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Aktuell Welt

Die Welt wird immer kriegerischer

Heidelberger Konfliktforscher haben die gewaltsamsten Konflikte auf der Welt gezählt und kommen zu einem erschreckenden Ergebnis: Die Zahl der Kriege hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdreifacht.

Eine Tendenz hin zu einer friedlicheren Welt könne bei weitem nicht erkannt werden, sagte Natalie Hoffmann vom Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK). Stattdessen sei die Zahl der Kriege in aller Welt im vergangenen Jahr auf den höchsten Stand seit 1945 gestiegen: 2011 zählten die Wissenschaftler 20 Kriege und 166 "gewaltsam ausgetragene Konflikte"; 2010 waren es noch sechs Kriege und 161 gewaltsame Konflikte. Und in den kommenden Monaten rechnet das Institut weltweit mit einem weiteren Anstieg.


Das vom HIIK seit 1991 jährlich erarbeitete Konfliktbarometer soll einen Überblick über Krisen, Konflikte und Kriege weltweit verschaffen.

Zumeist innerstaatliche Konflikte mit tausenden Toten

Zu den Konflikten, die im vergangenen Jahr zu Kriegen eskalierten, zählt das Institut auch die Auseinandersetzungen im Jemen, in Libyen und in Syrien. Wie im Vorjahr stufte das HIIK unter anderem die Offensiven des pakistanischen Militärs gegen die Taliban als Krieg ein, ebenso die Kämpfe zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban und die Gewalt im Irak. In allen Fällen starben tausende von Menschen. Folgerichtig werten die Forscher auch die Auseinandersetzungen in Mexiko zwischen Drogenkartellen und der Regierung als Krieg.

ARCHIV - Libysche Rebellen schauen sich am 25.05.2011 ein bei Kämpfen zerstärtes Auto in Misrata an. Die Wunden, die der Krieg geschlagen hat, sind noch nicht verheilt. Trotzdem herrscht Aufbruchstimmung in Libyen - ein Jahr nach dem Beginn des Aufstandes gegen Gaddafi erfindet sich ein Volk neu. Foto: MISSAM SALEH dpa (zu dpa-KORR.: «Libyen ein Jahr danach - Ein Volk erfindet sich neu» vom 12.02.2012) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Auch der "arabische Frühling" sorgte für neue Kriegsschauplätze

In den meisten Fällen ging es demnach um innerstaatliche Konflikte. Von solchen Auseinandersetzungen seien besonders die Regionen Vorderer und Mittlerer Osten und Afrika betroffen, sagte Institutsvorstand Christoph Trinn: "Hier sehen wir hohes Potenzial für weitere Eskalationen". Drei neue, schnell entstandene Kriege im Zusammenhang mit dem "arabischen Frühling" in Jemen, Syrien und Libyen kamen 2011 hinzu. Bereits seit längerem bestehende Auseinandersetzungen in Nigeria eskalierten ebenso wie die Konflikte im Sudan.

Der Kaukasus ist Europas Unruheherd

Europas größtes Konfliktgebiet ist nach HIIK-Einschätzung die Kaukasus-Region. Dort verortet das Institut insgesamt 19 Konflikte und einen "begrenzten Krieg". Als einziger zwischenstaatlicher Konflikt Europas wird die Auseinandersetzung zwischen Armenien und Aserbeidschan bewertet.

rb/wl (afp, dpa, epd, kann)