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Deutschland

Die wundersame Welt der Wahl-Blogs

Rund 70 deutschsprachige Weblogs widmen sich der Bundestagswahl. Ist hier wirklich alles schnell, flexibel und informativ? DW-WORLD klickt sich durch und präsentiert Wichtiges und Wahnsinniges aus der Welt der Wahlblogs.

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Mein "Mein Parteibuch" - Das hört sich spannend an. Beginnen wir die Rundreise zu ausgewählten Wahl-Weblogs mit Marcel Bartels. In seinem Online-Tagebuch berichtet der Berliner über sein Leben als Neu-SPD-Mitglied. Nichts weniger als ein gewagtes Experiment. Denn: "Insbesondere will ich beschreiben, wie ich mich durch den Eintritt in eine Partei verändere."

Bist du ein Psycho?

Nach 68 Tagen Mitgliedschaft in der SPD kann man unumwunden konstatieren: Das Leben in der Politik hat Herrn Bartels nicht gut getan. Seine Gefühlswelt ist ordentlich durcheinander geraten. Dabei hatte alles so gut angefangen. Marcel geht in den Zoo und macht ein Foto von sich und dem Parteibuch. Er trifft den Generalsekretär ("Nun, sogar für ein paar nette Worte war der Klaus Uwe gestern zu haben") und macht ein Foto. Plakatieren geht er auch, macht ein Foto und stellt fest, dass die Tätigkeit "nicht mal Schwielen an den Händen" hinterlässt.

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"Zuerst war er ja ganz amüsant", schreibt User Kamikaze-Demokratie im Kommentarbereich. Irgendwann aber begann Bartels mit wilden verschwörungstheoretischen Elaboraten, veröffentlichte vermeintliche Chats mit jungen Damen und hielt es für durchaus denkbar, dass er aufgrund seines Wirkens von Politikern umgebracht würde. Nicht nur der SPD-Blog WebSozis distanzierte sich schleunigst. Fazit: Abstrus und abseitig. Hilfe! Schnell weg hier! Weiter zu den Liberalen, auf die Internetseite des FDP-Bürgerfonds.

In Kürze mehr...

"Entfesselt unser Land!" Ein junger nackter männlicher Oberkörper von hinten. Er scheint die Botschaft in die Welt zu rufen. Seine glänzenden muskulösen Arme umspannen den stahlblauen Himmel. Der Schriftzug "Freiheit statt Bürokratie" fährt von links auf das Startbanner der FDP-Bürgerfonds-Site. Sehr schön.

"Deutschland wird entrümpelt" verlautet die Überschrift eines Eintrags. Wie die FDP das jetzt machen will? "Der berühmte Comedian und Entertainer Jörg Knörr hat unseren Ehrenvorsitzenden …porträtiert." Aha. Die Gemälde sollen bei Ebay versteigert werden. Interessant. "In Kürze" soll "mehr zu dieser Aktion" folgen.

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Jörg Knörr und seine Zeitschriften findet man bei Ebay übrigens noch nicht. Dafür aber eine FDP-Anstecknadel, die für einen Euro zu haben ist. Will aber im Moment noch niemand dafür bieten. Also zurück zur FDP-Site. Eine Wein-Verlosung gibt es da noch. Und eine Zigarren-Verlosung. Ist das jetzt interaktives Campaigning für die Community?

Als modernes Feature lockt die Partei mit der "SMS-Blitz-Info". Einfach die Handynummer eintragen und warten. Leider ist von dem versprochenen "Informationsvorsprung" auch nach einem halben Tag nichts zu merken. Fazit:

In Kürze mehr zu dieser Aktion?

Wenig Pathos und Brimborium

Wie man einen Wahlblog auch sinnvoll und für User gewinnbringend gestalten kann, zeigt die Internetseite wahlblog05.de Das Projekt der Initiative für interaktive Demokratie war das erste Weblog zur bevorstehenden Wahl. Im Gruppen-Blog diskutieren neben den Initiatoren auch Bundestagsabgeordnete und ausgewiesene Experten.

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Christoph Bieber vom Zentrum für Medien und Interaktivität analysiert da beispielsweise treffend die neue Website des Kanzlers: "In dieser Saison heißt es 'Kanzler light' statt 'Kanzler satt'. Die Personality-Site von Gerhard Schröder kommt mit vergleichsweise wenig Pathos und Brimborium aus." Ebenfalls mit im Blog Politgrafiker Klaus Staeck. Fazit: Informative und zeitgemäße Begleitung des Wahlkamps 2005.

Fortsetzung folgt!

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