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Wirtschaft

Die Welt demonstriert Einigkeit

Geschlossenheit im Angesicht der Finanzkrise: Alle 185 Mitgliedsländer des internationalen Währungsfonds haben sich hinter den Aktionsplan der G7 gestellt. Mit Spannung werden nun die europäischen Pläne erwartet.

Währungs- und Finanzausschuss des IWF am Samstag, Quelle: AP

Währungs- und Finanzausschuss des IWF am Samstag

Die Staatengemeinschaft hat Einigkeit in der globalen Finanzkrise demonstriert, während konkrete Maßnahmen der Eurozonen-Staaten zur Rettung des Finanzsektors weiter gespannt erwartet wurden. Ein Aktionsplan der sieben führenden Industrienationen (G7) wurde am Samstag (12.10.2008, Ortszeit) bei der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington von allen 185 Mitgliedsländern unterstützt.

Kreditversprechen

In ihrem Aktionsplan hatten sich die G7-Länder USA, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Kanada und Italien am Freitag unter anderem darauf verständigt, wichtige Finanzinstitutionen vor dem Zusammenbruch zu retten. Dazu wollen die führenden Industrienationen "alle notwendigen Schritte" unternehmen, um die zusammengebrochenen Kreditmärkte wiederzubeleben.

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn, Quelle: AP

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn

Der Lenkungsausschuss des IWF teilte mit, die Institution werde Kredite für Staaten bereitstellen, die durch die Finanzkrise in Not geraten seien. "Wir stehen bereit, allen zu helfen, die Unterstützung anfragen", sagte Strauss-Kahn. "Wir haben eine Menge Ressourcen, die zur Verfügung stehen." Der Fonds wolle überdies eine führende Rolle bei der Analyse der Ursachen der Finanzkrise übernehmen und Empfehlungen zur Wiederherstellung von Vertrauen und Stabilität abgeben, hieß es weiter. Damit solle sofort begonnen werden.

"Kernschmelze der Finanzsysteme"

Auch aufstrebende Wirtschaftsgiganten wie China, Indien und Brasilien versicherten nach einer Sondersitzung der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20), dass sie eine aktive Rolle bei der Stabilisierung der Märkte spielen wollen. "Die erste Koordinierung zwischen Industrieländern und dem Rest der Welt ist auf die Schiene gebracht", sagte IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn zum Schulterschluss der Mitgliedsländer des Fonds. Er sei zuversichtlich, dass bereits "in den nächsten Tagen" die Märkte positiv reagieren würden und der derzeit zum Stillstand gekommene Kreditmarkt wieder in Schwung komme. Zuvor hatte er jedoch in krassen Worten gewarnt, die Finanzsysteme der Welt stünden vor einer "Kernschmelze".

Werden die Rettungspläne die Laune der Händler an der Wall Street verbessern?, Quelle: AP

Werden die Rettungspläne die Laune der Händler an der Wall Street verbessern?

Die "Stunde der Wahrheit" sollte dem britischen Premierminister Gordon Brown zufolge jedoch am Sonntagabend beim Eurozonen-Gipfel in Paris schlagen. Nachdem Experten den Aktionsplan der G7 als zu vage kritisiert hatten, kündigte Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde in Washington an, die Staats- und Regierungschefs der 15 Euro-Länder würden "konkrete" Maßnahmen verkünden. Einzelheiten nannte sie nicht. Sie gehe aber davon aus, dass auch über umfassende Bürgschaften für Interbankenkredite beraten werde. Derartige Maßnahmen werden Presseberichten zufolge auch von der Bundesregierung vorbereitet und sollten demnach von Merkel auf dem Gipfel, also noch vor Öffnung der Märkte am Montag, verkündet werden.

Werben um Verständnis

Insgesamt könne das Paket bis zu 400 Milliarden Euro umfassen, meldete das "Handelsblatt". Merkel warb schon im Vorfeld des Gipfels in einem Interview mit der "Bild am Sonntag" bei der Bevölkerung für Verständnis für staatliche Stützungsmaßnahmen. "Wir tun das nicht im Interesse der Banken, sondern im Interesse der Menschen", beteuerte die Kanzlerin.

US-Präsident George W. Bush am Samstag mit den Finanzministern der G7-Staaten, Quelle: AP

US-Präsident George W. Bush am Samstag mit den Finanzministern der G7-Staaten

Der britische Premier Brown, dessen Land nicht zur Eurozone gehört, der aber zu dem Treffen in Paris ebenfalls eingeladen war, riet seinen EU-Kollegen, sich bei ihren Beschlüssen an Großbritannien zu orientieren. Sein Land, das am Mittwoch eine Teilverstaatlichung angeschlagener Banken verkündet hatte, könne "den Weg zeigen", schrieb Brown in einem Beitrag für den "Sunday Mirror". "Ich werde nach Paris fahren, um die anderen europäischen Länder zu überzeugen, den gleichen umfassenden Ansatz zu wählen, den wir in Großbritannien angewendet haben." (stu)

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