zufriedenheit ist keine Frage des Schicksals, sondern die Summe der täglichen Gedanken und Handlungen." Hat man alles irgendwie schon mal gehört. Aber die deutschen Leser scheinen es zu lieben, wie der grinsende Doktor Witz mit Wissen verbindet.

4: "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" von Bastian Sick (2004)

Die deutsche Sprache eignet sich hervorragend für einen Bestseller – vor allem ihre Irrungen und Wirrungen. Das beweist dieser "Wegweiser durch den Irrgarten der deutschen Sprache" vortrefflich. Er sammelt die Texte der erfolgreichen Kolumne "Zwiebelfisch" von Bastian Sick bei Spiegel Online.

Gerade auch für nichtdeutsche Leser hält dieses Buch einige wunderbare Erkenntnisse bereit: Heißt es der, die oder das Nutella? Eine Frage, die schon an diversen Frühstückstischen der Republik diskutiert wurde. Und die im vierterfolgreichsten Buch der letzten zehn Jahre genüsslich zelebriert wird. Sick seziert die Rechtschreibreform und sortiert den deutschen Sprachmüll. Herrlich unterhaltsam und lehrreich. Die Fortsetzung "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, Folge 2" schaffte es übrigens auf Platz 12.

5: "Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?" von Richard David Precht (2007)

Publizist und Philosoph Richard David Precht. (Foto: picture-alliance/dpa/O. Berg)

Richard David Precht

Der Populärphilosoph Richard David Precht stellt gerne Fragen. Mit der, die er zu seinem Buchtitel machte, wurde er deutschlandweit bekannt. "Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?" vermittelt anschaulich Einblicke in die Welt der Philosophie. Da sich die Erklärungsmodelle Kants, Platons oder Nietzsches nämlich so schwer lesen und begreifen lassen, versucht Precht auf seine Art und Weise, die Antworten auf die großen Fragen des Lebens zu übersetzen: "Was ist Wahrheit?", "Warum soll ich gut sein?" oder "Woher weiß ich, wer ich bin?" Auch Precht ist ein Philosoph, ein "Freund der Weisheit“: Sein Buch bringt den Leser darüber hinaus aber auch auf den aktuellen Stand der Hirnforschung und der Psychologie.

6: "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin (2010)

Der frühere SPD-Politiker Thilo Sarrazin ist einer der umstrittensten – und erfolgreichsten – deutschen Sachbuchautoren. Kritiker werfen dem früheren Bahn-Manager, Bundesbanker und Berliner Finanzsenator vor, mit seinem Buch den Boden für die Pegida-Bewegung und die rechtspopulistische Partei AfD bereitet zu haben: In "Deutschland schafft sich ab" malt Sarrazin der Bundesrepublik eine triste Zukunft aus, die seiner Meinung nach als Folge von Geburtenrückgang, wachsender Unterschicht und Zuwanderung aus überwiegend muslimischen Ländern eintreten wird.

Das Buch mit dem Untertitel "Wie wir unser Land aufs Spiel setzen" wurde bereits vor seiner Veröffentlichung in Auszügen publiziert – und deutschlandweit heiß diskutiert: Politiker, Wissenschaftler und Medienvertreter – Sarrazin-Gegner auf der einen, seine Befürworter auf der anderen Seite – lieferten sich einen heftigen Schlagabtausch. Seine Thesen führten dazu, dass Sarrazin seinen Posten als Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank verlor. "Deutschland schafft sich ab" war so erfolgreich, weil es 2010 mehr war als "nur" ein Sachbuch. Es war das Zentrum einer gesellschaftlichen Debatte, über die viele Käufer Bescheid wissen und bei der sie mitreden wollten.

7: "Langenscheidt Deutsch-Frau/Frau-Deutsch" von Mario Barth (2004)

Bedeutend leichter als Sarrazins Buch liest sich das Werk des Comedians Mario Barth. Dass Frauen eine "andere Sprache sprechen" als Männer, ist keine neue Erkenntnis. Als freundlicher Verständigungshelfer hilft Mario Barth männlichen Leidensgenossen dabei zu verstehen, was frau wirklich gemeint hat.

Die "schnelle Hilfe für den ratlosen Mann" kommt auch optisch als Nachschlagewerk daher – das Buch ist im Langenscheidt-Verlag erschienen, der für seine Wörterbücher bekannt ist. Der Erfolg von "Deutsch-Frau/Frau-Deutsch" machte eine Fortsetzung unvermeidlich. Außerdem gibt es mittlerweile natürlich auch die Ausgabe "Deutsch-Mann/Mann-Deutsch".

8: "Ein Mann - Ein Buch" von Eduard Augustin (2007)

Genderliteratur hat das Zeug, die Massen zu erreichen. Bücher über Geschlechteridentitäten bieten Spaß und Zündstoff für Männer und Frauen. Das beweisen Mario Barths Wörterbücher – und das beweisen auch die knapp 400 Seiten von "Ein Mann - Ein Buch". Darin zählen Eduard Augustin, Philipp von Keisenberg und Christian Zaschke auf, was echte Männer ihrer Männer-Meinung nach wirklich wissen müssen: Bei "Wie man eine Fliege bindet" oder "Wie man ein Bier zu Hause braut" kann man diesem Ansatz noch gut folgen. Die Abschnitte "Wie man eine Boeing 747 landet" oder "Wie man Papst wird" sind da schon etwas skurriler. Stört aber nicht. Im Gegenteil.

"Nach einer ungeschriebenen Weisheit soll ein Mann in seinem Leben einen Baum pflanzen, ein Haus bauen und ein Kind zeugen – und natürlich dieses Buch lesen" schrieb business today. Natürlich gilt auch in diesem Fall das ungeschriebene Gesetz: Einem Bestseller muss scheinbar eine Fortschreibung folgen: In diesem Fall in Form von "Eine Frau - Ein Buch" (2008) und "Ein Paar - Ein Buch" (2009).

9: "Darm mit Charme" von Giulia Enders (2014)

Die Medizinstudentin traf 2014 einen Nerv – mit einem Sachbuch ausgerechnet über den menschlichen Darm. Die junge Frau spricht und schreibt über ein Organ, über das sich die meisten Menschen bisher eher ungern geäußert haben. Enders möchte das ändern: Wenn wir uns in unserem Körper wohl fühlen und glücklicher werden wollen, müssen wir unseren Darm pflegen, sagt sie. Denn Übergewicht, Depressionen und Allergien hingen mit einer gestörten Balance der Darmflora zusammen.

Die junge Wissenschaftlerin gewann 2012 den ersten Preis bei einem Science-Slam. Ihr Vortrag "Darm mit Charme" wurde auf YouTube veröffentlicht – und Enders bekam das Angebot, ein Buch daraus zu machen. Der Erfolg war überwältigend.

10: "Die Kunst des klaren Denkens" von Rolf Dobelli (2011)

Der Schweizer Autor und Wirtschaftsfachmann benennt in seinem erfolgreichen Ratgeber "52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen". Zum Beispiel, warum wir unser eigenes Wissen systematisch überschätzen (und andere für dümmer halten, als sie sind). Oder warum etwas nicht deshalb richtiger wird, weil Millionen von Menschen es für richtig halten.

Dobelli sammelt in seinem Buch die Ergebnisse der psychologischen Forschung. Ob sich mit diesen ganzen Erkenntnissen – für jede Woche des Jahres eine – tatsächlich, wie suggeriert wird, schlimme Folgen "für Ihr Geld, Ihre Karriere, Ihr Glück" vermeiden lassen, darüber kann man streiten.