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Politik

Die Weltmacht und der Widerstand

Die Verhaftung Saddam Husseins wurde in den USA als schwerer Schlag gegen den Widerstand im Irak gefeiert. Doch zog der Ex-Diktator wirklich noch die Fäden? Wer sonst führt den Kampf gegen die Besatzer?

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Keine Ende in Sicht: Anschläge auf US-Truppen im Irak

General John Abizaid, Chef des U.S. Central Command, gibt sich in diesen Tagen gelassen und einigermaßen zuversichtlich, dass die Festnahme Saddam Husseins nun doch die Suche nach den Hintermännern der Anschläge und Überfälle leichter werde. Entgegen bisherigen Angaben aus amerikanischen Armeekreisen meint Abizaid, dass es sich bei den Angreifern in erster Linie nicht um ausländische Terroristen oder "Söldner" handle, sondern um Iraker selbst.

In den letzten Wochen glauben die Amerikaner auch deutlicher erkannt zu haben, wer diese Leute sind: Sie stammten aus der mittleren Befehlsebene des zerschlagenen "Ba'ath"-Regimes, um Leute also, die ihre bisherigen Verbindungen und Loyalitäten weiter aufrecht erhalten haben und die sich Hoffnungen machten, eines Tages doch wieder an die Macht zurückkehren zu können. Eine Hoffnung, die mit der Gefangennahme Saddam Husseins um einiges reduziert, wenn nicht gänzlich zerstört wurde.

Aussichtsloser Kampf

Die Rolle Saddams im Widerstand - den die Amerikaner "Aufstand" nennen - dürfte nur sehr begrenzt gewesen sein. Schon allein, um den Ex-Diktator besser vor seinen amerikanischen Verfolgern zu schützen. Saddam hatte aber doch noch ausreichend Getreue, die - aus Überzeugung oder Opportunismus - zu ihm hielten und glaubten, einen Kampf führen zu müssen, den sie nie würden gewinnen können.

John Abizaid

General John Abizaid, Chef des U.S. Central Command

General Abizaid (Foto) schätzt die Zahl der in diesen Kampf verwickelten Männer auf knapp 5.000 und er bedauert, dass man auf amerikanischer Seite zu viel Zeit vertan habe, weil man zu wenig über diese Kämpfer gewusst und in Erfahrung gebracht habe. Sonst hätte man schon viel früher wirkungsvoll gegen sie vorgehen können. Inzwischen habe sich die Taktik der US-Truppen und ihrer Geheimdienste aber geändert und die jüngsten Erfolge sprächen für sich: Man habe Dutzende von Organisatoren des Widerstandes festgenommen - einer davon dürfte Saddam "verpfiffen" haben - und man wisse heute viel mehr als noch vor einigen Monaten.

Vielfältige Motivation - aber nur ein Feind

Der Widerstand rekrutiert sich aber nicht nur aus den Reihen des alten Regimes. Dies mögen die am besten organisierten Trupps und Gruppen sein, sie sind aufgrund ihrer Befehlsstruktur aber - mit einigem Geschick der Fahnder - auch am leichtesten zu entlarven und auszuschalten. Schwieriger ist und bleibt das bei den Gruppen, die sich ad hoc gebildet haben und deren Motivation sehr unterschiedlicher Natur ist.

Da gibt es Sunniten, die sich - obwohl nicht Vertreter des alten Regimes - ausrechnen, dass ihre traditionelle Vormachtstellung ein für allemal beendet ist, weil die Schiiten die Mehrheit der Bevölkerung stellen. Diese Schiiten hingegen verhalten sich aus demselben Grund bisher sehr ruhig, weil sie wissen, dass sie um die Macht im Staat nicht zu kämpfen brauchen. Da gibt es Angehörige der ehemaligen Streitkräfte, die heute arbeitslos sind und ihrem Frust durch Anschläge Luft machen. Da gibt es Iraker, die wütend und verärgert sind über das nicht selten durch Ignoranz und Arroganz geprägte - Vorgehen der US-Truppen. Und da gibt es sicher auch jene "ausländischen Terroristen", von denen Washington in letzter Zeit so oft sprach, ohne jedoch klare Beweise für deren Existenz liefern zu können.

Seit dem Zusammenbruch des Saddam-Regimes und bevor eine neue Ordnung entstehen kann, ist der Irak zum Anziehungspunkt für Polit-Terroristen der verschiedensten Couleur geworden, die hier "auf eigene Kasse" und nach eigenem Gutdünken den einen großen Feind bekämpfen können, auf den sie alle gemeinsam mit dem Finger zeigen: die USA.

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