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Kultur

Die Werbung spricht wieder Deutsch

Lange haben deutsche Werber versucht, mit schlechtem Englisch Kunden anzulocken. Jetzt geht der Trend zurück zur Muttersprache und weg vom merkwürdigen "Denglish". Endlich – findet der Amerikaner Marc Young.

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Schluss mit "denglishen" Werbetexten

Anders als die Franzosen, die sich streng gegen die Invasion der englischen Wörter schützen, haben die Deutschen in den vergangenen Jahren mit sorgloser Hemmungslosigkeit englische Wörter und Redewendungen in ihre Sprache aufgenommen. Entstanden ist das ziemlich dämliche "Denglish" (Deutsch + English), was sich bei vielen Deutschen leider viel zu großer Beliebtheit erfreute.

Updaten und chatten

Ein Mobiltelefon "Handy" zu nennen, oder ins Internet zu gehen, um mit Freunden zu "chatten", ist natürlich noch harmlos. Problematisch wird es, wenn englische Wörter benutzt werden, wo es eigentlich vernünftige deutsche Alternativen gibt. So besteht zum Beispiel überhaupt keine Notwendigkeit, das englische Wort "updaten" zu verwenden, wenn "aktualisieren" völlig in Ordnung ist.

Unnötige Verwirrung

Noch viel schlimmer als pseudo-wichtige Leute, die ihre Sprache mit unnötigen Anglizismen würzen, sind aber Unternehmen, die diese nervende Angewohnheit übernehmen. So wurde die Deutsche Telekom ein Mal ganz zu Recht attackiert, als sie auf Telefonrechnungen Inlandstelefonate als "City Calls" auswies. Denn natürlich wussten 86-jährige Omas im tiefsten Bayern mit diesem Posten nichts anzufangen.

Zum Glück haben große Werbeagenturen jetzt aber offensichtlich eingesehen, dass die große Mehrheit der Teutonen echte Probleme hat, die häufig ungeschickten englischen Werbeversuche zu verstehen. Und irgendein Marketing-Guru hat dankenswerter Weise erkannt, dass es keine gute Marketingstrategie ist, Verwirrung zu stiften. Besonders nicht in einem Land, das von einem schlechten Klima im Einzelhandel und in der Werbe-Branche geplagt wird.

Trendwende

Das Marktforschungsunternehmen Dialogo fand vor kurzem heraus, dass die sieben bekanntesten Werbesprüche deutscher Firmen – vielleicht außer für deutsche Werber kaum überraschend – auf Deutsch waren. Ob allein diese Studie ausreichte, um die Alarmglocken der Texter von Hamburg bis München läuten zu lassen? Wir wissen es nicht. Der Trend zurück zum Deutschen ist auf jeden Fall unbestreitbar.

Klare Versprechen

Douglas steigert Umsatz

'Come in and find out': verwirrende Werbung bei Douglas

Die jüngste Bekehrung zur guten alten deutschen Sprache erfuhr die Parfümeriekette Douglas. Vielleicht wegen des Englisch klingenden Namens hatte Douglas die Kunden jahrelang mit dem Slogan "Come in and find out" verwirrt. Leider dachten viele Deutsche, die Duftverkäufer würden sie motivieren, rein zu kommen, um dann wieder den Weg nach draußen zu finden. Mit "Douglas macht das Leben schöner" wirbt das Duft-Unternehmen jetzt mit einem eindeutigen Versprechen.

McDonald's liebt's deutsch

Douglas’ Rückzug vom Englischen zurück zur Muttersprache folgt dem Beispiel anderer großer deutscher Unternehmen wie der Lufthansa, dem Stromversorger RWE und dem Fernsehsender SAT1, der früher behauptete, er sei "powered by emotions". Was viele Deutsche aber an eine direkte Übersetzung des Erholungsspruches der Nationalsozialisten "Kraft durch Freude" erinnerte.

Komischerweise war es das ur-amerikanische McDonald’s, das die Bewegung zurück zur deutschen Sprache anführte. Die Hamburger-Kette verwarf ihren Slogan "Every Time a Good Time" und wirbt jetzt stattdessen mit "Ich liebe es". Ganz sicher lieben werden das alle Denglish-Gegner.

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