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Welt

Die wichtigste Nebenrolle der Welt

Michelle Obama und Cindy McCain - die Frauen an der Seite der beiden Präsidentschaftskandidaten stehen im Rampenlicht wie selten zwei Anwärterinnen auf das amerikanische Amt der First Lady zuvor.

Combo Cindy McCain und Michelle Obama (15.10.2008, Hempstead - New York - USA, Quelle: AP)

Stilsichere First Ladys in Spe: Cindy McCain und Michelle Obama

Seit Monaten begleiten sie ihre Männer durch den harten US-Wahlkampf. Immer topfit, immer gestylt, immer ein Lächeln auf den Lippen - immer da, wenn die Hauptakteure sie für einen Augenblick aus dem Hintergrund treten lassen: Michelle Obama und Cindy McCain sind zwei ausgesprochen starke Frauen - zwei Frauen allerdings auch, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Working Class Girl

Michelle und Barack Obama (28.8.08, Denver - USA, Quelle: AP)

Michelle Obama will mitreden

"Ich will ordentlich begrüßt werden", albert die große, sportliche Michelle Obama in einer Fernsehtalkshow. Das Arbeiterkind Michelle grüßt gern kumpelhaft von Faust zu Faust. Stolz verweist die heute 44-jährige Juristin immer wieder auf ihre Herkunft. "Ich bin im Süden Chicagos groß geworden. Mein Vater war ein hart schuftender Arbeiter. Weil er sein Leben lang Schichtarbeit machen musste, hat er dafür gesorgt, dass mein Bruder und ich nach Princeton kamen."

Die Eliteunis Princeton und Harvard und schließlich eine renommierte Anwaltskanzlei in Chicago sind prägende Stationen im Leben des Working Class Girls. Die ehrgeizige Michelle wird eine erfolgreiche Juristin und schließlich Mentorin ihres späteren Mannes: dem Anwalts-Praktikanten Barack Obama. Die aparte, 1.80m große Frau ist vor allem eins: Kämpferin gegen Rassenschranken - das ist schon Thema ihrer Examensarbeit gewesen.

Tochter eines Biermagnaten

Kein Thema dagegen für Cindy McCain, die zehn Jahre vor Michelle geboren wird - als Tochter eines Biermagnaten in Arizona. "Mein Vater war ein echter Gentleman des Westens. Mit ein paar Dollar in der Tasche, starkem Rücken und Unternehmergeist schuf er ein gutes Leben für seine Familie", erzählt Cindy McCain gern mit betont sanfter Stimme. Die zierlich-elegante Frau hat vom Reichtum ihres Vaters profitiert: Er hinterließ der studierten Sonderschul-Pädagogin eine der größten Biervertriebsfirmen in den USA und machte sie damit zu einer der reichsten Frauen Amerikas. Auf 100 Millionen Dollar wird ihr Vermögen geschätzt.

Den weitaus ärmeren und 18 Jahre älteren John McCain trifft sie auf einer Cocktailparty auf Hawaii. Die blonde Frau mit den stahlblauen Augen fügt sich schnell in die klassische Rolle der Offiziers- und später Politiker-Frau. Es heißt: Sie habe ihm die Tür nach Washington durch ihr Geld und ihre Kontakte geöffnet. Cindy bleibt in Phoenix und zieht die vier Kinder groß, darunter ein adoptiertes Mädchen aus Bangladesch. Sie übersteht eine Tablettensucht und einen Schlaganfall, engagiert sich in vielen Hilfsorganisationen und reist für sie um die Welt.

Familie und Vaterland

Cindy und John McCain (8.1.08, Nashua, N.H., USA, Quelle: AP)

Cindy McCain will im Hintergrund bleiben

Zentrum ihres Lebens aber bleibt die Familie. Ein Wert, der für die 54-Jährige mindestens so groß geschrieben wird wie Patriotismus. "Ich möchte einen Präsidenten und Armeechef, der weiß was es heißt, junge Männer und Frauen in den Krieg zu schicken. Vor allem aber: der sie siegreich und würdevoll nach Hause zurückbringt", sagt Cindy McCain.

Michelle Obama setzt auch auf ihre Familie, jedoch mit anderen Prioritäten. Ihre zwei kleinen Töchter sollen es leichter haben als sie: Sie sollen in einer modernen Gesellschaft groß werden - jenseits von alten Rollenmodellen. Sie werde stets eine "Working Mom" bleiben, eine arbeitende Mutter, betont Michelle. Als feststeht, dass ihr Mann als erster Afro-Amerikaner US-Präsidentschaftskandidat ist, erklärt sie, nun sei sie zum ersten Mal stolz auf ihr Land. Für Cindy McCain ein Affront, den sie gleich beim nächsten Wahlkampf-Auftritt zur Sprache bringt: "Ich bin sehr stolz auf mein Land", geht sie vor ihrem Publikum förmlich aus sich heraus. "Ich weiß nicht, wie es Ihnen ging, als sie diese Worte (von Michelle Obama) gehört haben."

Klassische Hintergrundrolle für Cindy McCain

Derart klare Worte lässt Cindy selten in der Öffentlichkeit hören. Sie sieht sich in der klassisch-konservativen Hintergrund-Rolle, sollte sie First Lady werden. So ließ sie in einem Fernsehinterview wissen: "Ich werde mich nicht aktiv in der Politik einer McCain-Regierung engagieren. Aber mein Mann und ich reden und ich sehe mich als diejenige, die immer ein offenes Ohr für seine Gedanken hat."

Michelle Obama will mitreden

Die eine will zuhören, die andere mitreden. Michelle Obama gibt gerne zu, dass es ihr schwer fällt, Dinge unkommentiert zu lassen. Bei Medienauftritten zeichnet sie sich durch enorme Schlagfertigkeit und viel Humor aus Auch als First Lady sieht sie sich nicht zum Schweigen verdammt. "Ich denke, wenn ich eine Stimme habe, um meinem Mann klar zu machen, welche Probleme Familien in diesem Land haben, wo sie stehen, dann bin ich auf dem richtigen Weg", sagt sie.

Handshake Snub

Die Wege der beiden möglichen First Ladies kreuzen sich nicht oft. Obgleich Amerikas Modeexperten bereits jubeln, dass - so oder so - nach einer langen Dürre endlich wieder Eleganz ins Weiße Haus ziehen wird, haben Cindy und Michelle gen Ende der monatelangen Wahlkampfphase offensichtlich immer weniger miteinander gemein. Nach einer Fernsehdebatte der Kandidaten McCain und Obama in Nashville gaben sie sich vor laufenden Kameras nicht einmal mehr die Hand. Der "handshake snub" beherrschte noch lange die amerikanischen Medien.

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