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Kultur

Die Ware Film

Aus der ganzen Welt reisten die Profis der Filmindustrie an. Neun Tage lang machten sie in Berlin Geschäfte. Längst ist die Bundeshauptstadt zu einem der wichtigsten Filmmärkte der Welt geworden.

Über Geld wird hier nicht gesprochen. Geschäftsgeheimnis. Noch nie, sagt Beki Probst, seit 1988 Leiterin des European Film Market, sei jemand in ihr Büro gekommen und habe freudestrahlend verkündet, dass er seinen Film für 3 Millionen nach Frankreich, in die USA oder sonst wohin verkauft habe. Man ist diskret. Aber die Geschäfte florieren. Dafür spricht nicht zuletzt der Zuspruch, den dieser Filmmarkt erfährt. Über die Jahrzehnte hat er sich nämlich von einem kleinen Anhängsel der Internationalen Filmfestspiele Berlin zu einem der ganz großen Filmmärkte der Welt entwickelt.

Treffpunkt Berlin

Etwa 7000 Teilnehmer aus rund 90 Ländern haben sich dieses Mal registrieren lassen, um während der Berlinale Geschäfte zu machen. Im Angebot haben sie geschätzt 750 Filme, die in den prächtigen Räumen des Martin Gropius Baus sowie in einem benachbarten Luxushotel leidenschaftlich verhandelt werden. Nachdem man sie sich angesehen hat in einem der vielen Kinosäle, die ausschließlich den Teilnehmern des European Film Markets vorbehalten sind. Elegante Männer und Frauen sind das zumeist, die in schwarzen Limousinen von Termin zu Termin und von Vorführung zu Vorführung kutschiert werden.

Bild für einen Beitrag über den Europäischen Film Markt (EPK) Foto: Silke Bartlick 9.2.2012

Im Martin Gropius Bau

Der Filmwirtschaft geht es gut, Finanzkrisen hin oder her. Die Leute brauchen Filme, sagt Beki Probst. Ohne Filme geht es einfach nicht. Und die Auswahl ist verdammt groß. Genrefilme – Horror, Science Fiction, Fantasy, Suspense, Thriller, Komödien - Dokumentationen und natürlich Arthouse, alles ist im Angebot, wird von Hollywood nach Singapur und von Hongkong nach Rio verkauft. Solange die Story universell ist, sind dem Handel kaum Grenzen gesetzt. Mal abgesehen davon, dass beispielsweise die Chinesen einen Bogen um Horrorfilme machen und der Iran keinen Streifen kauft, in dem viel Haut gezeigt wird.

Handel und Wandel

Bild für einen Beitrag über den Europäischen Film Markt (EPK) Foto: Silke Bartlick 9.2.2012

Plakate, Plakate

Die Berlinale scheint eine nahezu perfekte Kulisse für diesen weltweiten Handel zu sein, erfährt man hier doch hautnah und quasi nebenbei, wie ein sachkundiges internationales Publikum auf neueste Produktionen reagiert. Und weil eh' alle da sind - die Händler, die Produzenten und all die Filmschaffenden - ist der European Film Market auch eine wunderbare Gelegenheit, um neue Projekte anzustoßen. Man sucht und findet mit etwas Glück und Geschick Kproduzenten, entwickelt gemeinsam neue Ideen und bringt Menschen zusammen. Denn ja, es sei wichtig, dass man sich persönlich begegnet, allen neuen Kommunikationsmöglichkeiten zum Trotz. Das hört man an den Messeständen im Martin Gropius Bau immer wieder.

Bestehende Kontakte werden gepflegt, neue bahnen sich an. Denn die aufstrebenden Länder Asiens und Lateinamerikas drängen auf den Markt. Sie präsentieren in Berlin ihre Produktionen, einige wenige manchmal nur, und sie prüfen, was sie ihrem Publikum mitbringen können. Glück hat, wer auf den einen oder anderen Film verweisen kann, der in einer der Sektionen der Berlinale gezeigt wird.

Deutsche Filme

Deutsche Filme sind im Festival traditionell gut vertreten, darüber hinaus sorgt die Oscar-Nominierung von Wim Wenders 3D-Film „Pina“ für viel Aufmerksamkeit. Davon profitiere die gesamte deutsche Filmproduktion, sagt Mariette Rissenbeek, Managing Director bei german films. Frei nach dem Motto: „Mal sehen, was die sonst noch so können!“ Das ist, wie man schnell herausfindet, eine ganze Menge. Denn in Deutschland werden nicht nur hochwertige, sondern auch höchst unterschiedliche Filme produziert. Dank des Deutschen Filmförderfonds zählen dazu auch internationale Großproduktionen, die beispielsweise in den Studios in München oder Potsdam-Babelsberg realisiert werden.

Bild für einen Beitrag über den Europäischen Film Markt (EPK) Foto: Silke Bartlick 9.2.2012

Stand 'German Films'

Im Inland haben die deutschen Produktionen zuletzt, also im Jahr 2011, 21 Prozent der Umsätze an den Kinokassen ausgemacht. Ein schönes Ergebnis. Und weltweit? Da sei der Zuspruch unterschiedlich, sagt Mariette Rissenbeek. Die Franzosen schätzten gerade das intellektuelle deutsche Kino, aber in viele andere Länder seien artifizielle Arbeiten nur schwer zu verkaufen. Sie wünscht sich deshalb noch mehr universell erzählte Geschichten. Filme, die überall verstanden werden.

Nachwuchssorgen

Bild für einen Beitrag über den Europäischen Film Markt (EPK) b die Fotos habe ich am 9.2.2011 aufgenommen. Dieses zeigt den Martin Gropius Bau, den zentralen Veranstaltungsort des EFM. Silke Bartlick

Werben für den Film

Anne Laurent, bei der Austrian Film Commission zuständig für die internationalen Beziehungen, wünscht sich vor allem ein anderes Publikum. Oder genauer, ein Publikum, das sich nicht nur im Rahmen von Filmfestivals auf spröde Stoffe und unkonventionelle Erzählweisen einlässt. Der in vielen Ländern zu beobachtende Trend, dass insbesondere jüngere Menschen Kino als reine Unterhaltung mit Popcorn und Softdrinks verstehen, macht der Branche Sorge. Denn wer es nicht gelernt hat, sich auf anspruchsvolle Filme einzulassen, ist als Publikum verloren. Dänemark, traditionell sehr auf die Nachwuchsförderung bedacht, lässt deshalb nicht nur 25 Prozent aller Fördergelder in die Kinderfilmproduktion fließen, sondern hat das Filmegucken und Besprechen nun auch zu einem Unterrichtsfach gemacht. Auch darüber wird geredet, während dieses European Film Markets.

Autor: Silke Bartlick
Redaktion: Birgit Görtz