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Welt

Die "Weltwasserwoche" in Stockholm

Nahrungsmittel, Energie, Industrie – ohne Wasser geht gar nichts. Auf der Weltwasserwoche in Stockholm stellen sich Experten der Herausforderung, eine wachsende Weltbevölkerung mit unserem kostbarsten Gut zu versorgen.

Hände unter einem Wasserstrahl auf blauem Hintergrund (Foto: DPA)

Bis zum Jahr 2050 wird die Erdbevölkerung nach Schätzungen der Vereinten Nationen auf neun Milliarden anwachsen. All diese Menschen  müssen mit Wasser versorgt werden. Dabei steht schon jetzt immer weniger Wasser zur Verfügung. Seit über 20 Jahren lädt das "Stockholm International Water Institute" Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft aus Industrie- und Entwicklungsländern zum spätsommerlichen Forum, um Lösungen für die Wasserprobleme der Welt zu suchen. In diesem Jahr geht es insbesondere um die zunehmenden Versorgungsprobleme der schnell wachsenden Großstädte.

Ungleiche Verteilung, übermäßig hoher Verbrauch

Professor Laszlo Somlyody von der Budapester Universität für Technologie und Wirtschaft ist ehemaliger Präsident der "International Water Association". "Global gesehen, nimmt das zur Verfügung stehende Wasser pro Kopf ab", erklärt er, und das sei ein ernsthaftes Problem. "Schätzungsweise 50 Prozent des verfügbaren, regenerativen Wassers werden gewonnen und verbraucht. Das ist eine sehr hohe Ausbeutungsquote."

A UNAMID handout image dated 18 October 2010 and made available 19 October 2010 showing a refugee boy at one of the two water points in the whole IDP camp at the Shaddad IDP Camp, Sudan. Almost 45,000 people live in this IDP Camp from different tribes (Fur, Zagawa, Tunjuru, Mima, Tama, Arabs). The lack of food and water is the main concern. EPA/ALBERT GONZALEZ FARRAN/HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Viele Menschen haben keinen Zugang zu Trinkwasser

"Auf der Erde ist theoretisch reichlich Wasser vorhanden. Es ist aber ungleich verteilt und das in mehreren Hinsichten", erläutert der international anerkannte ungarische Experte. Manche Regionen hätten viel Wasser, andere viel zu wenig.

Wasserknappheit herrscht etwa in Regionen wie Nordafrika, Israel oder Jordanien. In vielen Ländern aber beruhe das Problem auf wirtschaftlichen Faktoren, also auf Geldmangel und einer schwachen Wirtschaft, so Somlyody.

Das trifft  meistens auf die Entwicklungsländer zu, wo Schätzungen zufolge eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Weitere 2,4 Milliarden haben keine sanitären Anlagen. Zu diesen bereits sehr ernsthaften Problemen kommen dann Dürren, Überflutungen, Extremwetterereignisse und grenzüberschreitende Wasserprobleme hinzu.

Keine Nische nur für Experten

Einst gehörte das Thema Wasser in eine eigene Nische. Aus heutiger Sicht können die Probleme der Wasserversorgung und der Abwasserbeseitigung aber nicht isoliert betrachtet werden, da sind sich die meisten Experten einig. Die Landwirtschaft und die Industrie beispielsweise konkurrieren um die Ressource Wasser. Politische, wirtschaftliche und soziale Wechselwirkungen spielen alle eine Rolle, so dass eine Zusammenarbeit zwischen vielen Bereichen und Beteiligten vonnöten ist.

Auch der EU-Kommissar für Umwelt, Janez Potocnik, betonte im Gespräch mit der Deutschen Welle die Notwendigkeit eines vernetzten Handelns. "Wenn Sie überlegen, welche Bereiche sich am stärksten auf die Umwelt und die Gesundheit auswirken, kommen Sie schnell auf Energie, Transport und Nahrungsmittel. Und Wasser hat mit all diesen Bereichen zu tun. In den südlichen Ländern Europas werden mehr als 80 Prozent des Wassers in der Landwirtschaft eingesetzt. Wasser gehört also auch zu dieser Thematik." Und der EU-Kommissar ist sich sicher, dass diese Thematik eine der wichtigsten Angelegenheit sein wird, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten angegangen werden muss.

Zusammenarbeit statt Trennung

ADVANCE FOR SATURDAY, JULY 21--Irrigation pipes water farmland as a brush fire burns drought striken brush in the background Thursday, July 19, 2001 near Herriman, Utah. The arid West has always suffered from a lack of water, relying on an extensive and complex system of distributing the precious resource. (AP Photo/Douglas C. Pizac)

Ohne Wasser keine Landwirtschaft

Potocnik plädiert für einen interdisziplinären Ansatz in der Politik auf allen Ebenen. So müsse beispielsweise der Bereich Umwelt in Diskussionen über Landwirtschafts- oder Energiepolitik eingebunden werden: "Für unser komplexes Leben muss die Politik komplex agieren und die Zusammenhänge in unserem Leben reflektieren", so Potocnik. Das sei auch in der Vergangenheit eines der Hauptprobleme gewesen, denn jeder habe versucht, seine langfristigen  Interessen zu maximieren. Wasserverschmutzung durch Landwirtschaft oder die Ableitung von Industrieabwässern in Flüsse sind nur einige Beispiele.

Faire Preise, garantierter Zugang

Jacqueline McGlade ist geschäftsführende Direktorin der Europäischen Umweltagentur. In Zukunft, sagt sie, werde der Preis für Nahrungsmittel, Energie oder industrielle Produkte auch die Kosten für den Einsatz von Wasser bei der Produktion berücksichtigen müssen. Die Diskussion um den Wasserverbrauch, der anfällt, um im Zeitalter der Globalisierung Produkte für Industrieländer herzustellen, vergleicht sie mit der Debatte um die Reduzierung von Treibhausgasen.

"Wir müssen damit zu recht kommen, dass unser wirtschaftliches Wachstum darauf basierte, dass wir in Europa Bäume gefällt haben. Jetzt wollen wir andere Kontinente davon abhalten, ihre eigenen Wälder ebenfalls abzuholzen. Genauso ist es mit dem Wasser. Wir importieren Reis aus ganz Südostasien. Das verbraucht Wasserressourcen, und wir müssen uns fragen, ob der Preis, den wir zahlen, dafür angemessen ist." Über den Preis werde man die globale Wasserversorgung allerdings nicht sicherstellen können, sagt McGlade..

Nur etwa 30 Prozent der Bevölkerung Kabuls - also rund eine Million Menschen - haben im Moment Zugang zum Trinkwasser. Das Stadtnetz sei rudimentär. Viele der Brunnen, aus denen die Menschen ihr Wasser holen, seien nicht tief genug angelegt. Das Wasser sei daher oft verunreinigt und schädlich, sagt die KFW Entwicklungsbank am 15.08.2011 (epd). Die Bilder hat uns unser Korrespondent Sayed Amin Behrad aus Kabul geschickt. Alle Rechte gehören der DW.

In der afghanischen Hauptstadt Kabul haben nur 30% der Bevölkerung Zugang zum Trinkwasser

Man müsse auch an die ethische Dimension denken. Menschen bräuchten Wasser, um zu leben. Wasser sei ein öffentliches Gut, und ein fairer Zugang müsse gewährleistet seinStoff genug für anregende Diskussionen zwischen den erwarteten 2500 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, die auf Einladung des Stockholm International Water Institute (SIWI)  vom 21.-27. August 2011 in der schwedischen Hauptstadt tagen werden.

 

Autorin: Irene Quaile
Redaktion: Gudrun Heise

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