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Kultur

Die Welt der Mobilität erleben

Mit neuem Schwung durch die Geschichte der Mobilität: Das Verkehrsmuseum in Dresden nimmt die Besucher mit auf eine Reise durch 200 Jahre technische Entwicklung – zu Wasser, Luft und auf dem Land.

Vor rund 400 Jahren standen hier noch Kutschen und Pferde herum. Seit 1956 ist der einstige Marstall des kurfürstlichen Hofes Sitz des Dresdener Verkehrsmuseums. Hier kann man Deutschlands älteste Dampflok aus dem Jahre 1861 ebenso bewundern wie einen seltenen Dreisitzer aus den 1930er Jahren oder den ersten deutschen "luftgekühlten LKW". Sie alle erzählen von der Geschichte der mobilen Welt.

Fliegen wie eine Libelle

Ein etwa zehnjähriges Mädchen staunt. "Da kann man die Arme reinstecken und die Füße baumeln dann", sagt sie und blickt nach oben. Dort schwebt das älteste Fluggerät in der Luftfahrt-Ausstellung eindrucksvoll unter der Decke.

Segelflieger von Otto Lilienthal (Foto: DW)

Der Segelflieger von Otto Lilienthal

Es ist ein Segelgleiter, den Otto Lilienthal 1894 erfunden hat. Die Flügel sind geformt wie bei einer Libelle, und sie haben eine imposante Spannweite von rund sieben Metern.

Auch kuriose Dinge gibt es hier zu entdecken. Zum Beispiel einen Stuhl mit einer Lehne in Form eines Ballons oder einen Aschenbecher mit Luftschiff. Sie verdeutlichen, wie groß die Begeisterung für das Fliegen schon um 1900 war. Und wie die Technik sich bis heute weiterentwickelt hat.

Woher kommt der Propeller?

Rund 18.000 Exponate zeigt das Museum auf über 5.000 Quadratmetern. Was in anderen Häusern strikt verboten ist, ist hier unbedingt erlaubt – das Anfassen der Objekte. Die Besucher können Propeller per Hand anwerfen oder Lenkräder steuern und sich virtuell als Kapitäne versuchen. Interaktion wird hier groß geschrieben. Auch das ist ein Grund, warum das Verkehrsmuseum vor allem für Familien zu einem der beliebtesten Museen in Dresden gehört.

Kinder im Verkehrsmuseum (Foto: Gregor Fischer)

Kinder erleben Mobilität hautnah

“Das Mitmachen soll zukünftig noch viel stärker im Fokus stehen“, sagt Joachim Breuninger, der Museumsdirektor. So wurde vor kurzem ein Raum zum Experimentieren unter dem Motto “Erlebnis Fliegen“ eröffnet. Hier können die Besucher, vorwiegend Kinder, an Lernstationen ausprobieren, wie ein Flugzeug fliegt. Oder sie finden spielerisch heraus, welche Vorbilder aus der Natur für bestimmte Flugtechniken prägend waren. Ein Junge hält etwas ratlos eine Abbildung eines Propellers in der Hand und versucht sie zuzuordnen. Gürteltier? Tintenfisch? Nein, es ist der Ahornsamen, der sich beim Herabfallen wie ein Propeller um sich selber dreht.

"Da kann man die Kraft spüren"

Für Joachim Breuninger ist entscheidend, dass es in seinem Museum nicht nur um die Historie der Mobilität geht, sondern viel mehr um die Zukunft der modernen Verkehrstechnik, zum Beispiel um ökologische Aspekte. Eine große Rolle spielt auch die Verbindung der bislang einzelnen Themenbereiche wie Auto, Schiff und Eisenbahn. Er plant eine übergreifende Straßenverkehrsaustellung, in der die Verkehrsmittel einer bestimmten Ära parallel gezeigt werden.

Dampflok Saxonia (Foto: Igor Semechin)

Die Dampflok "Saxonia"

In Breuningers persönlichem Lieblingsbereich stehen die alten Dampflokomotiven. “Da kann man die Kraft noch spüren. Aber im Gegensatz zu den Hightech-Zügen ist auch noch die Konstruktion zu erkennen“. Die berühmte “Saxonia“ etwa sei noch bis vor zwei Jahren gefahren. Ein Nachbau des Originals von 1838. Sie ist für eine Dampflok ziemlich farbig. Grün- und Rottöne springen dem Besucher ins Auge. “Ich bin mir aber sicher, die Räder hatten früher eine andere Farbe“, erklärt der Experte.

Spuren der Vergangenheit

Was original ist und was durch Restauration verändert wurde, soll für den Besucher immer erkennbar bleiben. Auch die Gebrauchsspuren werden hier ganz bewusst nicht kaschiert. Schließlich kämen die Besucher hierher, um authentische Fahrzeuge zu sehen. Also lässt man ihnen auch die Spuren ihrer DDR-Vergangenheit. Die Museumssammlung besteht überwiegend aus jenen Fahrzeugen, die in Thüringen und Sachsen entwickelt wurden. In punkto Auto- und Eisenbahnbau hat diese Region einst Pionierarbeit geleistet.

Der Wartburg ist ein BMW

“Allein diese Form! Das waren noch Autos“, schwärmt ein Mann beim Anblick eines orangefarbenen Wartburg von 1960 - ein Prototyp. Schnittig flach, die Ka­ros­se­rie abgerundet und viel Chrom, ein "Leuchtturmprojekt“ der DDR, produziert in Eisenach. Nebenbei erfährt man, dass der Wartburg, ein DDR-Klassiker unter den Autos, eigentlich ein BMW-Modell war.

Ein Wartburg 1960 (Foto: DW)

Ein Wartburg von 1960

1932 begann BMW mit dem Autobau in einem Werk in Eisenach. Nach der Teilung Deutschlands wurde dort weitergebaut und kräftig exportiert. Bis BMW bewirkte, dass sich die Eisenacher in EMW, Eisenacher Motorenwerke, umbenennen mussten. Die produzierten dann ein eigenes Folgemodell mit dem Namen "Wartburg". Eine Ironie der deutsch-deutschen Geschichte.

Wir sind kein Heimatmuseum

"Das war der Hühnerschreck", erklärt ein nicht mehr ganz junger Mann und zeigt auf ein Moped, eine SR1 von 1956. Der nostalgische Herr besaß drei dieser Modelle. In einer Zeit, als Autos und Busse rar waren, konnte er sich auf diese Zweisitzer verlassen. Klar, die Technik hat sich weiterentwickelt, aber viele Besucher haben ihre Erinnerungen an einzelne Objekte.

"Ein Heimatmuseum wollen wir aber nun wirklich nicht sein", wehrt Joachim Breuninger ab. Aber vielleicht sind sie im besten Sinne doch eins. Ein Verkehrsmuseum, dass die großartigen technischen Entwicklungen in punkto Mobilität nicht nur sichtbar, sondern erlebbar macht. Und das auch noch mit einem regionalen Fokus. Dass das Konzept aufgeht, beweisen die steigenden Besucherzahlen. "Und es kommen immer mehr Frauen zu uns", sagt Breuninger. Ein Indiz für ihn dafür, dass sein Verkehrsmuseum nicht nur für Technikfreaks attraktiv ist.

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