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Kultur

Die Welt im Ohr

Das angestaubt wirkende Hörspiel hat eine neue Fangemeinde gefunden. Junge Hippster entdecken das Verweilen wieder und widmen sich dem Zuhören - natürlich auf modernem Wege.

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Aus den Kindertagen der Hörspielkultur

Irgendwo klingelt ein Telefon. "Ich stehe am Bahnhof von Neapel, habe die Verfolgung der Person aufgenommen",
schnarrt eine Stimme. Im Stück "On the Tracks" vom Westdeutschen Rundfunk (WDR) werden die Hörer gleichzeitig zu Verfolgern und Verfolgten - nur ein Beispiel für den Reiz der neuen Hörspiele.

Unlängst noch als Relikt der fernsehlosen Nachkriegszeit gehandelt, ist das Genre heute Teil der Popkultur. Schon ist von einer "Renaissance des Kulturradios" die Rede, wie der ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen kürzlich in Köln verlauten ließ. Der neueste Trend: Hörspiele, die man - on-demand - aus dem Internet laden kann.

Zu faul zum Lesen oder eine neue Hörkultur?

Gerade junge Hörer unter 30 sind es, die die vertonten Krimis, Romane und Textcollagen der öffentlich-rechtlichen Sender einschalten - und die Fangemeinde wächst.

Produktionen wie "Die Welt der Mangas" oder "Gott ist ein DJ" treffen den Nerv der Zeit. Mit Hörspielen oder Lesungen junger Kult-Autoren wie Christoph Schlingensief, Jörg Buttgereit, Sybille Berg, Thomas Meinecke oder Feridun Zaimoglu wird Radiokultur jugendtauglich.

"Das Hörspiel gehört nicht mehr in den Kulturschutzpark", erklärt Hans Burkhard Schlichting, Chefdramaturg beim Südwestrundfunk (SWR). "Audiokultur spielt bei Jugendlichen eine große Rolle. In den Clubs ist es absolut hip, Hörspiel-Elemente in DJ-Sets einzublenden.

"Der Popsender Eins Live ist einer der Pioniere des jungen Hörspiels. Seit 1995 laufen dort zur besten Partyzeit in der Reihe "Lauschangriff" zwischen 23:05 und 24:00 Uhr Reportagen, Hörspiele oder Radiolesungen mit Musik von professionellen DJs - mit durchschnittlich 120.000 Hörern.

Vom Trend zum Megatrend?

So wie sich im Buchmarkt das Hörbuch zunehmend etabliert hat, so nehme auch die Begeisterung für live gesendete Hörspiele zu, bestätigt WDR-Hörspieldramaturgin Leslie Rosine: "Durch Sendeplätze wie bei Eins Live wächst das Interesse, aber auch die Themenauswahl und der Grenzbereich zur elektronischen Musik haben viel bewirkt". "Der Trend geht zum Hörspiel on demand", sagt auch Dramaturgin Rosine. Doch nur die wenigsten Sender bieten bereits einen solchen Service, beispielsweise über das Internet.

Das Internet ist nur ein Bereich, der sich dem Hörspiel angenommen hat. "Festivals, Performances, große Radioserien, die gleichzeitig als Hörspiel-Edition auf den Markt kommen", sind nach Einschätzung des Leiters der BR-Hörspielabteilung, Herbert Kapfer, die künftigen Trends. (dpa/kas)

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