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Kultur

Die wunderbare Youtube-Welt

Es begann mit lustigen Selfmade-Videos. Vor zehn Jahren ging das Videoportal online und hat seitdem den Konsum von bewegten Bildern radikal verändert. Das Fernsehen guckt buchstäblich in die Röhre.

Musikvideos, Let's Plays, Beautychannels, lustige Tiere, Filmtrailer und Pannenvideos - Youtube ist voll davon, pro Minute werden etwa 300 Stunden Material hochgeladen. Monatlich besuchen bis zu zwei Milliarden Nutzer die Plattform - und seit es Verträge zwischen Youtube und Werbefirmen gibt, fließt das ganz große Geld.

Broadcast yourself

So einen Erfolg haben sich die drei Youtube-Gründer Jawed Karim, Steve Chen und Chad Hurley wohl nicht vorgestellt, als sie vor zehn Jahren mit dem Portal starteten. Es ging doch nur darum, eine Plattform zu schaffen, auf die man selbstgemachte Clips hochladen konnte. "Broadcast yourself" war die Devise - sende dich selbst, zeige dich der Welt. Und das tat Jawed Karim im ersten Video, das überhaupt auf Youtube hochgeladen wurde: 18 Sekunden lang bewundert er darin die Elefanten im Zoo und freut sich über deren lange Rüssel.

Mit 22 Millionen Zugriffen ist dies allerdings nicht das meistgesehene Video. Mittlerweile gibt es ganz andere Zahlen. Das Musikvideo zum Partyhit "Gangnam Style" hat 2,3 Milliarden Klicks. Es ist das meistgesehene Youtube-Video überhaupt - Funfact: Youtube musste seine Zählmaschine updaten, da man mit zehnstelligen Klickzahlen nicht gerechnet hatte. Immer wieder schafft es auch ein User-Video in den Klickzahlen-Olymp. Wenn zum Beispiel ein Papi seine kleinen Söhne mit der Handykamera filmt - 800 Millionen Klicks gab für "Charlie bit my finger".

Die größten Hypes

Youtube macht Spaß. Am 2. Februar 2013 postet Youtuber Filthy Frank eine kurze Videosequenz, in der vier Typen im Ganzkörperanzug auf einen Hiphop/Trap-Song tanzen. Eine Woche später veröffentlicht der Norweger Kenneth Håkonsen einen 30-sekündigen Clip, in dem eine kleine Soldateneinheit im Schnee steht. Der Rest ist als "Harlem Shake" in die Geschichte eingegangen.

Allein auf Youtube gibt es 40.000 Versionen dieses Spaßes. Im Hörsaal, am Strand, in U-Bahnen, selbst am Mount Everest sind Harlem Shake-Videos entstanden.

Es macht den besonderen Reiz aus, eine Idee nicht nur nachzumachen, sondern zu modifizieren. In Pharell Williams' "Happy" tanzten Menschen singend durch die Straßen. Auch das wurde zigfach "remixed": Weltweit tanzten Leute zu diesem Song durch ihre Stadt, in allen erdenklichen Variationen: Von der "Cologne Dance Edition" bis hin zu Hotelangestellten in Dubai.

Den größten Erfolg hatte 2014 eine Charity-Aktion: Ein an der Nervenkrankheit ALS leidender Ex-Sportler kam auf die Idee, eine virale Spendenkampagne zu starten. Er übergoss sich mit einem Eimer Eiswasser und forderte andere prominente Sportler dazu auf, es ihm gleich zu tun, ansonsten müsse man für die ALS-Stiftung spenden. Die Aktion zog Kreise, gelangte in den Garten von Microsoft-Chef Bill Gates und sogar bis ins Weiße Haus. Auch der Rest der Welt zog mit, werbewirksam übergossen sich Stars, Sportler, C-Promis und die Nachbarin mit Eiswasser und spendeten trotzdem - innerhalb weniger Wochen hat die Stiftung 100 Millionen US-Dollar eingenommen.

Ice Bucket Challenge Rio Ferdinand

Ob Promi oder nicht: Hunderttausende haben sich im August 2014 mit Eiswasser geduscht

Wer steckt hinter den Youtube-Stars?

Youtuber werden von ihrer Zielgruppe gefeiert wie Popstars. Der Schwede Felix Kjellberg alias PewDiePie ist der beliebteste von allen - sein Kanal hat 36 Millionen Abonnenten. Die sehen einen smarten Blonden, der den ganzen Tag nichts als Blödsinn im Kopf hat. Er filmt sich beim Computerspielen und lacht sich ständig dabei kaputt. Er sagt über sich selbst: "Ich bin nur so ein Typ aus Schweden, der gerne lacht und andere zum Lachen bringen will." Das schafft er. Seine Clips haben oft mehr als 60 Millionen Zugriffe. PewDiePie ist inzwischen Millionär und engagiert sich beim World Wildlife Fund. 2014 sammelte er für ein Wasser-Projekt 250.000 US-Dollar.

So selfmade das auch alles aussieht: Längst werden diese Clips mit Profi-Equipment hergestellt. Hinter sich hat der Youtube-Star eine Produktionsfirma, die für die weltweit beliebtesten Kanäle verantwortlich ist. "Maker Studios" bietet nicht nur Produktionsstätten für die erfolgreichsten Youtube-Clips, sondern ist auch ein Netzwerk, das die Inhalte und Betreiber seiner Kanäle bestmöglich vermarktet. Maker Studios produzieren auch selbst erfolgreiche Kanäle. Bei "Epic Rap Battles" (zwölf Millionen Abonnenten) treten Protagonisten aus Kultur, Politik und Geschichte im Rap-Duell gegeneinander an. Seit letztem Jahr gehört Maker Studios zum Disney-Konzern.

Alle wollen ein Stück vom Kuchen

Auch die Fernsehproduktionsfirma Endemol hat das enorme Marktpotenzial von Youtube-Stars entdeckt und seine Tochter "Endemol Beyond" ins Rennen geschickt. Sie haben den Superstar Michelle Phan unter vertrag. Bei Phan dreht sich alles um Beauty, Fashion und Lifestyle - mehr als sieben Millionen haben ihren Kanal abonniert.

Auch in Deutschland wollen Vermarktungsunternehmen etwas vom Kuchen der Youtube-Stars abhaben. Wenn es gut läuft, ist es für alle eine "Win-Win-Situation": Das Unternehmen sorgt für Vermarktung und Verbreitung der Youtube-Kanäle, dafür bekommt es für jeden Klick einen Teil der Einnahmen. Medienanwalt Christian Solmecke rät zur Vorsicht: "Etliche Klauseln sind nicht transparent, da sie viel zu schwammig formuliert sind." Oftmals zahlten die Youtuber die erhöhte Reichweite, die sie durch die Netzwerke bekommen, mit einem hohen Preis.

LeFloid

LeFloid hat sich von Mediakraft gelöst

Die Firma "Mediakraft" hatte alle großen deutschen Youtuber unter Vertrag: Y-Titty, LeFloid, Apecrime und Simon Unge. Viele sind gegangen, weil sie sich nicht gut betreut fühlten. Im Gegenteil, ihre Kanäle wurden für weitere Beteiligte zu Werbeplattformen, was die Youtuber auf keinen Fall wollten, allerdings auch nicht verhindern konnten.

Fernsehen der Zukunft

Youtube ist konkurrenzlos. Selbst wenn in Deutschland Gema und Plattenfirmen immer wieder für Ärger sorgen, weil bestimmte Inhalte aus urheberrechtlichen Gründen nicht gezeigt werden können - es gibt genug andere Sachen zu sehen, die weiterhin frei verfügbar sind. Noch ist die größte Nutzergruppe unter 25 Jahre alt. Die Nutzer schätzen sehr, dass sie es sich selbst aussuchen können, wann sie sich was anschauen. Man muss kein Medienexperte sein, um zu erkennen, dass das lineare Fernsehen bald Geschichte sein wird. Streaming-Kanäle und Pay-TV boomen - den Rest besorgt das Netz - mit Youtube, seiner Vielfalt und seinen Stars.