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Sport

Die Welt verneigt sich vor Muhammad Ali

Muhammad Ali, der größte Boxer aller Zeiten, ist im Alter von 74 Jahren an der Parkinson-Krankheit gestorben. Prominente aus aller Welt würdigen die Verdienste der Boxlegende, auch außerhalb des Rings.

Muhammad Ali (l.) 1975 im Thrilla von Manila gegen Joe Frazier. Foto: dpa-pa

Muhammad Ali (l.) 1975 im "Thrilla von Manila" gegen Joe Frazier

"Nach einem 32 Jahre langen Kampf mit der Parkinson-Krankheit ist Muhammad Ali von uns gegangen", teilte Bob Gunnell, der Sprecher des früheren Boxweltmeisters mit. Ali verstarb am Freitagabend in einem Krankenhaus der US-Stadt Phoenix, in das er am Tag zuvor mit Atemproblemen eingeliefert worden war. Der dreimalige Weltmeister aller Klassen litt seit 1984 an Parkinson. "Er hat seine letzten Stunden im engsten Familienkreis verbracht", sagte Gunnell. "Er hat nicht gelitten." Todesursache sei letztlich ein septischer Schock gewesen. Die Komplikationen seien auf die jahrzehntelange Parkison-Erkrankung zurückzuführen. Muhammad Ali wird nach den Worten Gunnells am Freitag kommender Woche in seiner Heimatstadt Louisville im US-Bundesstaat Kentucky beigesetzt. Einer der Trauerredner bei der öffentlichen Zeremonie werde der frühere US-Präsident Bill Clinton sein. Vorher soll es einen Trauerzug durch die Stadt geben.

"Ein bescheidener Riese"

Sportliche Weggefährten, Politiker und andere Prominente aus aller Welt würdigten den Verstorbenen. "Er war ein überragender Champion, der für das kämpfte, was richtig war", sagte US-Präsident Barack Obama mit Blick auf Alis Kampf für die Gleichberechtigung der Afroamerikaner: "Sein Kampf außerhalb des Rings kostete ihn seinen Titel und seinen Ruf. Er brachte ihm viele Feinde und Verunglimpfungen ein, und beinahe wäre er im Gefängnis gelandet. Aber Ali stand seinen Mann. Sein Sieg hat uns geholfen, uns an das Amerika zu gewöhnen, das wir heute kennen." Alis Tochter Hana schrieb bei Twitter: "Unser Vater war ein bescheidener Riese. Und nun ist er heim zu Gott gegangen. Gott segne dich, Daddy. Du bist die Liebe meines Lebens."

Alis früherer Gegner George Foreman meldete sich via Twitter zu Wort: "Ali, Frazier und Foreman, wir waren wie ein Mann. Ein Teil von mir ist heute von uns gegangen, der großartigste Teil", schrieb Foreman, der 1974 in Kinshasa den "Rumble in the jungle", einen der berühmtesten Boxkämpfe der Geschichte, gegen Ali verloren hatte. Joe Frazier, mit dem sich Muhammad Ali ebenfalls denkwürdige Duelle geliefert hatte, war bereits 2011 gestorben. Box-Promoter Don King, ein langjährigen Wegbegleiter Alis, sagte, dessen Geist werde für immer leben: "Er repräsentierte das, was jeder Athlet anstrebt, den unbedingten Siegeswillen. Er war fabelhaft, ein großartiger Mensch ein Champion des Volkes."

Schweben wie ein Schmetterling, stechen wie eine Biene

IOC-Präsident Thomas Bach bezeichnete die Boxlegende als "echten Olympioniken: Er war ein Athlet, der sich für Frieden und Toleranz eingesetzt hat, ein Athlet, der die Herzen der Menschen rund um den Erdball berührt hat. Ein Athlet, der sich weit über den Sport hinaus engagierte". Er habe Ali als "ebenso stolzen wie bescheidenen Menschen kennengelernt, der mich inspiriert hat."

Vor seiner Profikarriere hatte Muhammad Ali, damals noch unter seinem Geburtsnamen Cassius Clay, bei den Olympischen Spielen in Rom 1960 Gold im Halbschwergewicht gewonnen. 1996 hatte der "Größte Boxer aller Zeiten", wie nicht nur er selbst sich bezeichnete, das Olympische Feuer der Spiele in Atlanta entzündet, schon damals schwer gezeichnet von der Parkinson-Krankheit. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wählte Ali 1999 zum Sportler des Jahrhunderts. Seinen oft kopierten, aber nie wieder erreichten tänzelnden Boxstil, den "Ali-Shuffle", beschrieb er selbst so: "Schwebe wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene!"

Titelverlust aus politischen Gründen

Während seiner Boxkarriere polarisierte Muhammad Ali, nicht nur wegen seiner großspurigen Auftritte auf und außerhalb des Rings, sondern auch wegen seines politischen Engagements. Als der Boxer den Wehrdienst verweigerte, verlor er 1967 seinen ersten WM-Titel, den er 1964 mit einem Sieg gegen Sonny Liston gewonnen und seitdem mehrfach verteidigt hatte. Erst 1970 durfte er wieder in den Ring steigen. Ali engagierte sich gegen den Vietnamkrieg und für die Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner. "Wenn Champions siegen, werden sie auf den Schultern von Menschen getragen. Wenn Muhammad Ali siegte, wurden wir auf seinen Schultern getragen", würdigte US-Bürgerrechtler Jesse Jackson die Verdienste Alis.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bezeichnete Ali als "Ikone der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung": "Muhammad Ali war ein Fighter - im Ring wie im Leben hat er nie aufgegeben." Er sei eine beeindruckende Persönlichkeit gewesen - "stolz, selbstbewusst, frei - immer auch politisch und oft polarisierend". Grünen-Parteichef Cem Özdemir schrieb auf Facebook: "Muhammad Ali steht für Menschenliebe, Mut und Aufrichtigkeit. Er war einer der bedeutendsten Menschen, die jemals gelebt haben." Auch die Fußballlegenden Pelé und Franz Beckenbauer äußerten sich zu Alis Tod. "Das Sport-Universum beklagt einen schweren Verlust". sagte Pelé. "Muhammad Ali war mein Freund, mein Idol, mein Held." Beckenbauer sprach von einem "sehr traurigen Tag": "The Greatest ist von uns gegangen."

sn/ck (alle Agenturen)

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