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Alltagsdeutsch – Podcast

Die Welt des Fahrrads

Fahrrad fahren macht nicht nur Spaß, es hält auch fit. Das zweirädrige Vehikel entwickelte sich in den letzten Jahrhunderten vom eher gemütlichen Hochrad zu einem technisch hochwertigen Gefährt.

O-Ton:
"Es ist einfach schön, mit dem Fahrrad durch die Stadt zu fahren. Man bekommt mit, was links und rechts von einem los ist, man nimmt also die Umwelt ganz anders wahr, als wenn man in so 'nem Auto sitzt. Es ist 'nen schönes Erlebnis, insbesondere bei schönem Wetter, mit dem Fahrrad durch die Stadt zu fahren. Es ist einfach schön, Rad zu fahren."

Sprecherin:
Das Fahrrad: Ausflugsvehikel und Rennmaschine, verantwortlich für schöne Wochenendstunden im Kreis der Familie genauso wie für Höllenqualen. Wie kaum ein anderes Sportgerät hat vor allem in den letzten Jahren das Fahrrad Einzug in viele Bereiche des Alltags gehalten.

Sprecher:
Folgen Sie uns nun bei einem kleinen Streifzug durch die Welt der Sättel und Speichen, der verchromten Lenker und öligen Ketten.

Sprecherin:
Zwar soll schon Leonardo da Vinci um das Jahr 1500 die Skizze eines zweirädrigen Fortbewegungsmittels mit Kettenantrieb gezeichnet haben, es dauerte jedoch noch rund 300 Jahre, bis das Fahrrad verstärkt in das Alltagsleben der Menschen vordrang. 1817 konstruierte der badische Forstmeister und spätere Professor der Mechanik, Carl Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn, das erste lenkbare Laufrad, die so genannte Draisine.

Sprecher:
In den kommenden Jahrzehnten trat das Laufrad seinen Triumphzug um die Welt an. In England, Frankreich, Deutschland und den USA arbeiteten fahrradbegeisterte Konstrukteure ständig an Verbesserungen. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts verließen dann die ersten pedalgetriebenen Zweiräder die Tüftlerwerkstätten Europas. Der Fahrer beschleunigte das Gefährt mittels einer Tretkurbel am Vorderrad. Diese Vorderräder wurden in der Folgezeit immer größer, denn so konnte der Mann oder die Frau auf dem Sattel mit einer Pedalumdrehung eine längere Strecke zurücklegen.

Sprecherin:
Ein Fachmann auf dem Gebiet der Hoch- und Laufräder ist Alfred Baltus aus Solingen. Zu seiner Sammlung antiker Zweiräder gehören diverse Hochräder, alte Draisinen, die nicht nur schön anzuschauen sind, sondern – man höre und staune – mit einem geübten Fahrer auch ein ansehnliches Tempo erreichen können.

Alfred Baltus:
"Und in Leichlingen, da kam so 'n Mopedfahrer, überholte mich an der Seite links vorbei, da, und lachte sich kaputt. Ja, und dann kam er auf gleiche Höhe, und da erzähl ich mit ihm da. Und ich sage: Junge, ich kann dich auch mit 'nem Hochrad abhängen. Und da ich ja früher Straßenrennen gefahren bin, in jungen Jahren, da kennt man schon ein bisschen die Taktik auch von früher noch so her. Und auf einer gewissen Strecke, da ging es gerade so schön flach. Ich denk: Jetzt hängst du den Mopedfahrer mal ab. Da hab ich den Mopedfahrer abgehängt, so richtig mal einen draufgestocht, so pscht, pscht, los ging dat denn. Und nach ein paar hundert Metern, wie ich dann gewartet hatte, guckt der, hat der sich auch wieder kaputtgelacht, da war der platt gewesen, dass ich mit dem alten Hochrad den Mopedfahrer abgehängt hab."

Sprecher:
Als Alfred Baltus dem Mopedfahrer davon radelte, hat er, wie er sagt, so richtig einen draufgestocht. Gestocht heißt hier nichts anderes als schnell fahren. In der ursprünglichen Bedeutung meint stochen das Feuer schüren. Nur wenn beispielsweise bei einer Dampfmaschine das Feuer richtig gestocht ist, kann der Kessel genug Druck und die Maschine ausreichend Kraft produzieren. Der Fahrer hat mit seinem Hochrad, wie gehört, so richtig einen draufgestocht, das heißt, allen Druck seiner Muskelkraft auf die Pedale gelegt. Als Alfred Baltus dann den Mopedfahrer abgehängt hatte, war der platt, das heißt, er war von der Schnelligkeit des antiken Zweirades überrascht. Damit hatte er nicht gerechnet.

Sprecherin:
Ebenso wie heute, war auch im vergangenen Jahrhundert der Fahrradfahrer schneller am Ziel als ein Fußgänger. Und auf langen Strecken konnten gut trainierte Draisinenfahrer sogar einen Reiter abhängen. Doch spätestens mit der Entwicklung des Autos als Fortbewegungsmittel für breite Massen der Bevölkerung nahm die Bedeutung des Velozipedes als Verkehrsmittel ab. Erst im Zuge der Diskussion um die starke Umweltverschmutzung durch Autoabgase gewann seit den 80er Jahren das mit Muskelkraft bewegte Zweirad auch als Fortbewegungsmittel wieder an Bedeutung. Um die Schadstoffproduktion zu verringern, starteten Mitglieder der Partei "Die Grünen" in der Bürgervertretung der Stadt Wuppertal eine ganz besondere Aktion. Der Dienstwagenfuhrpark der Stadt sollte verringert und dadurch unter anderem auch ein Beitrag zur Verminderung der Schadstoffe in der Luft geleistet werden. Für kleinere Fahrten stehen den Beamten neben den Autos auch Dienstfahrräder zur Verfügung.

O-Ton:
"Also die Räder haben die Stadt nichts gekostet, weil das sind alles Räder, die in unserem Fundbüro abgegeben wurden und die nach einer gewissen Frist auch nicht dort abgeholt wurden, also Räder, die normalerweise versteigert werden. Es sind aber trotzdem sehr, sehr gute Räder, gute Mountain-Bikes."

Sprecher:
Das Wort Mountain-Bike, was eigentlich übersetzt soviel heißt wie Berg-Fahrrad, hat auch Einzug in die deutsche Sprache gehalten. Ein Mountain-Bike ist extrem geländetauglich. Der Rahmen ist verstärkt, die Reifen sind breit und haben ein tiefes Profil. Besonders wichtig ist die Kettenschaltung. Mindestens 18 Gänge ermöglichen eine Fahrt in fast jedem Gelände, ob bei matschigem Untergrund oder steilen Anstiegen.

Sprecherin:
Ein Mountain-Bike ist auch im Stadtverkehr von Vorteil. Die Schaltung macht es extrem wendig und flexibel. Diese Eigenschaften nutzt seit einigen Jahren auch eine ganz besondere Art von Radfahrern, die das Fahren in der Stadt zu ihrem Beruf gemacht haben. Die Rede ist von Fahrradkurieren, die mittlerweile zum gewohnten Stadtbild in Deutschland gehören. Der Vorteil gegenüber der motorisierten Konkurrenz ist, dass die Fahrradkuriere die kürzeste Strecke wählen und an jedem noch so großen Verkehrsstau vorbeiradeln können. Die per Muskelkraft transportierten Briefe oder Dokumente sind in der Regel schneller bei ihrem Empfänger, als wenn sie mit dem Wagen befördert worden wären. Doch wie in jedem Transportgewerbe gilt auch hier für den Fahrradkurier der Spruch: Zeit ist Geld. Da nimmt so mancher Fahrer es mit den Verkehrsregeln auch mal nicht ganz so genau.

Kester Poschke:
"Man darf natürlich nicht den ganzen Tag darüber nachdenken, was einem alles passieren könnte im Straßenverkehr, weil dann kommt man sicherlich nicht mehr schnell vorwärts. Es ergibt sich einfach aus der Situation, dass wir im Prinzip Subunternehmer sind und selbständig arbeiten, das heißt, es gibt kein festes Gehalt, sondern je mehr ich schaffe in der Zeit, desto mehr verdiene ich auch, und dadurch ergibt sich auch irgendwo das Problem, dass Verkehrsregeln missachtet werden und dass man natürlich auch ein kleines Risiko eingeht. Obwohl man in dem Moment sicherlich nicht darüber nachdenkt. Es gibt oft Punkte, wo man dann anschließend sagt: Oh, das war aber knapp jetzt! Bloß, dann ist die Situation im Prinzip schon vorbei, ne."

Sprecher:
Kester Poschke arbeitet als Subunternehmer. Die aus dem Lateinischen stammende Vorsilbe sub verweist auf den beruflichen Status von Kester Poschke, denn sub bedeutet soviel wie unter. Kester Poschke ist also ein Unternehmer unter dem eigentlichen Unternehmer. Was sich so kompliziert anhört, ist eigentlich ganz einfach. Der eigentliche Fahrradkurier-Unternehmer erhält die Aufträge und verteilt diese an seine Subunternehmer. Der Vorteil für den Besitzer des Kurierdienstes ist, dass die Subunternehmer für alles selbst verantwortlich sind, sich zum Beispiel selbst versichern oder aber auch selbst für die ordnungsgemäße Versteuerung ihres Einkommens sorgen müssen. Wird ein Subunternehmer krank, so ist das sein Problem, denn da er juristisch gesehen selbstständig ist, kann er nur verdienen, wenn er auch wirklich arbeitet. Für den eigentlichen Unternehmer ist dies billiger, denn er muss nicht wie für einen Angestellten den Lohn bei Krankheit weiterzahlen. Das Subunternehmer-Prinzip ist in einigen Wirtschaftsbranchen in Deutschland von Jahr zu Jahr immer häufiger anzutreffen.

Gustav Kilian:
"Also die 'Sechs Tage', ich sprech mal von früher, das war wie ein Gefängnis. Sie dürften die Halle nicht verlassen, sechs Tage und sechs Nächte nicht. Schlechte Luft, das Essen hat nicht geschmeckt, Jagden en masse waren da. Aber man hat den letzten Tag herbeigesehnt, der letzte Tag war so wie eine Erlösung aus einem Gefängnis, aus einer Krankheit. Aber man hat sich doch danach gesehnt, wieder 'Sechs Tage' zu fahren, aber es war doch etwas furchtbar Hartes."

Sprecherin:
Gustav Kilian war in den 30er bis 50er Jahren einer der erfolgreichsten Radsportler weltweit. Die Spezialdisziplin des Dortmunders war das Sechs-Tage-Rennen, ein Wettkampf, der ursprünglich wirklich durchgehend sechs Tage und Nächte ausgetragen wurde. Wer am Ende der 144 Stunden auf der ovalen Hallen-Radrennbahn die größte Distanz zurückgelegt hatte, gewann. Vor allem ausdauernd mussten die Fahrer sein. Müdigkeit war das Kennzeichen des Verlierers.

Sprecher:
Jagden en masse
habe es, so Gustav Kilian, vor allem früher in den langen Renn-Nächten gegeben. Das bedeutet, dass sich die einzelnen Rennfahrer während des Wettkampfes gegenseitig über die ovale Radrennbahn jagen und dabei versuchen, sich zu überholen. Der Sportler, der das Rennfeld anführt, ist sozusagen der Hase, dem die radfahrenden Verfolger hinterher jagen. En masse ist ein Ausdruck, der aus dem Französischen ins Deutsche übernommen wurde. En masse bedeutet eigentlich wörtlich übersetzt soviel wie in Masse. Sagt man beispielsweise: Ich hatte heute Arbeit en masse, bedeutet das, dass ich heute sehr viel Arbeit zu erledigen hatte.

Sprecherin:
Ob als Leistungssport oder Freizeitvergnügen, ob als Broterwerb oder Hobby: Fahrradfahren ist außerordentlich vielseitig. Es schont die Umwelt gleichermaßen, wie es den Körper fit hält. Doch der wichtigste Grund, sich aufs muskelbetriebene Zweirad zu schwingen, ist: Es macht ganz einfach Spaß!


Fragen zum Text

Die Draisine hat ihren Namen von …
1. Albrecht Draisinier.
2. Carl Friedrich Drais.
3. Baron Freiherr Marcel von Draisine.

Die Redewendung Ich bin platt bedeutet nicht, dass …
1. ich müde und erschöpft bin.
2. ich überrascht bin.
3. jemand über mich drüber gefahren ist.

Subunternehmer …
1. sind angestellt.
2. arbeiten selbstständig.
3. müssen sich selbst versichern.


Arbeitsauftrag
Stellen Sie sich vor, sie wären in einer deutschen Stadt mit einem Fahrrad unterwegs und Sie haben eine Reifenpanne. Sie können den Schaden nicht selbst reparieren und müssen in einer Reparaturwerkstatt fahren. Spielen Sie diese Situation – auf Deutsch – in Ihrer Gruppe. Ziel ist es, mit einem reparierten Fahrrad weiterzufahren.

Autor: Marcel Erlinghagen

Redaktion: Beatrice Warken

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