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Bildung

"Die wollen dich sehen!"

In Deutschland gibt es zwölf staatliche Schauspielschulen. Obwohl die Aussichten gering sind, später im Ensemble eines Theaters engagiert zu werden, ist der Ansturm gewaltig. Auch in Frankfurt am Main.

Schauspielschüler an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, Foto: HfMDK

Phantasie, Talent - und harte Arbeit: Das Studium an einer Schauspielschule

Stimme, Körperhaltung und ein Gefühl für die Rolle, darauf kommt es an, wenn sich rund 500 Bewerber auf acht Studienplätze bewerben. Jedes Frühjahr startet das Vorsprechen für "Spielwütige" an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Voraussetzung ist das Abitur. Dann muss es einem aber auch noch gelingen, die Aufnahmekommission von seinen Fähigkeiten zu überzeugen. Letzteres geschieht durch das Vorsprechen von Rollen. Drei Runden gibt es insgesamt, wobei die meisten Kandidaten schon nach der ersten ihre Sachen packen. Häufigster Grund: Es fällt ihnen schwer, genügend Phantasie zu entwickeln, um sich in fremde Texte hineinzudenken. Während des mehrtägigen Auswahlverfahrens kommt es nicht auf fehlerfreie Monologe an, weiß Luise Audersch, die bereits im 3. Semester studiert, aus Erfahrung: "Die wollen Dich sehen! Es geht darum, ob der Mensch interessant ist." Oder mit den Worten der Schauspielschulleiterin, Prof. Marion Tiedtke: "Wir prüfen, ob jemand talentiert ist."

Mit Mikrophon und Kamara

Zum Fächerkanon der Schauspielstudenten gehören Sprecherziehung, Stimmbildungs- und Atemunterricht, Physiodrama, Szenenspiel, Lektürekurse und Inszenierungsanalysen. Um die Chancen der späteren Absolventen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen, bietet die Frankfurter Schauspielschule als Besonderheit: Mikrophonsprechen im Hessischen Rundfunk sowie Kooperationen mit der hessischen Film- und Medienakademie mit dem Ziel, auch ins Spiel vor der Kamera einzuführen. Trotzdem wird den Studenten empfohlen, sich zunächst auf das Theater zu konzentrieren, da Bühnenpräsenz und das Spielen vor dem Kameraauge grundverschieden sind.

Fast ein Elitestudiengang

Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, Foto: DW

Die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main ist die kleinste staatliche Schauspielschule in Deutschland

Marion Tiedtke, die viele Jahre als Intendantin an den Münchner Kammerspielen und am Burgtheater in Wien gearbeitet hat, liegt es am Herzen, sehr persönlich auszubilden. Und da es nur jeweils acht Studierende pro Semester gibt, kommt die Frankfurter Ausbildung "fast einem Elitestudiengang" gleich.

Ohne Deutsch keine Chance

Nur wer die deutsche Sprache beherrscht, hat gute Chancen auf einen Studienplatz. Zweisprachigkeit und kulturelle Vielfalt werden zwar für viele Theater immer attraktiver, doch allzu stark darf der Akzent nicht sein. "Wenn man Deutsch erst noch lernt oder einen relativ großen Akzent hat, bleibt nur die Möglichkeit, als Auslandsstudent über einen Hochschulaustausch hier ein Semester zu verbringen", betont Marion Tiedtke.

Von der Bühne besessen

Falsche Illusionen werden in Frankfurt niemandem gemacht. Offene Kritik ist angesagt. Da braucht man generell ein großes Durchhaltevermögen. Zum einen, weil täglich zehn Stunden konzentriertes Arbeiten selbstverständlich sind - mit wenig Raum für Hobbys und sonstiges Privatleben. Zum anderen, weil sich die Studenten während des Studiums extrem mit der eigenen Person auseinandersetzen müssen, einschließlich aller Höhen und Tiefen. "Das ist ja der eigene Körper, die eigene Stimme, der eigene Charakter auch, mit dem man arbeitet, das kann dann schon sehr wehtun", bestätigt Schauspielstudentin Luise Audersch. Nur wer wie sie vom Bühnenberuf besessen ist, schafft das acht Semester lang.

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