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Kultur

Die Weltformel des Herrn Küng

Der Theologe Hans Küng wurde mit dem diesjährigen Göttinger Friedenspreis ausgezeichnet: Als Anerkennung für seine Stiftung "Weltethos" und seinen Beitrag zum Weltfrieden. Ein DW-WORLD-Interview.

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Ein streitbarer Theologe

Die theologische Karriere des Tübinger Professors Hans Küng begann in Rom. Dort nahm er 1948 als Zwanzigjähriger das Studium an der Päpstlichen Universität Gregoriana auf. 1954 wurde er zum Priester geweiht. Seine Abschlussarbeit löste in Rom Irritationen aus, weil sie sich gegen "festgefahrene Strukturen" in der katholischen Kirche richtete. Nur die Fürsprache hoher geistlicher Würdenträger verhinderte, dass Küngs erste große wissenschaftliche Veröffentlichung auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt wurde. 1979 wurde ihm die kirchliche Lehrbefugnis entzogen. 1990 entwickelte er das "Projekt Weltethos", dessen Präsident er ist.

Welches Ziel hat das "Projekt Weltethos"?

Kein Friede unter den Nationen ohne Frieden unter den Religionen. Kein Friede unter den Religionen ohne Dialog zwischen den Religionen. Kein Dialog zwischen den Religionen ohne globale ethische Standards. Kein Überleben unseres Globus in Frieden und Gerechtigkeit ohne ein neues Paradigma internationaler Beziehungen auf der Grundlage globaler ethischer Standards.

Werden Ergebnisse des Projekts in die Praxis umgesetzt?

Bildungsveranstaltungen verschiedenster Art, in Zusammenarbeit mit säkularen wie religiösen Trägern bilden einen wesentlichen Bereich der alltäglichen Arbeit unserer Stiftung. Ein zentrales Arbeitsfeld stellt dabei das Schulwesen dar, für das mit Hilfe der Stiftung Weltethos immer mehr Unterrichtsmaterialien für alle Schularten bereitgestellt werden. Wir konzentrieren uns jetzt vorwiegend auf Fortbildungen für Lehrkräfte als Multiplikatoren. Wichtig ist dabei die Rolle der Medien: Das allgemeine Publikum erreicht die Stiftung vor allem durch die vielfältigen Materialien, die in den letzten Jahren erarbeitet wurden.

Das Multimedia-Projekt "Spurensuche" über die Weltreligionen verschafft uns Eingang in zahllose Schulen, Gemeinden, Gruppen. Auf der Grundlage der "Spurensuche" wurde die Ausstellung "Weltreligionen – Weltfrieden – Weltethos" geschaffen. Sie wandert durch Deutschland, die Schweiz und Österreich. Englische Versionen werden in Großbritannien und den USA (UN-Hauptquartier, IWF, Universitäten etc.) gezeigt. Die Poster-Version und die Begleitbroschüren der Ausstellung sind ein wahrer Verkaufsschlager geworden.

Inwieweit, glauben Sie, ist ein globaler Ethosgedanke in einer individualistischen Welt realisierbar?

Das Weltethos ist sowohl personen- wie institutionenorientiert. Seine Realisierung hat schon längst begonnen, von oben (den internationalen Organisationen) wie von unten (den Familien und Schulen) her. Mit allen uns heute zur Verfügung stehenden Mitteln muß ein Bewußtseinswandel herbeigeführt werden, der schon lange vor den großen Katastrophen – Terrorangriff auf World Trade Center und Amoklauf von Erfurt – eingesetzt hat: Dieser Bewußtseinswandel, der in den Bereichen Frieden und Abrüstung, Ökonomie und Ökologie und Partnerschaft von Mann und Frau bereits Realität geworden ist, muß sich auch auf die allgemeinen ethischen Normen erstrecken. Diese bilden übrigens die Voraussetzung für die Realisierung aller anderen Anliegen.

Welche Auswirkungen hatten die Terroranschläge vom 11. September auf das "Projekt Weltethos"?

Viele Menschen sind erst dadurch aufmerksam geworden, dass es sich bei diesem Projekt nicht nur um eine rein akademische Diskussion und Vision handelt, sondern um ein weltpolitisches Projekt von höchster Dringlichkeit. Die von Kofi Annan eingesetzte Gruppe von "Eminent Persons" hatte schon längst vor dem 11. September viele Ideen von Projekt Weltethos aufgenommen. Aber als wir unseren Bericht im November 2001 Kofi Annan und der UN-Vollversammlung im Kontext der Debatte über den "Dialog der Kulturen" präsentierten, geschah dies angesichts von "Ground Zero" in Manhattan. Von den vielen nationalen Delegationen, die sich in der Vollversammlung zu Worte gemeldet haben, haben sich alle gegen einen Zusammenprall und für einen Dialog der Kulturen ausgesprochen.

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