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Wirtschaft

Die Welt sucht zukünftige Einsteins in Afrika

Bundespräsident Horst Köhler hat Bundesländer und Kommunen zu mehr Partnerschaften mit Entwicklungsländern aufgerufen. Zudem schlug er die Gründung eines europäisch-afrikanischen Jugendwerks vor.

Bundespräsident Horst Köhler, aufgenommen am 12.05.2009 im Schloss Bellevue in Berlin während der Vorstellung der Kampagne 'Dein Tag für Afrika' (Foto: dpa)

Bundespräsident Köhler fordert mehr Partnerschaften mit Afrika (Archivbild)

"Wenn wir die Globalisierung gerechter gestalten wollen, dann müssen wir als Weltgemeinschaft handeln", sagte der Bundespräsident bei der Eröffnung der 2. Bonner Konferenz für Entwicklungspolitik am Donnerstag (27.08.2009). Nicht nur Regierungen müssten kooperieren, sondern auch Regionen, Kommunen und Zivilgesellschaften. "Wir brauchen Partnerschaft auf allen Ebenen."

Stephen Hawking (Foto: AP)

Stephen Hawking sucht weltweit nach Nachwuchswissenschaftlern

Ein europäisch-afrikanisches Jugendwerk zum Beispiel könne lernbegierigen jungen Afrikanern die Möglichkeit geben, ihr Wissen und ihre Erfahrungen in Europa zu vertiefen, sagte Köhler. Deutschland sollte sich für die Gründung einer solchen Institution einsetzen, um in großem Maßstab den Austausch junger Menschen zwischen Europa und Afrika zu ermöglichen, sagte Köhler. "Ich höre immer wieder gerade von lernbegierigen jungen Afrikanern, dass es zu wenige Möglichkeiten für sie gibt, ihr Wissen und ihre Erfahrungen in Europa zu vertiefen."

Dabei suche der weltbekannte Astrophysiker Stephen Hawking die "zukünftigen jungen Einsteins" längst auch in Afrika. Gegen die Warnung vor einer zu großen Abwanderung von Fachkräften aus Entwicklungsländern setzen junge Afrikaner laut Köhler den Wunsch, zirkulieren zu können. Sie wollten nicht etwa in Ghana eingesperrt sein, sondern die Möglichkeit haben, ins Ausland zu gehen und wieder heimzukehren.

Konzentration auf eine Region

Köhler verwies auf die positiven Erfahrungen von bestehenden Partnerschaften zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda sowie zwischen Nordrhein-Westfalen und Ghana. Dort gelinge es, die Bürger konkret für Entwicklungshilfeprojekte zu interessieren und persönliche Kontakte zu Menschen in den Ländern des Südens zu schaffen.

Zudem könnten Bundesländer und Kommunen ihre besonderen Stärken, beispielsweise beim Föderalismus oder der Stadtentwicklung, in solche Entwicklungs-Partnerschaften einbringen. Der Bundespräsident mahnte eine sinnvolle Arbeitsteilung bei solchen Entwicklungsprojekten an. Die Bundesländer könnten sich auf jeweils ein Land oder eine Region konzentrieren, mit der es Gemeinsamkeiten gebe. Zugleich müssten solche Projekte mit der Bundesebene koordiniert werden.

"Afrikawissenschaften stärken"

Kritik äußerte Köhler daran, dass in Deutschland immer mehr Lehrstühle für Entwicklungsländerforschung und Regionalwissenschaften abgebaut würden. "Das gilt besonders auch für die deutsche Afrikawissenschaft." Deutschland müsse aktiv zur Gestaltung der Globalisierung beitragen und bei der Entwicklungshilfe glaubwürdig sein. Dazu sei sowohl das Engagement des Einzelnen als auch von Wirtschaft, Wissenschaft, Ländern und Gemeinden notwendig.

Der Bundespräsident plädierte für den Austausch von Wissenschaftlern. "Wir brauchen das Mitmachen, die Kreativität und das Wissen auch Afrikas, wenn wir die globalen Entwicklungsprobleme wie die Bewältigung des Klimawandels, den Umgang mit Migration, die Nutzung natürlicher Ressourcen oder die Bekämpfung von Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose und Aids lösen wollen", sagte er.

Weniger Bürokratie durch direkte Partnerschaften

Die Ministerpräsidentin der südafrikanischen Provinz Western Cape, Helen Zille (Foto: dpa)

Die Ministerpräsidentin der südafrikanischen Provinz Western Cape, Helen Zille (Archivbild)

Unter dem Titel "Neue Impulse für die Entwicklungszusammenarbeit der Länder, Regionen und Kommunen" debattieren in Bonn rund 650 Politiker und Experten aus dem südlichen Afrika und Europa bis Freitag über die Zukunft der Entwicklungszusammenarbeit. Dabei geht es auch um die Frage, welche Aufgaben den Ländern, Regionen und Kommunen in der neuen Architektur der Entwicklungszusammenarbeit zukommen.

Der König des Ashanti-Reiches (Ghana), Otumfuo Nana Osei Tutu II., und die Ministerpräsidentin der südafrikanischen Provinz Western Cape, Helen Zille, betonten, dass Zusammenarbeit auf Regierungsebene nicht ausreiche, solle die Hilfe tatsächlich bei der Bevölkerung ankommen. Direkte Partnerschaften seien wichtig, um auch unnötige Bürokratie zu umgehen und bestehende Elite-Strukturen nicht zu festigen. (je/zd/kna/epd/dpa)

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