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Politik

Die Weisen des Global Village

Auf Einladung von Nelson Mandela will eine Gruppe internationaler Persönlichkeiten neue Impulse für den Frieden geben. Erstes Missionsziel der Global Elders war Darfur. Doch was können die Welt-Dorfältesten erreichen?

Graca Machel (l.), Desmond Tutu (m.) und Lakhdar Brahimi (Quelle: AP)

Drei "Elders" in Darfur: Graca Machel (l.), Desmond Tutu (m.) und Lakhdar Brahimi

Friedensnobelpreisträger, Elder Statesmen und Spitzendiplomaten geben sich in der sudanesischen Krisenregion Darfur seit Monaten die Klinke in die Hand. Doch der dort tobende blutige Konflikt scheint weiter von einer Lösung entfernt als je zuvor. Was einige von ihnen nicht daran hindert, die Krisenregion aufs Neue zu besuchen. Nicht einer nach dem anderen und nicht als Preisträger, verdiente Staatsmänner oder UN-Diplomaten.

Diesmal kommen sie zusammen – als Dorfälteste des globalen Dorfes oder "The Elders" wie sie sich nennen. In dem 13-köpfigen Ältestenrat finden sich bekannte Namen wie etwa der von Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan, Ex-US-Präsident Jimmy Carter oder der Menschenrechtlerin und ehemaligen irischen Präsidentin Mary Robinson. Auch Nelson Mandela ist dabei. Auf seine Einladung hin war die Gruppe im Juli entstanden, um neue Wege zu finden, die Krisenherde der Welt zu befrieden.

Erfahren und unparteiisch?

Jimmy Carter spricht mit zwei Männern. Dabei steht ein Mann in Uniform (Quelle: AP)

"Elder" Ex-US-Präsident Carter spricht mit Flüchtlingsvertretern in Darfur

In den vergangenen Tagen sind unter Leitung des südafrikanischen Erzbischofs Desmond Tutu vier der Welt-Dorfältesten in den Sudan gereist, um mit Vertretern von Regierung und Rebellen zu sprechen und sich vor Ort umzusehen. "Wir sind eine neue Gruppe […] wir repräsentieren kein Land, keine Regierung und keine Organisation", sagte Tutu gleich nach der Ankunft.

Ihre Erfahrung und Unparteilichkeit ist eine Basis ihrer Arbeit, denn die Elders können weder politische noch wirtschaftliche Entscheidungen treffen und befehligen keine Truppen. Gleichwohl haben sie einen besonderen Zugang zu den politischen Schaltzentralen der Welt. Dazu kommt ein Publicity-Effekt, der das Medieninteresse auf die Konfliktregion lenkt. Auch der Zeitpunkt der Sudan-Mission ist bewusst gewählt: Demnächst treffen sich die Konfliktparteien zu Friedensgesprächen in Libyen.

Zumindest für ihren Einsatz in Afrika könnten die "Elders" auf einen weiteren Vorteil hoffen, sagt David Francis vom Institut für Friedens- und Konfliktforschung der britischen Bradford University. Dorfälteste bei der Lösung eines Konfliktes heranzuziehen sei traditionell in vielen afrikanischen Kulturen verankert. "Insofern könnte die Mission der Elders in Afrika auf ein besseres Echo hoffen als in anderen Teilen der Welt", sagt Francis.

"Elders müssen Stellung beziehen"

Feld mit dicht aneinander gedrängten Zelten (Quelle: dpa)

In Darfur sind mehrere Millionen Menschen aus ihren Häusern in Flüchtlingscamps geflohen (Archivbild)

Dass Tutu und seine Weisen des Global Village konkrete Verbesserungen für die Menschen in der Region bewirken können, sieht Francis dagegen skeptisch. Trotz des Namens seien die Elders zum Großteil ehemalige Politiker und damit zumindest in den Augen ihrer Gesprächspartner nicht unparteiisch. "Tutu sagt, was andere von ihm erwarten, aber bezieht keine Stellung. Er hat nicht einmal von der sudanesischen Regierung gefordert, Offizielle auszuliefern, die bereits vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt wurden."

Doch die Situation in Darfur ist so festgefahren, dass jeder neue Ansatz versucht werden sollte, meint Leslie Lefkow vom Afrika-Team der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Das gelte auch für die Elders. "Ob selbst deren gutes Zureden am Ende genug ist, glaube ich jedoch nicht", sagt sie.

Vorbeugende Diplomatie statt Krisenmanagement

Mann mit Maschinengewehr auf Lastwagen-Ladefläche (Quelle: dpa)

Sudanesische "Spezial"-Polizei im Einsatz gegen Rebellen (Archivbild)

Vielleicht liegt die Stärke der Elders aber in einem ganz anderen Bereich, obwohl sie mit Darfur eine aktuelle Krisenregion zum Ziel ihrer ersten Mission gemacht haben. "Weltweit sind in vielen Fällen vor dem Ausbruch offener Konflikte immer wieder die gleichen Muster von Misshandlungen zu beobachten. Das war auch im Vorfeld des Darfur-Konflikts so", sagt Lefkow. "Ein präemptives Eingreifen der Elders an diesem Punkt – wenn die Weltöffentlichkeit, Regierungen und Medien noch gar nicht interessiert sind – könnte viel wirksamer den Ausbruch offener Gewalt verhindern."

Das sieht auch David Francis so. "Als Feuerwehrleute in Krisensituationen sind die Elders wenig geeignet. Für vorbeugende Diplomatie dagegen viel mehr." Insgesamt werde präventive Diplomatie bei der internationalen Friedenssicherung bislang eher vernachlässigt – ein Feld, dass die Elders gewichtig besetzen könnten.

Dass ihre erste Mission den Darfur-Konflikt einer Lösung näher bringt, ist nicht zu erwarten. Der Lernprozess für die Elders selber ist wahrscheinlich wichtiger. Denn mittelfristig werden sie sich fragen müssen, ob ihr Engagement einen Unterschied machen kann. Wenn ja, dann hat die Welt neben den historisch gewachsenen globalen Organisationen und Mechanismen zur Konfliktlösung eine weitere wichtige und völlig neuartige Institution gewonnen. Andernfalls werden die Elders bald wieder vergessen sein.

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