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Kultur

Die wichtigsten Fußball-Codes

Sie haben keine Ahnung von Fußball? Macht nichts. Hier erfahren Sie, welche Fachbegriffe Sie drauf haben müssen, um bei der WM mitreden zu können. Und dazu gehört bitte nicht die berüchtigte "Abseitsfalle"...

Tischfußball-Figur (Foto: DW)

...denn die erwähnen wirklich nur Fußball-Anfänger. Das Fußball-ABC beginnt vielmehr mit der...

...Bananenflanke:

Diese ist im Spiel hochgewachsener, vornehmlich nordeuropäischer und insbesondere deutscher Mannschaften ungemein wichtig, weil deren Angriffsstrategie zum großen Teil schon immer darauf beruhte, körperlich kleinere Gegner durch "Lufthoheit" zu besiegen. Die sanft gekrümmte Bananenflanke segelt idealerweise von außen in den gegnerischen Strafraum hinein und trifft hier auf die Stirn eines "Kopfballungeheuers", welches sich (oft auf den Schultern eines kleineren Gegenspielers abgestützt) hochreckt – und die Flanke möglichst wuchtig im Tor versenkt. Verpasst das Kopfballungeheuer allerdings die Bananenflanke, kommt es schnell zur...

Zwei Fußballspieler kämpfen um den Ball (Foto: AP)

Hat sich da etwa jemand abgestützt?

...Blutgrätsche:

Auf Niederländisch nicht umsonst "Doodschob" – "Todesschubs" – genannt. Sie wird jedoch anders als andere lebensgefährliche Maßnahmen gegen die Mitmenschen auf dem Fußballplatz nicht unbedingt als unfein betrachtet oder geahndet. Denn Schiedsrichter (vor allem aus England, dem wenig zimperlichen Mutterland des Fußballs) sehen keineswegs in jeder Aktion ein Foul, in der ein Spieler seinen Gegenspieler rabiat in den Boden rammt. Da mag der gerammte Spieler auch mit Nasen-, Schienenbein- oder gar Genickbruch auf dem Rasen liegen bleiben: So lange der Fußball-Rüpel bei seiner "Blutgrätsche" nur irgendwie noch mit der Fußspitze den Ball berührt hat, ist alles in Ordnung und unterstellen ihm Schiedsrichter nur allzu gern die wohlwollende Absicht, dass er ja eigentlich "nur den Ball spielen wollte" – bis ihm quasi ein Gegenspieler in den Weg gerannt ist. Diese merkwürdige Sichtweise, die aus Foulopfern oft genug tollpatschige Täter macht, wird von der Fußballgemeinde umso bereitwilliger vertreten, je häufiger sich inzwischen stöhnende Spieler am Boden wälzen. Würde hier jedes Mal ein Pfiff ertönen, könnten WM-Partien niemals neunzig Minuten überstehen, weil mindestens die Hälfte der Mannschaften vorzeitig mit Roter Karte vom Platz flöge. Also haben sich die Fans stillschweigend darauf geeinigt "Härten" in Kauf zu nehmen, zu denen auch grausame Spitznamen für Spieler gehören. So etwa der Schandname...

Kinder spielen Fußball (Foto: DW)

Wird hier etwa die Blutgrätsche geübt?

...Chancentod:

So heißt ein Torjäger ohne Torinstinkt. Ein Stürmer ohne Sturmgefahr. Ein Spieler, dessen "Chancenverwertung" gegen Null tendiert und bei dem Sportreporter auf die Sekunde genau nachrechnen, wie lange er schon kein Tor mehr geschossen hat. Beziehungsweise: wie lange er schon keinen erfolgreichen "Assist" – keine Torvorlage – mehr geleistet hat, wie etwa einen erfolgreichen...

...finalen (tödlichen) Pass:

Das ist der fußballerische Geniestreich, der sich immer "perfektem Timing" verdankt, stets "in die Tiefe" des Raums gespielt und als ideale Torvorlage leider nur von "Edeljokern" und "Supertechnikern" beherrscht wird. Weil die Mehrzahl aller Fußballer diesen beiden Kategorien jedoch (wenn überhaupt) nur sehr gelegentlich zuzuordnen sind, tritt der finale Pass in geglückter Form höchst selten auf und kommt im Fußballfachgespräch meistens nur mit den Negativ-Verben "fehlen" und "misslingen" vor. Er bleibt der ewige Wunschtraum aller Trainer, Kommentatoren oder Stammtischexperten, die für sein Gelingen manchmal sogar Himmelsmächte bemühen, beziehungsweise den...

...Fußballgott:

Südafrikanischer Fußballfan in Kostüm (Foto: dpa)

Fan oder Fußballgott?

Der ist eine ziemlich launische Instanz, die nicht ohne Grund vor allem bei künstlerisch unambitionierten, dafür konditionsstarken Fußballarbeiter-Ländern wie Deutschland oder England keinen guten Ruf besitzt. Denn trotz gezeigter "Weltklasseleistung" hat der Fußballgott immer wieder einfach kein Einsehen mit der richtigen Mannschaft, die den Sieg doch eigentlich verdient hätte. Da mag man noch so viele Stoßgebete in der 88./89./90. Minute gen Himmel schicken: Der Fußballgott schert sich nervtötend wenig um das Ideal von einer Leistungsgerechtigkeit und lässt manchmal auch schlechtere Teams mit Dusel gewinnen. Kein Wunder, dass die Fans darüber so verärgert waren, dass sie schon seit Längerem dazu übergingen, sich ihre "Fußballgötter" selbst zu erschaffen. Der erste war der Torwart Toni Turek, der mit seinen Paraden 1954 Deutschland zum WM-Titel verhalf. Es folgten der "göttliche" Diego Maradona, der bei der WM 1986 die "Hand Gottes" ins Spiel brachte, und der argentinische Stürmerstar Lionel Messi, der von Journalisten schon jetzt, vor der WM in Südafrika, zum "Messias" des Fußballs ausgerufen wird. Irdischere Spieler werden strenger beurteilt, nämlich nach gezeigter.....

...Leistung:

Dieser Begriff, der eigentlich aus der Physik stammt, ist längst zur unverzichtbaren Standardformel im Fußball geworden, weil sie das Spiel so schön einfach analysierbar macht. Denn entweder hat die Leistung "gestimmt" - oder sie hat eben "nicht gestimmt". Ganz egal, wie viele ungerechte Elfmeter, Abstaubertore oder Lattenknaller es vorher gab. Der pure Zufall mag de facto oft Spiele entscheiden. Der Fußballfan aber tut so, als sei beim "Rasenschach" alles berechen- und planbar. Und nennt schon allein deshalb selbst das chaotischste Kicken noch tapfer "Leistung" –und Spieler stur "Leistungsträger", deren Darbietung er zusätzlich gern mit Prozentwerten bedenkt. "Jede zweite Flanke fand keinen Abnehmer, er konnte heute nur 50 Prozent seiner Leistung abrufen", ist ein beliebter Fußballkommentar von (Möchtegern-) Experten. Ebenso die Rede von der....

Fußballspieler springt in die Luft, um den Ball zu schießen (Foto: AP)

Standardsituation?

...Standardsituation:

Sie wissen, wann es Ecke, Freistoß oder Elfmeter beim Fußball gibt? Schön, aber bitte nennen Sie es nicht so. Denn Fußballexperten (und solche, die für welche gehalten werden wollen) sprechen hier grundsätzlich von "Standardsituationen". Und sagen dann Sätze wie: "Bei Standards ist dieses Team immer stark/ schwach/unsicher", inklusive der Nachbemerkung, wonach für den Standard natürlich ein "Standardspezialist" innerhalb der Mannschaft zuständig ist. Man Standardsituationen trainieren müsse, und Spiele heute angesichts der herrschenden Leistungsdichte "leider immer öfter durch Standards entschieden werden." Was sofort überleitet zur hitzig diskutierten Frage nach dem...

...System:

Ein erklärt an einer Tafel Fußballtaktik (Foto: dpa)

Taktik will gelernt sein

Das Spielsystem im Fußball wird stets per Zahlenreihe erörtert. Am liebsten in Dreierkombination, manchmal auch in Viererkombination (dann aber bitte mit dem Hinweis: "Stoßstürmer vorn"). Wer sich hier keine Blöße geben will, sollte bei der Zahlen-Nennung möglichst keine Miene verziehen und todernst behaupten: "4-4-2". Oder "4-3-3", Oder "4-2-3-1". Noch beeindruckender wirkt es, wenn man während eines Spiel einen "Systemwechsel" erkennt – und zum Beispiel meint: "Schon erstaunlich, wie schnell das Team jetzt von 4-4-2 auf 4-2-3-1 umgestellt hat!" Fremde Zweifel an der eigenen Fußball-Kompetenz sind nach einem solchen Satz in der Regel nicht mehr zu erwarten. Man sollte allerdings strikt darauf achten, dass die angegebenen Zahlenreihen in der Summe nie mehr als "10" ergeben. Jede andere Mannschaftsaufstellung wäre ungefähr so gewagt wie für einen Fußballspieler ein.....

...Übersteiger:

Nach wie vor die beliebteste, aber auch ineffektivste Dribbel-Technik, die in 99,9 Prozent der Fälle zu sofortigem Ballverlust führt und darüber hinaus auch noch gesundheitlich hoch riskant ist. Denn beim Übersteiger tritt der Spieler mehrmals ganz schnell über den Ball und stolpert dabei fast immer zwangsläufig über seine eigenen Beine. Was man im Fernsehen allerdings nie sieht, weil die Kamera dann immer sofort dezent wegschwenkt. Dessen ungeachtet probieren vor allem Stürmer seit Jahrzehnten immer wieder diesen Trick (und scheitern immer wieder daran.) Zuletzt erwischte es den holländischen Superstar Arjen Robben, für den ein missglückter Übersteiger im Testspiel gegen Ungarn das WM-Aus in Südafrika bedeutete. Fußballjournalisten werden trotzdem nicht müde, ihn mehrfach bewundernd in ihren Berichten zu erwähnen. Vielleicht, weil "Übersteiger" irgendwie so hübsch nach "Überflieger" klingt. Und damit natürlich viel glamouröser als die eigentlich viel effektivere....

Fußballspieler im Sonnenuntergang (Foto: dpa)

Zweierkette oder doch nur Zuschauer?

...Viererkette:

Sie hat zwar mit Fußballkunst denkbar wenig zu tun und ihr haftet auch eine gewisse Piefigkeit an. Doch die Viererkette gilt vor allem in Fußballnationen wie Deutschland, England, Italien, die traditionell eher Abwehr- als Angriffstugenden hochhalten, als unantastbar. Nur mit einer undurchlässigen Viererkette hinten, so hier die vorherrschende Meinung, kann man dem Ruf einer rackernd zerstörerischen "Turniermannschaft" gerecht werden und gegen die eleganter spielenden Fußball-Teams, vornehmlich aus Südamerika, bestehen. Die mögen vielleicht eher Künstler sein, doch Hauptsache: "Die Viererkette zeigte Moral." Das ist für den ungarischen Schriftsteller Peter Esterhazy "der schönste Satz in deutscher Sprache."

Autorin: Gisa Funck

Redaktion: Petra Lambeck