1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Nahost

Die Welle der Gewalt im Irak geht weiter

Nach mehreren bewaffneten Attentaten im Irak haben am Samstag (14.2.) Aufständische Polizeiwache und Hauptquartier der irakischen Zivilmiliz überfallen und mehr als 20 Menschen getötet. Das Ende einer blutigen Woche.

default

Ein verwundeter Polizist nach dem Angriff in Falludscha

Bei einem Feuerüberfall Dutzender Aufständischer auf zwei Gebäude der irakischen Sicherheitskräfte in der Stadt Falludscha sind am Samstag (14.2.2004) Mehr als 20 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Toten sind laut Agenturangaben vor allem Polizisten und einige Angreife. Etwa 30 weitere Personen seien verletzt worden. Hunderte Insassen eines Polizeigefängnisses nutzten den Überfall zur Flucht.

Den Weg freigeschossen

Die Aufständischen fuhren mit Autos und Pritschenwagen fast zeitgleich vor die Polizeiwache sowie das Hauptquartier der irakischen Zivilmiliz (ICDC) in der Kleinstadt 70 Kilometer westlich von Bagdad. Sie schossen sich mit Panzerfäusten und Maschinengewehren den Weg ins Innere der Gebäude frei, erschossen Polizisten und Zivilmilizionäre und warfen Handgranaten. Dann zogen sie sich mit ihren Fahrzeugen wieder zurück.

Die rund um Falludscha stationierten US-Fallschirmjäger trafen erst später am Schauplatz ein. Mehrere Stunden lang kreisten US-Hubschrauber über der Stadt. US-Truppen riegelten die Umgebung ab. Es galt die höchste Sicherheitsstufe. Ob sich unter den im Tumult geflohenen Häftlingen des der Wache angeschlossenen Polizeigefängnisses auch prominentere Aufständische befanden, war zunächst nicht klar.

Wiederholter Angriff

Polizeiquellen in Falludscha bezifferten die Zahl der Angreifer auf 50 bis 100. Die Polizei- und Milizkräfte in den beiden Gebäuden seien den Angreifern an Bewaffnung unterlegen gewesen, hätten aber das Feuer laut Agenturmeldungen erwidert, so gut sie konnten. Unter den Opfern der Gefechte waren auch einige unbeteiligte Passanten.

Bereits am Donnerstag (12.2.2004) hatten Guerillas in der Kleinstadt schon einmal das Hauptquartier der Zivilmiliz angegriffen. Die Attacke war genau zu dem Zeitpunkt erfolgt, als US-General John Abizaid das Hauptquartier besuchen wollte. Abizaid ist der Oberbefehlshaber aller US-Truppen zwischen dem Horn von Afrika und Afghanistan. Bei dem Angriff vor zwei Tagen wurde nach US-Angaben niemand verletzt. Die Angreifer konnten entkommen.

Dutzende Tote in einer Woche

Am Mittwoch zuvor riss ein Selbstmordattentäter vor einem Rekrutierungsbüro der neuen irakischen Armee in Bagdad mindestens 47 Menschen mit in den Tod. Der Anschlag glich dem Attentat vom Dienstag, bei dem vor einer Polizeiwache in Iskandarija ein Auto inmitten hunderter Zivilisten explodierte, die sich zum Polizeidienst melden wollten. 55 Menschen wurden dabei getötet und Dutzende verletzt.

Im Streit um den Machtwechsel im Irak sprachen sich die Vereinten Nationen (UN) am Freitag (13.2.2004) gegen allgemeine Wahlen vor dem 30. Juni aus, was die schiitische Bevölkerungsmehrheit bisher forderte. Der UN-Sondergesandte Lakhdar Brahimi warnte gleichzeitig vor einem Bürgerkrieg in Irak. Das Land stehe vor "sehr, sehr ernsten Gefahren", sagte Brahimi.

Besuchserlaubnis für Saddam Hussein

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat mittlerweile von der US-Besatzungsmacht die Zustimmung für den lange geforderten Besuch beim gestürzten irakischen Staatschef Saddam Hussein erhalten. "Wir haben grünes Licht für den Besuch, wir wissen aber noch nicht genau wann", sagte IKRK-Präsident Jakob Kellenberger der Schweizer Tageszeitung "Tribune de Geneve". Das IKRK geht davon aus, dass Saddam als ehemaliger Oberkommandierender der irakischen Streitkräfte gemäß der Genfer Konventionen als Kriegsgefangener behandelt werden muss. (kap)