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Kultur

Die Wirklichkeit hinter dem Grusel

Nach 30 Jahren kommt der Horrorfilm "Texanisches Kettensägenmassaker" wieder ins Kino - als schrecklich erfolgreiches Remake und angeblich wahre Geschichte. Denn das zieht Grusel-Gucker magisch an.

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Ein Film erschreckt noch einmal die Kinogänger

Fünf Teenager fahren durch Texas und geraten in die Fänge einer Kannibalen-Familie, die Kettensägen nicht nur zum Bäumefällen verwendet. Mit dieser Geschichte wurde "The Texas Chainsaw Massacre" 1974 zu einem Kultfilm. Offene Gewalt braucht der Horrorschocker kaum, das Kettensägen-Gedröhn reicht schon.

Das alte Team hat Hand angelegt

An dieses Rezept hat sich auch Regie-Chef Marcus Nispel gehalten, als er den Film neu auflegte - der Original-Regisseur Tobe Hopper und der Kameramann von damals, Daniel Pearl, haben wieder mitgemacht. Produzent war Michael Bay ("Armageddon", "Pearl Harbour").

Zum friedlichen Neujahrsfest 2004 ist "Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre" auf deutsche Leinwände gekommen. In den USA haben die Kino-Einnahmen fast die 100-Millionen-Dollar-Marke des Originals erreicht. Schönes bleibt? Die meisten Kritiker fanden das Neu-Werk stumpf. "Das ist bloß Recycling", sagt beispielsweise der Horrorfilm-Experte Rolf Giesen vom Filmmuseum Berlin gegenüber DW-WORLD. "Die haben es sich leicht gemacht." Die schauderhafte Wirklichkeit: Es gehe eigentlich nur darum, nochmal Geld zu machen.

Die Geschichte ist immer ein bisschen echt

Dass die Kettensägen-Kämpfe trotzdem Erfolg haben, hängt wohl auch mit der gruseligen Behauptung der Vermarkter zusammen: Wir mussten uns das nicht ausdenken. Beim neuen "Säge-Werk" soll der einzige Überlebende erzählen, wie es wirklich war - und zu Anfang gaukeln nüchterne Schwarz-Weiß-Bilder von Polizei-Ermittlungen Echtheit vor.

Ein reales Vorbild hat die Figur des metzelnden "Leatherface" in der Tat. 1957 wurde der Farmer Ed Gein als Massenmörder entlarvt, der bei seiner despotischen Mutter wohnte, seinen Opfern die Haut abzog und dann verarbeitete. Damit war er auch die Inspiration für Norman Bates in Alfred Hitchcocks "Psycho" (1960). Der echte Gain saß in der Psychiatrie, bis er 1984 an Krebs starb.

Verirrte Filmer: Nur erfunden

Auch andere Horrorfilme geben sich gern realitätsnah. "The Blair Witch Project" (1999) basierte auf der Geschichte von drei Studenten, die 1994 mit der Filmkamera in die Wälder von Burkittsville in Maryland zogen und nicht mehr wiederkamen. Wenn es nicht wahr ist, so ist es doch gut erfunden.

Drehbuch-Autor Victor Salva hat für "Jeepers Creepers" (2001) ebenfalls wirkliche Ereignisse verarbeitet - sagt er zumindest: Dass ein Pärchen auf Reisen etwas Merkwürdiges entdeckt, die Wahrheit sucht und Horror findet, das sei tatsächlich vorgekommen.

Laut werden ist die einzige Chance

Dass die Filmemacher mit ihrer "wahren Geschichte" werben, "auch wenn es um tausend Ecken geht", ist laut Giesen ihre einzige Chance, um Aufmerksamkeit zu erregen. "Sie haben ja kaum Stars und fast null Budget. Also können sie nur mit heißen Werbeschlagzeilen was machen." Auch den neuen Kettensägen-Film mit neun Millionen Dollar Kosten zählt Giesen zu den Billigproduktionen.

Ein Stück Wirklichkeit sei aber zumindest in den 1960er- und 70er-Jahren filmisch verarbeitet worden, sagt Giesen: "Unter dem Eindruck des Vietnam-Krieges sind die Horrorfilme besonders blutig geworden."

Massaker-Thermoskanne und Kaufhaus-Fantasien

Wenn der reale Grusel zur Grundlage für Filme wird, weiß man manchmal nicht, ob es seltsam-ironisch ist oder nur makaber. So soll zum Beispiel das Leben von Armin Meiwes (dem "Kannibalen von Rothenburg", der 2002 einen Mann zerstückelte und das Fleisch teilweise aß) popcornkinotauglich verfilmt werden. Im offiziellen "Massaker"-Online-Shop gibt es auch schon die "Texas Chainsaw Massacre Lunchbox" mit Thermoskanne. Regisseur Tobe Hooper soll die Idee mit der Kettensäge übrigens ganz profan ereilt haben: im überfüllten Kaufhaus.

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